Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Arbeitsagentur-Chef Weißler: Arbeitsmarkt derzeit in einer ganz stabilen Situation

Die Stadt Kaiserslautern bietet fast 58.000 Arbeitsplätze, etwa ein Drittel in der gesamten Westpfalz.
Die Stadt Kaiserslautern bietet fast 58.000 Arbeitsplätze, etwa ein Drittel in der gesamten Westpfalz.

Die Kurve der Beschäftigten in der Westpfalz zeigt nach oben. Mittendrin im Geschehen: die Stadt Kaiserslautern. Andreas Sebald hat mit dem Chef der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, Peter Weißler, über die positive Lage am Arbeitsmarkt in der Westpfalz, das geplante ACC-Batteriezellwerk sowie Fachkräftemangel gesprochen.

Herr Weißler, in einer Mitteilung der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens war von Kaiserslautern als dem „Jobmotor der Westpfalz“ die Rede. Was bedeutet das?
Die Entwicklung in Kaiserslautern und damit auch in der ganzen Westpfalz war in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geprägt von einem Verlust an Arbeitsplätzen. Insbesondere in der Industrie, ich nenne jetzt mal Pfaff, sind viele Arbeitsplätze weggefallen. Auch Opel hat über die Jahre immer mehr Stellen abbauen müssen. Das hat sich nun geändert. Die Zahlen gehen nach oben, die Anzahl der Beschäftigen geht seit einiger Zeit nach oben. Das hat mit Sicherheit auch etwas mit der Ansiedlung von Amazon zu tun, um mal ein Beispiel anzusprechen. Das hat schon einen gewissen Schwung in die Region gebracht. Das schlägt sich natürlich auch in den Beschäftigungszahlen nieder.

Wie drückt sich das aus? In Zahlen?
In Kaiserslautern waren im Dezember 2022 fast 58.000 Menschen beschäftigt. Im Vergleich zum Dezember 2021 war das ein Anstieg von 3,3 Prozent. Das ist schon gewaltig.

Das Ende der Fahnenstange ist ja anscheinend damit aber noch nicht erreicht. Derzeit laufen die Vorbereitungen für das Batteriezellwerk von ACC.
Unabhängig von den Plänen von ACC haben wir in Kaiserslautern eine stabile Entwicklung am Arbeitsmarkt. Das Werk wird ja gerade erst gebaut. Bis sich die Zahlen der Arbeitskräfte aus dem Werk auf den Arbeitsmarkt auswirken, dauert das sicher noch ein, zwei Jahre. Es ist, glaube ich, ja geplant, dass das Werk 2030 erst voll genutzt wird und dann alle Arbeitskräfte gebraucht werden. Aber es gibt auch so eine rege Nachfrage nach Arbeitskräften rund um Kaiserslautern.

In welchen Branchen ist das so?
Eigentlich in allen Branchen. Wie gesagt: Wir haben da im Moment eine ganz stabile Situation.

Woran liegt das?
Im Moment werden da aus meiner Sicht die Früchte geerntet von Entwicklungen, die bereits vor einiger Zeit angestoßen wurden. Ich nenne mal als Beispiele die Mall K in Lautern, aber auch Ikea. Nicht zu vergessen die Institute an der Wissenschaftsmeile in der Trippstadter Straße. Dort, im Umfeld der Uni, wurden jetzt nicht auf einen Schlag Hunderte von Arbeitsplätzen geschaffen. Aber es ging über die Jahre stetig nach oben. Nicht zu vergessen die Ansiedlungen im PRE-Park oder die Logistiker im Industriegebiet Nord.

Es boomt also allenthalben. Wie läuft das mit dem Fachkräftemangel zusammen, der ja in aller Munde ist? Auch in allen Branchen?
Das wird, denke ich, ein Thema werden, wenn das Batteriezell-Werk in Betrieb geht. Dafür sind ja Fachkräfte und Spezialisten gefragt. Das wird schwierig werden, diesen Bedarf aus der Region zu decken. Also nicht nur aus der Stadt allein, sondern aus der gesamten Westpfalz. Insgesamt wird es in Sachen Arbeitskräfte eng werden. In den kommenden zehn Jahren geht rund ein Viertel der Arbeitnehmer in den Ruhestand, die, die heute schon 55 Jahre und älter sind.

Es müssen also Menschen in die Region kommen, um die Arbeit, die hier ist, zu erledigen. Welche Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden?
Es gibt schon einige Bemühungen und Anstöße, einige Faktoren, die auch Menschen von außerhalb hierher bewegen können. Beispielsweise die Internationale Schule. Und natürlich hat die Region einen sehr hohen Freizeitwert.

Was braucht man noch?
Wohnraum. Das ist ein ganz entscheidender Faktor. In der Region entsteht gerade das große Hospital der Amerikaner. Auch ohne dieses Projekt, das auch wieder viele Arbeitsplätze schaffen wird, ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt. Ich denke, dass das eine der Kernfragen sein wird. Wo können die Menschen wohnen?

Welche Fragen gilt es noch zu beantworten?
Wo kann ich meine Kinder betreuen lassen? Wie komme ich zur Arbeit? Damit sind dann die Bereiche Kitas und Schulen sowie ÖPNV angerissen. Diese Fragen müssen wir beantworten.

Zuletzt noch ein Blick in die weitere Zukunft: Die Entwicklung geht im Moment steil nach oben. Das muss aber nicht so bleiben. Geht es auch wieder zurück?
Das ist allein schon durch die Demografie bedingt. Wie gesagt: Die Babyboomer-Jahrgänge gehen demnächst in Rente, in der Region verlieren wir so etwa ein Viertel der Arbeitskräfte. Das ist enorm. Wir müssen daher verstärkt auf die duale Ausbildung setzen. Womöglich wird durch die technische Entwicklung, auch die Digitalisierung, die ein oder andere Stelle eingespart werden. Mit Sicherheit geht es wieder ein wenig zurück. Zumal: Immerwährendes Wachstum wird es nicht geben.

Daten und Fakten

Im Dezember 2022 waren in der Westpfalz – dazu gehören die kreisfreien Städte Pirmasens, Zweibrücken und Kaiserslautern sowie der Donnersbergkreis und die Kreise Südwestpfalz, Kusel und Kaiserslautern – knapp 171.200 Menschen in Arbeit. Im Jahr zuvor waren es 2200 Menschen weniger, was einer Zunahme von 1,3 Prozent entspricht. Knapp zwei Drittel der Arbeitnehmer im Bezirk der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens sind zwischen 25 und 55 Jahre alt, knapp ein Viertel geht in den kommenden zehn Jahren in Rente. Knapp 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Vollzeit, etwa 30 Prozent in Teilzeit, teilt die Agentur mit.

Peter Weißer leitet die Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, die ihren Sitz in der Augustastraße in Kaiserslautern hat.
Peter Weißer leitet die Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, die ihren Sitz in der Augustastraße in Kaiserslautern hat.
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