Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Überforderung und Unsicherheit: Fallzahlen in der Caritas-Beratung steigen

Für viele Menschen werden die gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel zum finanziellen Problem.
Für viele Menschen werden die gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel zum finanziellen Problem.

Mehrere Tausend Menschen aus Kaiserslautern und der Umgebung suchen jedes Jahr Hilfe im Caritas-Zentrum. Und es werden in vielen Bereichen immer mehr. Das sind die Fälle.

Die vergangenen Jahre waren von vielen weltweiten Krisen geprägt, und auch persönlich sucht eine Vielzahl von Menschen nach Unterstützung und Beratung. Das spürt auch das Caritas-Zentrum Kaiserslautern mit seinen Außenstellen wie der Schwangerschaftsberatung in Landstuhl, der Suchtberatung in Kirchheimbolanden oder der Hospizberatung und -begleitung in Kusel. Die Zahlen in der Beratung stiegen im Vergleich zu 2024 in allen großen Bereichen. Das geht aus dem Jahresbericht hervor.

Die Berater der Caritas sind unter anderem Anlaufstelle bei Konflikten in Beziehungen oder zwischen Eltern und ihren Kindern. 948 Personen suchten im vergangenen Jahr Rat. 2024 waren es 886 Menschen. Dabei spielen insbesondere schulische oder berufliche Probleme junger Menschen sowie familiäre Konflikte die Hauptrolle. Exemplarisch dafür steht der Fall eines 16-Jährigen, der sich im Sommer 2025 an die Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung des Caritas-Zentrums wandte. Er habe geschildert, er empfinde psychischen Druck durch soziale Medien, Versagensängste in der Schule und soziale Isolation – Probleme, wie sie die Mitarbeiter des Zentrums derzeit häufiger bei jungen Menschen erleben. Die Berater halfen ihm dabei, die sozialen Medien in einem für ihn passenden Maß zu nutzen und den sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen wieder aufzunehmen, indem er wieder im Tischtennisverein aktiv wurde.

Auch die Zahlen in der Flüchtlingshilfe sind gegenüber 2024 angestiegen. So nutzten 886 Menschen die Migrationsberatung (2024: 627) – auch in der Aufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Kusel bietet die Caritas Beratung an. Die meisten Ratsuchenden kamen laut Jahresbericht aus Syrien, Afghanistan, Somalia und Eritrea. Vor allem durch den politischen Umbruch in Syrien, lange Bearbeitungszeiten und psychosoziale Belastungen seien viele Menschen 2025 verunsichert gewesen und suchten die Beratung auf. Das Caritas-Zentrum Kaiserslautern ist außerdem in der Flüchtlingsbetreuung auf dem Fischerrück aktiv, bot dabei 2025 1987 Menschen (2024: 2330) eine Anlaufstelle oder begleitete sie zu Behörden- oder Arztterminen. Die Beratung – unter anderem wird auch eine wöchentliche Hausaufgabenhilfe angeboten – stehe generell allen Bewohnern des Viertels offen. Die Caritas ist zudem in Nordwesten Kaiserslauterns mit dem Stadtteilbüro Slevfisch vertreten.

Besonders viele Menschen nutzten die Schuldner- und Insolvenzberatung. 1102 Haushalte wurden im vergangenen Jahr beraten, 2024 waren es noch 962. Dazu kamen 1655 telefonische Beratungen. Die Mitarbeiter der Caritas machen für die anhaltend hohen Zahlen die Krisen und damit verbunden die gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel verantwortlich. Viele Menschen – vor allem Familien, Personen mit geringem Einkommen sowie Sozialleistungsempfänger – sehen dadurch ihre Existenz gefährdet. Die Menschen stünden unter hohem psychischen Druck, auch weil viele sich erst nach Monaten, in denen sie versuchen, ihre Probleme selbst zu lösen, Hilfe suchten, erklärt die Caritas in ihrem Jahresbericht.

Auch beim Thema Sucht bietet das Zentrum in der Edith-Stein-Straße eine Anlaufstelle, die ebenfalls stärker frequentiert wurde als in den Vorjahren. 401 Personen wurden beraten (2024: 368). Dabei spielt vor allem Alkoholabhängigkeit eine große Rolle. Nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige können das Angebot nutzen.

Die Schwangerschaftsberatung des Caritas-Zentrums Kaiserslautern verzeichnet konstant viele Fälle. 427 Frauen suchten Rat (2024: 422), häufig laut Jahresbericht, weil sie sich in einer finanziell angespannten Situation Hilfe erhofften. Die Frage, wie die Babyausstattung finanziert werden kann, sei meist der Anlass für die erste Kontaktaufnahme. Im Gespräch zeigten sich dann häufig aber weitere Themen, wie Partnerprobleme, Verschuldung oder Sorgerechtsfragen. Eine deutliche Zunahme spürt die Caritas bei Anfragen zur Elterngeldberatung. Durch die hohe Auslastung vieler Elterngeldstellen, die die Beratung nicht mehr gewährleisten können, richteten die Frauen diese nun an das Caritas-Zentrum. Frauen im Alter von 27 bis 39 Jahre (234) und zwischen 18 und 26 Jahren (163) machen den Großteil der Beratungsfälle aus.

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