Fragen und Antworten
Arbeitsmarkt in der Westpfalz: „Viel Know-how geht in den Firmen verloren“
Die Westpfalz: Was ist das für die Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens?
Das Gebiet umfasst die kreisfreien Städte Kaiserslautern, Pirmasens und Zweibrücken, zudem sind damit die Landkreise Südwestpfalz, Kaiserslautern, Kusel und der Donnersbergkreis gemeint.
Wie viele Menschen arbeiten in der Westpfalz? Wie sieht es mit der Arbeitslosigkeit aus?
Laut Agentur für Arbeit zählte die Region 2022 rund 168.000 Menschen in einem Arbeitsverhältnis, für das auch Steuern und Beiträge gezahlt werden. Im Dezember 2023 waren in der Region knapp 17.000 Menschen arbeitslos gemeldet, was einer Quote von sechs Prozent entspricht. 25,4 Prozent der arbeitenden Menschen sind 55 Jahre alt oder älter, was die anstehenden Veränderungen in der Arbeitswelt der Region in der kommenden Dekade erahnen lässt.
Was wird den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren beschäftigen?
„Die Babyboomer-Jahrgänge kommen jetzt ins Rentenalter“, sagt der Chef der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, Peter Weißler. Das treffe die Unternehmen „quantitativ, aber auch qualitativ“: „Viel Know-how geht in den Firmen verloren“, vermutet Weißler. Der Chef der Agentur nennt aber auch „mehrere Hebel, mit denen sich der Fachkräfte-Bedarf angehen lässt“: Aus- und Weiterbildung, eine Steigerung der Erwerbstätigkeit von Teilzeitkräften (Aufstockung), gezielte Zuwanderung sowie die Qualifikation von Geflüchteten.
Welche Möglichkeiten gibt es noch, dem Fachkräftemangel zu begegnen?
„Die Schere geht auseinander“, sagt Weißler. Heißt: Auf dem Markt werden mehr Fachkräfte gesucht als nachwachsen. Die gesuchten, hohen Qualifikationen bringen Arbeitslose, die womöglich keine Berufsausbildung oder keinen Schulabschluss haben, nicht mit. Weißler regt an, komplexe Arbeitsläufe vielleicht zu untergliedern, damit einfache, auch von weniger qualifizierten Arbeitskräften zu leistende Arbeitsschritte entstehen. „Eins zu eins können die frei werdenden Stellen nicht ersetzt werden.“
Wie viel Arbeitslosengeld wird in der Westpfalz gezahlt?
2023 wurden in der Region knapp 131 Millionen Euro an Arbeitslosengeld gezahlt. Das waren knapp zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahr. „Das Geld bleibt aber hier in der Region, fließt sofort in den Konsum und stärkt die Kaufkraft der Region“, sagt Weißler.
Wie sieht es mit Zahlungen für Kurzarbeit und Insolvenzen aus?
Knapp zwei Millionen Euro flossen 2023 in die Kurzarbeit, im Jahr zuvor waren es mehr als 14,5 Millionen Euro mehr. „Kurzarbeit ist massiv zurück gegangen“, sagt Weißler. Dagegen ist das Insolvenzgeld angestiegen: Waren es 2022 noch rund 3,7 Millionen Euro, wurden im vergangenen Jahr knapp 15 Millionen Euro an Insolvenzgeld ausgezahlt. „Das sind sehr punktuelle Ausgaben“, sagt Weißler, wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen muss, schlage das gleich durch. 2023 spielten dabei der Hersteller von Fitnessgeräten Ergofit (Pirmasens) und die Heger-Firmengruppe (Enkenbach-Alsenborn) eine gewichtige Rolle.
Welche Leistungen finanziert die Agentur für Arbeit noch?
Die Beratung und Vermittlung von Arbeitssuchenden ließ sich die Agentur für Arbeit in der Westpfalz in den vergangenen beiden Jahren um die fünf Millionen Euro kosten, 2022 waren es 4,8 Millionen, 2023 stieg die Summe auf 5,2 Millionen Euro an. Das Budget für Weiterbildungen wurde ausgeweitet, 2023 waren es mehr als zehn Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,9 Millionen Euro. In die Begleitung und Betreuung von Auszubildenden fließen konstant rund sieben Millionen Euro. In die Rehabilitation von Schwerbehinderten investierte die Agentur für Arbeit 2023 knapp 20 Millionen Euro.
Welche Rolle spielen Geflüchtete am Arbeitsmarkt in der Westpfalz?
Rund 3000 Menschen, die in der Westpfalz Arbeit gefunden haben, stammen aus den acht Ländern, die die Migration in die Region dominieren: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. Zum Stichtag 30. Juni waren es genau 3053, ein Jahr zuvor waren es knapp 800 Menschen weniger. Die Agentur für Arbeit führt zusätzlich eine Statistik mit Blick auf Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen. 791 Menschen aus der Ukraine hatten in der Region Mitte 2023 eine Arbeit gefunden, ein Jahr zuvor waren es rund 250 Menschen weniger.
Die Wirtschaftswelt von Stadt und Landkreis
Die Wirtschaft in der Stadt Kaiserslautern bietet fast 57.000 Menschen Arbeit. 56.970 Arbeitsplätze (sozialversicherungspflichtig) zählte die Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens zum 30. Juni 2023. Im Vergleich zu 2022 ist das ein Anstieg um 3,7 Prozent oder in absoluten Zahlen um 2065 Arbeitsplätze, berichtet der Leiter der Agentur. Vor fünf Jahren noch waren es mehr als 3000 Arbeitsplätze weniger. Zum Vergleich: In Kaiserslautern arbeiten fast so viele Menschen wie in den Landkreisen Kusel und Kaiserslautern sowie im Donnersbergkreis zusammen. Dort waren es knapp 62.000 Menschen.
Handel dominiert in der Stadt
Das dominierende Gewerbe in der Stadt ist der Handel, inklusive Versandhandel, wie Weißler mit Blick auf das im Herbst 2022 eröffnete Logistikzentrum des Versandhauses Amazon ergänzt. So ist es auch wenig verwunderlich, dass dieser Bereich auch den – mit Abstand – höchsten Zuwachs an Arbeitsplätzen verzeichnet, ein Plus von 1816 .
Seit einigen Jahren rückläufige Zahlen liefere das verarbeitende Gewerbe, die klassischen Industriebetriebe. „Das war lange Zeit dominierend in der Stadt“, so Weißler. Zwar arbeiteten noch rund 8000 Menschen in dieser Branche, der Trend gehe aber schon seit einigen Jahren nach unten. Auf Rang zwei in der Auflistung der Anzahl der Arbeitsplätze mit Blick auf die Branchen ist das Gesundheits- und Sozialwesen, wo in der Stadt knapp 8500 Menschen ihr Geld verdienen.
Der Arbeitsmarkt in der Stadt präsentiert sich aus Sicht Weißlers „sehr stabil“, auch Baugewerbe, Soziales oder die Informations- und Kommunikationsbranche verzeichnete einen Stellenaufbau. Rückläufig, aus Sicht Weißlers durchaus erfreulich, ist die Zeitarbeit.
In den kommenden zehn Jahren gehen 13.500 Menschen, die bisher noch in der Stadt arbeiten, in Rente, etwas weniger als ein Viertel der Gesamtanzahl an Arbeitnehmern. Diese Entwicklung allein ist aus Sicht Weißlers schon herausfordernd für den Arbeitsmarkt. Doch damit nicht genug: Ein weiterer Stellenaufbau – danach sieht es im Moment aus, Stichwort ACC-Batteriezellwerk, – müsse zudem von der Region geschultert werden. Auch aktuell suchen die Unternehmen in der Stadt nach Arbeitskräften, im Dezember 2023 waren rund 1600 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, vor allem in den Branchen Logistik, Fertigung und Gesundheit fehlen helfende Hände. Die Arbeitslosenquote ist im vergangenen Jahr kaum merklich gesunken, um 0,1 Prozentpunkte von 8,1 auf 8,0 Prozent. Knapp 4400 Menschen waren in Kaiserslautern im Dezember arbeitslos gemeldet.
Coronadelle? Gibt es im Landkreis Kaiserslautern nicht
Im Landkreis Kaiserslautern steigt die Anzahl Menschen, die in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen, seit Jahren an. Zum 30. Juni des vergangenen Jahres arbeiteten knapp 27.000 Menschen im Landkreis, fünf Jahre zuvor gab es rund 1500 Arbeitsplätze weniger. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete die Agentur für Arbeit ein Plus von 0,6 Prozent. „Wir beobachten im Landkreis einen klaren Anstieg und das seit Jahren“, kommentiert Peter Weißler die Zahlen. Selbst in den Corona-Jahren verzeichnet die Kurve keine Delle, zeigt stetig weiter nach oben.
Fast 5000 Menschen im Landkreis arbeiten im Gesundheits- und Sozialwesen. „Eine Konjunktur resiliente Branche: Betreut und gepflegt werden muss immer“, sagt Weißler. Damit steht die Branche an der Spitze der Liste der Anzahl der Arbeitsplätze, geordnet nach Wirtschaftszweigen. Auf den Plätzen folgen der Handel (inklusive Autohäuser und -werkstätten) (rund 3600) und das verarbeitende Gewerbe (knapp 3200 Beschäftigte). „Insgesamt ist der Landkreis mit Blick auf die Wirtschaftszweige sehr ausgewogen“, so Weißler.
In der kommenden Dekade wird der Arbeitsmarkt im Landkreis sein Gesicht ändern: rund 7000 Arbeitnehmer, also rund ein Viertel, sind älter als 55 Jahre und stehen damit vor dem Eintritt ins Rentenalter. Die Anzahl der Arbeitslosen im Landkreis hat sich seit Jahren bei einem Wert von rund 2600 eingependelt, einzig im Corona-Jahr 2020 durchbrach die Anzahl die 3000er-Marke.