Kaiserslautern
Auf dem Pfaff-Gelände geht es nur langsam voran
Wer an Tagen wie diesen über das Pfaff-Gelände spaziert, holt sich nasse und vor allem schmutzige Schuhe. Die Sanierung des Areals läuft noch, wobei mittlerweile rund die Hälfte der alten Gebäude abgerissen ist. „Wir sind noch im Zeitplan“, sagt Weichel. Doch mit Blick auf den Bau des Medizinischen Versorgungszentrums, hinter dem die Investorengemeinschaft Redstone One mit Antonio Baker-Schreyer, Jürgen Gottschall und Hardy Müller steht, wird es ihm ein bisschen mulmig.
Kommt provisorische Zufahrt zum MVZ?
Nach Angaben von Rainer Mürköster, der als kaufmännischer Geschäftsführer in der Pfaff-Entwicklungsgesellschaft (PEG) für die Vermarktung zuständig ist, aber nur eine halbe Stelle hat, soll das Gebäude Mitte 2023 im Vollbetrieb laufen. Dann muss es angefahren werden können. „Wir können die Leute nicht durch den Matsch laufen lassen“, sagt Weichel. Aber die Erschließungsstraße ab der Albert-Schweitzer-Straße werde bis dahin nicht fertig. Deshalb gebe es Überlegungen, zunächst eine Zufahrt durch den früheren Haupteingang an der Pforte zu ermöglichen, über die künftige Lina-Pfaff-Achse. „Dort muss dann asphaltiert werden, die Kunden müssen gut ins Gebäude und in das Parkhaus kommen, das hinter dem MVZ gebaut wird.“
In der Pforte läuft der Ausbau
Das MVZ, das in das frühere Pfaff-Verwaltungsgebäude an der Königstraße einzieht und aufwendig umgebaut wird, ist für Weichel ein Schlüsselprojekt. „Das war vor zwei Jahren der Impuls, dass es losgeht.“ Er werde alles tun, um die Investoren weiter zu unterstützen.
In der Pforte läuft der Ausbau. Dort soll die PEG einziehen, die bereits aus dem Rathaus-Nord ausgezogen ist und übergangsweise in Containern auf dem Pfaff-Gelände residiert. Weichel ist zuversichtlich, dass der Umzug in die ehemalige Pförtnerloge bis März möglich wird.
1,3 Millionen Euro in Kesselhaus investiert
Beim Blick auf die frühere Heizzentrale, das Neue Kesselhaus, legt Weichel die Stirn in Falten. 1,3 Millionen Euro seien in den Erhalt investiert worden, jetzt suche die Stadt einen Käufer. „Wir können das nicht stemmen.“ Vorgesehen war, hinter der Fassade nach dem Haus-im-Haus-Prinzip ein Zweitgebäude zu errichten, in das das sogenannte Reallabor hätte einziehen sollen. Eine Art Demo-Zentrum für neue Energie- und Mobilitätskonzepte. Bei Arbeiten hatten sich großflächig Steine aus dem alten Mauerwerk gelöst. Weichel hofft nun, dass sich ein Investor findet, der die alte Substanz nutzt und in einen Neubau integriert. „Gehobene Gastronomie würde sich für das zentrale Gebäude mit dem hohen Schornstein hervorragend eignen, so etwas würde das Quartier aufwerten“, sagt der Verwaltungschef. Zumal direkt davor der größte Platz entstehe.
Die Idee, das Alt-Gebäude mit einem 2000 Quadratmeter großen Grundstück zu vermarkten, sei vom Tisch. „Dann müssten wir ausschreiben, das wollen in dem Fall nicht.“ Gespräche mit Interessenten liegen auf Eis, erläutert Mürköster. „Weil wir noch nicht sagen können, wann die Erschließung steht, sprich wann es eine Versorgung mit Strom und Wasser gibt, ein Kanal liegt. Da erwarten wir aber kurzfristig Informationen“, so Mürköster. Sorgen, dass die Mauerreste den Winter nicht überstehen, haben Mürköster und Weichel nicht. „Die Mauern sind gut gesichert.“
Regenrückhaltebecken wird umgeplant
Der Bau des großen Regenrückhaltebeckens mitten auf dem Areal wird laut Weichel noch einmal überplant. Zum Hansa-Gebäude direkt daneben, im Volksmund nach dem Architekten Fritz Seeberger der „Kleine Seeberger“ genannt, gibt es Neuigkeiten. Aus den Fraktionen sei die Idee gekommen, dort das Innovationszentrum anzusiedeln. „Ich werde darüber mit Verantwortlichen im Wirtschaftsministerium sprechen“, kündigte Weichel an. Ursprünglich war das Zentrum mit dem Arbeitstitel RP Tec im alten Speisesaal geplant. Doch diesem Vorhaben, das mit zwei Neubauten kombiniert werden sollte, hatte das Land zuletzt eine Absage erteilt. „Da standen Kosten von 60 Millionen Euro im Raum. Das lässt sich angesichts der Flutkatastrophe im Ahrtal nicht realisieren.“ Ob eine kleinere Variante im Hansa-Bau eine Chance habe, müsse man abwarten. Die Idee ist, dass sich in so ein Zentrum, das bewusst provisorisch daher kommt, junge Gründer einmieten und Firmen Forschung dorthin verlagern.
Für den alten Speisesaal in dem markten Pfaff-Rot gibt es laut dem OB noch keinen Investor. „Es gab Nachfragen, Studierende der TU haben Ideen entwickelt.“ Da sei vieles möglich, etwa eine Nutzung als Veranstaltungsraum aufgrund der imposanten Größe, „aber dafür wird dann ein Betreiber gebraucht“.
Wohnungsbaugesellschaft Bau AG soll ins Boot
Weichel macht keinen Hehl daraus, dass er mit der Entwicklung des Areals gerne weiter wäre. Es werde wohl noch gut fünf Jahre dauern, bis es komplett baureif sei. Definitiv gut finden würde er es, wenn die städtische Wohnungsbaugesellschaft Bau AG auf dem 19 Hektar großen Quartier eine Kindertagesstätte und Wohnungen bauen würde. „Ich werde mit dem Innenministerium sprechen, ob es einen Weg gibt, an die Bau AG Grundstücke zum Bodenrichtwert zu verkaufen.“ Generell, so schätzt Weichel, werden sich die Preise wohl um die 350 Euro pro Quadratmeter bewegen. „Das Pfaff-Gelände, auf dem mal 3000 Menschen leben sollen, ist die letzte große zusammenhängende Fläche in der Stadt, die wir einer Entwicklung zuführen können.“
Etwas ins Schlingern kommt Weichel bei der Frage, wie genau er architektonische Qualität in dem Quartier sicherstellen will. „Es wird Architektenwettbewerbe geben, das Gestaltungshandbuch, das erstellt worden ist, ist für alle verbindlich.“ Darin ist beispielsweise festgesetzt, dass Rot- und Beigetöne, wie sie den ehemaligen Industriestandort prägten, Verwendung finden sollen, Gründächer und Solaranlagen kommen sollen. Und wer wacht darüber? Am Ende habe der Stadtrat das letzte Wort. So sei es beschlossen worden. „Wie das dann im Vollzug aussieht, da fehlt mir noch die Fantasie“, so Weichel.
