Kaiserslautern ACO Guss kommt mit breiter Produkt-Palette bisher glimpflich durch die Pandemie

Geschäftsführer Stefan Weber (Mitte, weißer Helm) im Kreis der Azubis des Unternehmens. Darunter Lilith Gertel, die einzige Frau
Geschäftsführer Stefan Weber (Mitte, weißer Helm) im Kreis der Azubis des Unternehmens. Darunter Lilith Gertel, die einzige Frau im Jahrgang.

Im Corona-Lockdown müssen viele Unternehmen ihre Personalpläne neu schreiben. Das geschah im letzten Herbst auch bei der Kaiserslauterer ACO Guss GmbH. Allerdings mit einer besonderen Konsequenz: Zu Beginn des Lehrjahrs stellte der Traditionsbetrieb mit seinen rund 350 Beschäftigten zehn neue Azubis ein – so viele wie schon lange nicht mehr. Die Geschäftsführung rechnet nämlich schon jetzt mit dem Aufschwung nach der Krise.

„Natürlich haben wir den Corona-Einbruch auch bei uns gespürt“, berichtet ACO-Geschäftsführer Stefan Weber. „Die Umsätze gingen zeitweise stark zurück, wir haben das gesamte vergangene Jahr mit Kurzarbeit gelebt.“ Aber, und darauf ist der Diplom-Kaufmann doch ein bisschen stolz: „Es hat bei uns bisher keine Entlassungen gegeben, die natürliche Fluktuation in der Belegschaft war Ausgleich genug.“ Und es sei nicht nur die Pandemie gewesen, die für eine schwächelnde Konjunktur verantwortlich war. „Schon im Jahr 2019 hatten einige unserer Kunden, vor allem im Maschinenbau, mit Absatzproblemen zu kämpfen.“

Zwischen Lockdowns deutliche Nachfragesteigerung

Aber bereits im Sommer, just zwischen dem ersten und zweiten Corona-Lockdown, bemerkte das Management eine deutliche Belebung der Nachfrage. Und ein Blick in die Personalakten des Unternehmens offenbarte ein Problem: Insgesamt war die Kaiserslauterer Belegschaft mit ihren 250 gewerblichen Mitarbeitern und rund 100 Angestellten nicht gerade die jüngste. Vor allem im gewerblichen Bereich – bei den Gießerei-Mechanikern, Modellbauern, Zerspanungsmechanikern und elektronischen Fachkräften – geht in den nächsten Jahren so mancher Mitarbeiter in den Ruhestand. „Wir mussten also handeln, um unsere Altersstruktur in Ordnung zu halten“, erläutert Stefan Weber.

Dabei war es in der jüngsten Vergangenheit nicht immer einfach, junge Menschen für einen industriellen Beruf zu begeistern – dazu noch in einer Gießerei, wo es nicht immer blitzsauber zugeht. Doch im Sommer 2020 machte Ausbildungsleiter Thomas Rieder eine andere Erfahrung. „Wir hatten nicht nur genügend Bewerber für unsere Ausbildungsplätze, bei den allermeisten stimmten sowohl die schulische Qualifikation als auch die persönliche Eignung“, erinnert sich der 60-Jährige, der inzwischen eine Art Urgestein im ehemaligen Eisenwerk ist. Vor 45 Jahren hat er hier Industrieschlosser gelernt, seinen Meisterbrief gemacht und leitet seit vielen Jahren die Ausbildungswerkstatt.

Unter den zehn Auszubildenden ist auch eine Frau

Zu den zehn jungen Menschen, die im Oktober schließlich ihre Ausbildung antraten, gehört Lilith Gertel. Die angehende Zerspanungsmechanikerin ist nicht nur die einzige Frau im neuen Jahrgang, sie hat auch einen eher ungewöhnlichen Weg zum neuen Beruf gewählt: „Nach dem Abitur habe ich erst ein paar Semester Psychologie studiert“, berichtet sie, „aber dann war mir klar, dass ich doch lieber etwas Praktisches machen möchte.“ Dass sie mit ihren 24 Lebensjahren mit Abstand die Älteste unter ihren Azubi-Kollegen ist, empfindet sie nicht als störend: „Die Jungs sind richtig nett zu mir“, erzählt die junge Frau. Und in den Sozialräumen habe man eine eigene Dusche für sie eingerichtet. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt sie nach den ersten Monaten bei ACO Guss.

Ganz traditionell begann dagegen der Einstieg von Leon Stuppy in die Arbeitswelt. „Mein Vater hat hier im Betrieb früher mal Dreher gelernt“, erzählt der 18-Jährige. „Als ich mit der Schule fertig war, hat er gesagt: ,Guck Dir das mal an.’ Und es war genau das Richtige für mich.“ Inzwischen hat für Stuppy bereits das dritte Lehrjahr als Gießereimechaniker begonnen. Und der Beruf gefällt ihm noch immer, selbst wenn seine Arbeit in der Hitze „vor allem im Sommer manchmal schon ziemlich hart ist“. Aber er will dabei bleiben, wenn er Anfang 2022 seine Gesellenprüfung besteht: „Die Arbeitsbedingungen sind okay, und das Geld stimmt auch.“

Das breite Geschäftsfeld federt Einbußen ab

Apropos Geld: Nach dem Haustarifvertrag von ACO Guss beträgt die Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr 927 Euro im Monat , sie steigt im letzten bis auf 1064 Euro. Und nach dem Ende der Ausbildung beginnt ein gewerblicher Jung-Arbeitnehmer mit einem Monatseinkommen von 2800 Euro brutto, dazu kommen noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld. „Das ist für viele junge Menschen hier aus der Region durchaus ein Argument“, hat Ausbildungsleiter Thomas Rieder beobachtet. „Dazu kommt die relativ große Sicherheit, dass man nach bestandener Prüfung auch übernommen wird.“

Und daran sollte sich – Corona-Krise hin oder her – auch in naher Zukunft nicht viel ändern. Denn bis heute sei das frühere Eisenwerk Kaiserslautern vor allem dank seiner breiten Produkt-Palette ziemlich gut durch die unruhigen Zeiten gekommen. „Natürlich kennt jeder unsere Kanaldeckel, und tatsächlich ist der sogenannte Bau-Guss, vor allem für Entwässerungsanlagen, für uns noch immer ein wichtiges Geschäftsfeld“, sagt ACO-Geschäftsführer Stefan Weber. „Aber die meisten Kunden haben wir inzwischen mit Produkten für Hydraulik-Anlagen, im Maschinenbau, in der Bahnindustrie und beim Bau von Nutzfahrzeugen.“ Und so lange nicht alle Branchen gleichzeitig schwächeln, könne man die Arbeit noch immer umschichten.

Damit dafür auch in Zukunft genügend Fachleute zur Verfügung stehen, soll die aktuelle Ausbildungsoffensive bei ACO keine Eintagsfliege bleiben. Auch für das Ausbildungsjahr 2021 haben sich Geschäftsführung, Betriebsrat und Ausbildungsleiter darauf verständigt, wieder neun neue Azubis einzustellen.

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