Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Arbeiten am Limit: DRK-Rettungswache platzt aus allen Nähten

Die Wache des DRK im Osten der Stadt entspricht laut dem Rettungsdienst-Geschäftsführer nicht mehr den Vorschriften und bietet v
Die Wache des DRK im Osten der Stadt entspricht laut dem Rettungsdienst-Geschäftsführer nicht mehr den Vorschriften und bietet viel zu wenig Platz.

Ein Rundgang in der DRK-Rettungswache an der Friedrichstraße offenbart: Die Räumlichkeiten sind arg in die Jahre gekommen, Fahrzeuge stehen dicht an dicht, in den Umkleiden mit gelben und orangefarbenen Spinden sieht es aus wie in einem Hallenbad aus den 1960 Jahren. Die Ruheräume haben Zellencharakter.

„Wie wir untergebracht sind, das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Axel Gilcher, Geschäftsführer der DRK-Rettungsdienst Westpfalz GmbH. Vor allem sei es gegen die Vorschriften. Seit dem Jahr 2017 gebe es eine neue Din-Norm für Rettungswachen, wonach die Platzbedarfe genau festgelegt sind. Demnach platzt der Rettungsdienst aus allen Nähten. Das ist auch deshalb so, weil die größte Wache in der Westpfalz personell stark gewachsen ist, in den vergangenen Jahren von 40 auf 60 Mitarbeiter. Deshalb sei schon länger klar, dass ein Um- oder Neubau auf dem jetzigen Areal, das unlängst unter Denkmalschutz gestellt wurde, unmöglich ist.

Lagermöglichkeiten extrem begrenzt

So gut wie nichts in dem maroden Gebäude, das ursprünglich mal nach den Plänen des Stadtbaumeisters Hermann Hussong errichtet wurde, entspricht den Vorgaben. Sind alle zehn Einsatzwagen da, ist es so eng, dass nicht einmal mehr Fahrzeugtüren geöffnet werden können, für Reinigung und Desinfektion gibt es nur eine Halle, obwohl es zwei sein müssten. Die Lagermöglichkeiten für Dienstkleidung, Material und Geräte seien ebenfalls extrem begrenzt, erläutert Gilcher. Weil es keine zentralen Räume gibt, stehen in einer Ecke die EKG-Geräte, in einer anderen lagert die Liege für den Intensivtransport. Und in der alten Halle stapeln sich Kartons mit Desinfektionsmittel, die von hier aus weiterverteilt werden.

„Wir bekommen den Alltag mit viel Improvisation geregelt“, sagt Gilcher. Aber für die Mitarbeiter seien die Arbeitsbedingungen jeden Tag eine große Herausforderung und Belastung. Komfortabel ist anders. Spinde und sanitäre Anlagen befinden sich in unterschiedlichen Räumen. Wer geruht hat und dann zum Einsatz gerufen wird, muss die Treppe aus dem ersten Geschoss nach unten im Sprint nehmen, um die Vorgabe, innerhalb einer Minute im Rettungswagen zu sitzen, einhalten zu können. Nach den neuen Vorschriften wird Gilcher zufolge für ein Rettungsfahrzeug eine Stellfläche von 55 Quadratmeter benötigt. „Bei uns ist nur halb so viel Platz, das passt alles hinten und vorne nicht mehr.“ Vereinzelt stehen Fahrzeuge aus Platzgründen sogar in Hochspeyer – logistisch ist das ein Problem. Die Bereitschaftsräume seien viel zu klein, der Aufenthaltsraum entspreche nicht den Vorgaben, zumal Ehrenamtliche und Praktikanten vor Ort sind. Im Grunde sei es ein einziges Stückwerk. Das alte Gebäude sei 1965 und in den 1990er Jahren mehrfach um- und angebaut worden.

Im Winter müssen Heizlüfter in die Autos

Energetisch ist es eine Katastrophe. „Im Winter müssen wir Heizlüfter in die Autos stellen, damit die Technik nicht einfriert. Im Sommer wiederum muss darauf geachtet werden, dass die Medikamente nicht zu heiß werden.“ Bettina Göbelsmann, stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates der DRK-Rettungsdienst Westpfalz GmbH, findet die Arbeitsbedingungen deshalb so bedauernswert, weil die Nachwuchsgewinnung eine ganz wichtige Aufgabe sei und man da in Konkurrenz stehe. „Wir bilden im Schnitt 30 junge Menschen aus, wir bräuchten eigentlich als Lehrwache zwei Übungsräume. Aber die gibt es nicht.“ Deshalb hoffe sie sehr darauf, dass die Politik demnächst grünes Licht gibt für einen Neubau, und dass sich die neue Arbeitsgruppe, die aus Ratsmitgliedern und Experten besteht, nicht zu lange Zeit lässt mit Überlegungen, wie es weitergehen könnte.

Ideal wäre der Messeplatz für eine neue Wache

Ideal wäre der Messeplatz für eine neue Wache, sagen Göbelsmann und Gilcher unisono. Dort seien die Einsatzzeiten – innerhalb von 15 Minuten muss der Notarzt am Ziel sein – einzuhalten. „In der Friedrichstraße gehe es definitiv nicht mehr lange weiter. „Wir sind am Limit“, sagt Göbelsmann, die zu bedenken gibt, dass angesichts des demografischen Wandels in Zukunft eher mehr Fahrzeuge und Mitarbeiter benötigt werden. „Eine Großstadt muss ein großes Interesse daran haben, ihre Bevölkerung notfallmedizinisch optimal zu versorgen.“ Ein zukunftsfähiges Rettungswesen sei für die strukturelle und wirtschaftliche Entwicklung wichtig. „Daran wollen wir konstruktiv mit der Politik arbeiten“, sagt Gilcher.

Göbelsmann hofft darauf, dass die Stadt für den Bau einer Rettungswache ein städtisches Grundstück zur Verfügung stellt. Aber statt eine schnelle Lösung zu finden, überlagere der Disput über den Abriss der DRK-Kolonne die Entscheidungsfindung. Das sei ungut. „Uns läuft die Zeit davon.“ Fakt sei, dass der Rettungsdienst, der heute 800 Quadratmeter Fläche vom DRK-Kreisverband Kaiserslautern-Stadt angemietet hat, den dreifachen Platz brauche. Angesiedelt werden müsse die Wache zwingend im Osten, weil für das westliche Stadtgebiet der ASB an der Berliner Straße zuständig ist. Wer im Notfall ausrückt, das werde über ein GPS-Tracking in der Integrierten Leitstelle entschieden.

Zu 7800 Notfalleinsätzen ausgerückt

Die Rettungsdienst Westpfalz GmbH ist eine eigenständige Tochter des DRK-Kreisverbandes Kaiserslautern-Stadt. Sie ist zuständig für Stadt und Landkreis Kaiserslautern, die Kreise Donnersberg und Kusel und damit für 420.000 Einwohner. Betrieben werden mit 300 Mitarbeitern 13 Wachen. Die Rettungswache Kaiserslautern ist im Jahr 2021 zu 7800 Notfalleinsätzen und 8500 Krankentransporten ausgerückt. Notfalleinsätze sind Einsätze, bei denen schwer kranke oder verunglückte Patienten an der Einsatzstelle versorgt und erste intensivmedizinische Maßnahmen eingeleitet werden, etwa bei einem Herzinfarkt, bei Schlaganfällen, Hirnblutungen oder Atemnot. Beim Krankentransport werden Patienten durch medizinisches Fachpersonal überwacht.

Einsatzfahrzeuge stehen dicht an dicht, weil die Halle an der Friedrichstraße zu klein ist.
Einsatzfahrzeuge stehen dicht an dicht, weil die Halle an der Friedrichstraße zu klein ist.
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