Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Montag, 25. September 2017 Drucken

Kaiserslautern

Von „Riesenerfolg“ bis „sehr zufrieden“

Die Direktkandidaten des Wahlkreises 209 ziehen ein Resümee – AfD ist drittstärkste Kraft

Von Julia Luttenberger

und Andreas Sebald

Ist zufrieden mit dem Ergebnis der AfD: Stefan Scheil. Für die AfD starte nun die Oppositionsarbeit.

Ist zufrieden mit dem Ergebnis der AfD: Stefan Scheil. Für die AfD starte nun die Oppositionsarbeit. ( Foto: view)

Paul Bunjes von den Grünen denkt im Rathaus über eine Jamaika-Koalition nach.

Paul Bunjes von den Grünen denkt im Rathaus über eine Jamaika-Koalition nach. ( Foto: VIEW)

Günther Mack von den Freien Wählern feiert in Neustadt an der Weinstraße.

Günther Mack von den Freien Wählern feiert in Neustadt an der Weinstraße. ( Foto: Linzmeier-Mehn)

Alexander Mühlmann von der Partei ist vom einstelligen Ergebnis begeistert.

Alexander Mühlmann von der Partei ist vom einstelligen Ergebnis begeistert. ( Foto: VIEW)

Auf mehreren Leinwänden verfolgten gestern Abend rund 150 Bürger aus Stadt und Landkreis im Foyer des Rathaueses die Ergebnisse im Wahlkreis 209.

Auf mehreren Leinwänden verfolgten gestern Abend rund 150 Bürger aus Stadt und Landkreis im Foyer des Rathaueses die Ergebnisse im Wahlkreis 209. ( Foto: VIEW)

Achim Bertram entspannt im Rathaus: Die FDP ist wieder im Bundestag.

Achim Bertram entspannt im Rathaus: Die FDP ist wieder im Bundestag. ( Foto: VIEW)

Gustav Herzog (SPD) hat das Direktmandat im Wahlkreis 209 gewonnen. Dass sich das Rennen um das Direktmandat zwischen Gustav Herzog (SPD) und Xaver Jung (CDU) entscheidet, war den Mitbewerbern im Vorfeld klar. Im Großen und Ganzen sind die fünf Direktkandidaten von AfD, Grünen, FDP, Freien Wählern und der Partei mit dem Abschneiden ihrer Parteien zufrieden. Stefan Scheil (AfD) ging hinter Herzog und Jung als Dritter durchs Ziel.

„Das ist ein Riesenerfolg“, sagt Stefan Scheil (AfD) mit Blick auf das Wahlergebnis seiner Partei. Als drittstärkste Kraft im Bund warte auf die AfD in Berlin mit der Oppositionsarbeit eine große Aufgabe. „Wir dürfen die Wähler nicht enttäuschen“, sagt Scheil. Ziel sei es, eine große starke Fraktion aufzubauen, die innerlich geschlossen sei. Sein persönliches Ziel als Direktkandidat habe er erreicht: Er habe nicht zu weit hinter den Zweitstimmen seiner Partei zurückbleiben wollen.

„Ich wollte, dass die Menschen mich als Person genau so wählen wie die AfD“, sagt Scheil. Das sei ihm gelungen. Ob es für ihn auf dem fünften Platz der Landesliste für den Einzug in den Bundestag reicht, war gestern Abend noch nicht klar. „Ich würde es gerne machen“, betont er. Enttäuscht zeigt sich Scheil von der Reaktion der großen Parteien, allen voran CDU und SPD. Anstatt sich nach der Wahlniederlage mit sich selbst und den Gründen für das schlechte Abschneiden zu beschäftigen, richte sich alles gegen die AfD. Gleiches gelte für die negative Medienberichterstattung. „Das ist unserer Partei nicht würdig“, kritisiert Scheil. Er habe erwartet, dass die AfD mittlerweile als vernünftige bürgerliche Opposition anerkannt werde.

„Ich bin sehr zufrieden“, sagt Paul Bunjes, der Kandidat der Grünen. Seine Partei habe bundesweit – deutlich über neun Prozent – das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten − geholt. Dabei habe es lange gar nicht gut für die Grünen im Wahlkampf ausgesehen. „Unsere Themen offene Gesellschaft, Umwelt und Klimaschutz standen nicht so im Vordergrund“, sagt Bunjes. Jamaika im Bund? „Kommt aufs Jamaika an“, findet Bunjes. Seine Partei habe im Vorfeld versprochen, mit allen zu reden. „Wir reden aber nicht über alles.“ Heißt: Einige Punkte sind nicht verhandelbar, wozu Bunjes vor allem Klimaschutz- und Umweltfragen rechnet. „Der Ball liegt nun im Feld der CDU.“ Den Einzug der AfD ins Parlament hat Bunjes erwartet. „Ich hatte aber gehofft, dass sie einstellig bleiben.“

„Das Projekt der vergangenen sechs Jahre ist beendet – es gibt wieder eine liberale Stimme im Parlament“, sagt Achim Bertram (FDP) zum Ergebnis seiner Partei, die bei der Bundestagswahl 2013 den Einzug ins Parlament verpasst hatte. Bereits 2011 war die FDP aus dem Mainzer Landtag geflogen. Nach fünf Jahren Abwesenheit hat sie im vergangenen Jahr wieder den Einzug geschafft und ist seither an der Regierung beteiligt. Die Wähler hätten sich mit ihren Stimmen für die FDP bei der Bundestagswahl für eine Stärkung der Demokratie entschieden. „Den Arbeitsauftrag nehmen wir an und freuen uns darüber“, sagt Bertram zufrieden.

„Ein Auge von mir lacht schon“, sagt Günther Mack (Freie Wähler). Er ist am Wahlabend in Neustadt an der Weinstraße und freut sich, dass dort mit Marc Weigel ein Kandidat der Freien Wähler Oberbürgermeister geworden ist. Über das Abschneiden der Freien Wähler im Wahlkreis 209 zeigt sich Mack zufrieden. Er habe gehofft, dass die Tendenz im Vergleich zu 2013 nach oben gehen würde – mit Erfolg. Er sei zufrieden, dass die Freien Wähler bisher bei allen Wahlen angetreten seien und fast alle Wahlkreise besetzt hätten. Mit Blick auf die Bundestagswahl bedauert Mack das starke Abschneiden der AfD. „Wir haben im Wahlkampf daran gearbeitet, dass die Menschen, die keine Lust mehr auf die Große Koalition haben, in der AfD nicht die einzige Alternative sehen“, sagt Mack. Dies sei leider nicht gelungen. Mit Blick auf die Kommunalwahlen 2019 gelte es nun, die guten Ergebnisse der Freien Wähler auf kommunaler Ebene zu verteidigen – auch mit Blick auf die AfD, die sicher in die Kommunalwahlen eingreifen werde, so Mack.

„Das ist sensationell. Wer hätte das gedacht?“ – Alexander Mühlmann (Die Partei) ist vom Ergebnis seiner Partei begeistert. Der „erdrutschartige Sieg im einstelligen Prozentbereich“ sei eine Bestätigung dafür, dass die Partei die Menschen mit ihrer Botschaft erreicht hätte. „Die Menschen, die uns ihre Stimme geben, wollen damit ein Statement gegenüber der bisherigen Politik setzen“, ist Mühlmann überzeugt. Der Partei sei es gelungen, den Wählern klarzumachen, wie sie Politik sehen: Nicht als Erbhof, in dem Mandate weitervererbt werden.

Als nächstes gebe es zwei Themen: die Abschaffung der Fünfprozent-Hürde und den Einsatz für eine Begrenzung auf maximal zwei Legislaturperioden. Mit Blick auf das Abschneiden der AfD konstatiert Mühlmann bei den Wählern in Deutschland eine Mischung aus „Angst und Anstand“. Allein das habe verhindert, dass die AfD bei 30 Prozent gelandet sei.

Kaiserslautern-Ticker