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Mittwoch, 19. Juli 2017 Drucken

Kaiserslautern

Voreingenommenheit abbauen

KAISERSLAUTERN: Ausstellung um Schwerhörigkeit mit Fotos, Geräten und Infos in Kreissparkasse

von Claudia Gross

Will als Ansprechpartner täglich vor Ort sein: Ernst Rihlmann von der regionalen Selbsthilfegruppe Cochlear Implantat.

Will als Ansprechpartner täglich vor Ort sein: Ernst Rihlmann von der regionalen Selbsthilfegruppe Cochlear Implantat. ( Foto: Gross)

„Hören heißt dazugehören“ ist der Titel der Ausstellung, die aktuell in der Kundenhalle der Kreissparkasse Kaiserslautern zu sehen ist. Am Montag offiziell eröffnet, will sie bis Monatsende auf Schwerhörigkeit und Hilfe durch das Cochlear Implantat (CI) aufmerksam machen.

Eine in sich versunkene Frau, sie blickt verklärt nach links unten. Auf ihren langen hellbraunen Haaren sitzen blaue Kopfhörer. Mit ihrer linken Hand bringt sie den einen davon besser in Position. Wir kennen das Bild, überall in den Straßen sehen wir junge Mädchen und Frauen, die ihre Musik hören, mitwippen, sich an den Beats erfreuen. Aber etwas ist hier anders, denn unten auf dem Porträtbild steht: „Wir fühlen die Musik durch Schwingungen.“

Das Bild ist nämlich eines von zehn Plakaten aus der Serie „Sensibilisierung für Hörbehinderung“ und gehört in die Ausstellung „Hören heißt dazugehören“. Zur Eröffnung am Montagabend reiste die Autorin der Plakat-Kampagne Tamara Gierend extra an. Sie studiert Fotografie am City of Glasgow College in Großbritannien.

Für die Ausstellung ins Boot geholt hat sie Sieglinde Wetterauer, die Leiterin der Selbsthilfegruppe Cochlea Implantat Neustadt/Pfalz/Bad Dürkheim. „Wir wollten Voreingenommenheit abbauen“, erklärt das Kaiserslauterer Mitglied der Gruppe, Ernst Rihlmann. Über Cochlear Implantate zu informieren, ist ihm eine Herzensangelegenheit. Die Gruppe, die für die Erstellung der Sonderausstellung verantwortlich zeichnet, wurde vor etwa zehn Jahren von Gisela Mathä gegründet.

Die Idee dazu, das Thema in einer Ausstellung anzugehen, kam Rihlmann übrigens bei dem Besuch des Beethovenhauses in Bonn, da der Komponist wegen seiner Schwerhörigkeit suizidal geworden sei. Sein Ausspruch „wie ein Verbannter muss ich leben“ hat großen Eindruck auf Rihlmann gemacht, der weiß, dass viele Hörbehinderte an der Isolation durch ihr schlechtes Hören sehr leiden. „Viele denken, der ist arrogant und eingebildet, will von uns nichts wissen.“ Insofern können hörende Besucher schon einiges hier lernen: nicht nur, welche immense Entwicklung es gegeben hat, von Hörrohr, Tischhörgerät bis Schreibtelefon, sondern auch wie klein mittlerweile ein Cochlear Implantat ist und vor allem, wo es sitzt und wie es hilft.

Natürlich soll die Ausstellung auch Betroffene erreichen, die häufig nicht wissen, dass ihnen mit einem CI-Implantat geholfen werden könnte. Rihlmanns Ertaubung war eine Folge immerwährender Mittelohrvereiterungen. In den 1970er Jahren fingen dann die Schmerzen an. Viermal wurde er operiert, aber immer ohne Erfolg. Und auch die Ärzte machten ihm wenig Hoffnung auf eine Verbesserung. Erste Informationen zum CI bekam er im April 2013, sein Implantat erhielt im September – und ist damit sehr zufrieden.

„Der Unterschied zwischen einem Hörgerät und einem Implantat ist, dass ein Hörgerät die Töne verstärkt, aber mit Implantat ist es fast wie normales Hören“, berichtet Rihlmann. Natürlich sei es ein Prozess, man höre nicht sofort wieder. „Der Hörnerv muss sich erst wieder ans Hören gewöhnen.“

Die Aufklärungskampagne der Selbsthilfegruppe mit Exponaten zum Thema Hören, alles Leihgaben aus Privatbesitz, von einem Mannheimer Hörgeräteakustiker und einiger Herstellerfirmen von Implantaten, hat das Zertifikat sehenswert verdient. Zu hoffen ist, dass sich daraus tatsächlich eine Wanderausstellung entwickeln wird, wie es die Selbsthilfegruppe hofft.

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