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Samstag, 09. März 2019 Drucken

Kaiserslautern

Warum Harald Layenberger den Fritz-Walter-Nachlass rettete

Die Dinge aus dem Nachlass Fritz Walters sollen bleiben, wo sie hingehören: „Dehääm in Kaiserslautern“, sagt Harald Layenberger.

Die Dinge aus dem Nachlass Fritz Walters sollen bleiben, wo sie hingehören: „Dehääm in Kaiserslautern“, sagt Harald Layenberger. ( foto: VIEW)

Mitte Januar stand im Raum, dass der Nachlass von FCK-Ikone Fritz Walter versteigert wird. Die Nachricht schlug wie eine Bombe bei den Fans ein. Der Hauptsponsor des 1. FC Kaiserslautern, die Layenberger Nutrition Group, sprang in die Bresche, erwarb den Nachlass. Unser Redakteur Andreas Sebald hat sich mit Harald Layenberger, geschäftsführender Gesellschafter, über Bauchentscheidungen, Tradition und den 100. Geburtstag Fritz Walters im Jahr 2020 unterhalten.

Herr Layenberger, mussten Sie lange überlegen, den Nachlass Fritz Walters zu erstehen. Oder war das eine Bauchentscheidung?

Ich hatte, wie viele, viele andere auch, von der Sache aus der Presse erfahren. Es war ein Riesenschock. Ich dachte, das kann ja wohl nicht wahr sein. Ich wurde auch von vielen Fans angeschrieben. Was tun? Ich dachte mir: Mach langsam, mach keinen Fehler, das muss Struktur haben. Ich wollte wissen, ob da noch was zu retten ist, ob man die Versteigerung womöglich noch stoppen kann.

Auf der folgenden RHEINPFALZ-Seite findet Ihr alle Informationen zum 1. FC Kaiserslautern.

Was geschah dann?

Ich habe dann mit allen möglichen Leuten gesprochen: mit der Fritz-Walter-Stiftung, mit der Sepp-Herberger-Stiftung, mit dem FCK-Museum, der Horst-Eckel-Stiftung. Ich war der Meinung, dass irgendjemand die Sache koordinieren muss, um auch der Hilfsbereitschaft der Fans eine Adresse zu geben und die Hilfe zu bündeln. Ich war der Meinung, dass man da unbedingt etwas machen muss. Dann habe ich auch versucht, Kontakt zur Familie Lutzi zu bekommen.

 

Wann war das?

Ende Januar hatten wir zum ersten Mal Kontakt, zuerst nur telefonisch, am 3. Februar habe ich mich dann mit der Familie Lutzi im Fritz-Walter-Haus persönlich getroffen. Es war ein sehr langes, ein sehr gutes Gespräch. Dann habe ich den Vorschlag unterbreitet, als Hauptsponsor des 1. FC Kaiserslautern, das Erbe komplett zu übernehmen.

 

Dann gab es da ja noch das Auktionshaus.

Ja, mit „Kunst und Kuriosa“ habe ich dann tags darauf, am Montag, gesprochen. Ich war unterwegs zum Spiel des 1. FC Union Berlin auf St. Pauli in Hamburg, habe viel von unterwegs geregelt. Die Gespräche mit Thomas Nörling vom Auktionshaus waren sehr positiv. Auch dort habe ich ein hohes Traditionsbewusstsein ausmachen können.

 

Sie wurden sich einig, auch finanziell?

Ja, es war kurz und schmerzlos, wenn man so will. Wir haben vereinbart, dass die monetären Dinge unter uns bleiben. Viel wichtiger war es uns, dass das Kulturgut, der Nachlass Fritz Walters, zusammen erhalten bleibt. Alle Seiten – also die Familie Lutzi, das Auktionshaus und wir – sind sehr stolz, dass das geklappt hat. Und nun bleiben die Sachen dort, wo sie hingehören: Dehääm in Kaiserslautern.

 

Wo befinden sich die Stücke jetzt?

Die sind in unserem Besitz, wir haben den Bestand noch einmal gesichtet und sortiert und arbeiten auch an einem Katalog. Die Stücke haben einen bleibenden Wert, das ist durchaus eine Investition von bleibendem Wert. Aber, ganz deutlich, es ging hier nicht um eine Geldanlage. Es ist für mich eine Ehre, dass ich den Nachlass erwerben durfte, und dass ich nun auch ein Mitspracherecht habe bei künftigen Veranstaltungen rund um unser großes Idol Fritz Walter.

 

Wie sehen die Zukunftspläne aus?

Zunächst: Es war uns wichtig, dass die Gegenstände nicht in alle Winde zerstreut wurden. Das Auktionshaus hatte Anfragen aus aller Welt. In dieser Woche nun gibt es ein Gespräch mit dem DFB, kommende Woche gibt es dann weitere Gespräche, mit welchem Konzept die Gegenstände vielleicht einmal ausgestellt werden. Wer weiß? Vielleicht könnte man eine Wanderausstellung durch einige Fußballstadien in der Republik machen? Im Oktober 2020 soll aber alles in Kaiserslautern sein. Da steht ja der 100. Geburtstag von Fritz Walter an.

Wie konkret sind die Pläne?

Eine Stadiontour ginge nicht ohne fremde Hilfe, deshalb müssen erst einmal in aller Ruhe Gespräche geführt werden. Bisher ist das noch einzig und alleine Fantasie Layenberger. Es gibt viele, viele Möglichkeiten. Wichtig ist mir, dass die Dinge für fußballinteressierte und traditionsbewusste Menschen, also uns Fans, immer zugänglich bleiben. Damit auch unsere Kinder und Enkelkinder das sehen und eine Verbindung zu Fritz Walter herstellen können.

 

Sie haben den Nachlass mittlerweile gesehen: Was hat Sie von den Gegenständen beeindruckt?

Der Ehrenring des DFB, die goldene Uhr der Weltmeister 1954, die Nachbildung des Weltmeisterschaftspokals: Das ist alles schon sehr beeindruckend. Ich habe Fritz Walter ja selbst noch spielen sehen, in der AH, und später habe ich ihn auch auf der Tribüne im Stadion öfter getroffen. Für mich ist er eine reale Figur und immer ein Mensch mit klaren Strukturen und Werten gewesen. Allerdings fand ich auch eine Sammlung von Zeitungsartikeln zur WM 1954, die wohl ein Fan für Fritz Walter in einem Fotoalbum zusammengestellt hat, äußerst beeindruckend. Wenn man darin blättert, dann ist das schon gelebte Geschichte.

 

Welche Reaktionen haben Sie bekommen?

An dem Dienstagnachmittag, als es dann öffentlich gemacht wurde, ging es Schlag auf Schlag, mich haben viele Pressevertreter angerufen. Ich habe auch bei Facebook eine riesige Welle von Reaktionen bekommen, die ich erst in der Nacht alle sichten konnte. Da haben sich bei mir wildfremde Leute bedankt. Das war schon sehr berührend. Und: Ich habe einen Brief vom Vorstand von Rot-Weiß Oberhausen bekommen. Denen war das offensichtlich sehr wichtig, als traditionsbewusster Verein ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, das hat mich beeindruckt. Dann habe ich auch noch drei handgeschriebene Briefe von älteren Menschen bekommen, die mir ihre persönliche Geschichten um und mit Fritz Walter geschildert haben. Wer schreibt denn heute noch Briefe? Das hat mich sehr bewegt, bei diesen Menschen habe ich mich auch mit einem Brief persönlich bedankt.

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