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Dienstag, 31. Mai 2016 Drucken

Kaiserslautern

Tummelei am Murmel-Turm

Schwäbische Freunde kleiner bunter Steine plündern Lego-Ausstellung und sorgen für Kinder-Entzücken

Von Christian Hamm

 

Spaß am Turm: Baumeister Andreas Reikowski, umringt von jungen Lego-Enthusiasten, hatte den Murmel-Turm sowie eine zweite Kuller-Anlage eigens für den einen Tag mitgebracht. Das ganz aufs Spielen ausgelegte Werk muss unter Aufsicht sein. Die übernimmt gern mal Sebastian Krämer (Mitte). ( Foto: HAMM)

Die „Kugel des Verderbens“ setzt sich kullernd in Bewegung – und wird gleich Darth Vader erschlagen. Volltreffer. Während die gebannten jungen Beobachter beim unüberhörbaren „Klonk“ kichern, sucht ein kleiner großer Lego-Fan fieberhaft nach roter Kaffeekanne und Skelett. Mit unheilvollem Unterton erzählt Andreas Reikowski düstere Räuberpistolen. Sein Murmel-Turm ist Attraktion – und tolles Ablenkungsmanöver. Da kriegt kaum einer mit, was Reikowski und Konsorten im Schilde führen: Die Schwaben plündern glatt die Lego-Ausstellung.

 

Allen Ernstes: Die großen Jungs vom Verein Schwabenstein 2x4 (Reikowski stöhnt: „Wir sind ja nie richtig erwachsen geworden...“) haben da am Samstagmittag die Gunst der Stunde genutzt. Große Jungs haben in der Gartenschau-Halle kleine Jungs und Mädels fasziniert, um hernach einen erklecklichen Teil der Exponate abzubauen, einzutüten, in großen Kisten zu verstauen und mit kostbarer Fracht auf der Transporter-Ladefläche davonzuknattern. Ja, gibt’s denn so was? Allen Lego-Fans aus Kaiserslautern und Umgebung muss das Herz bluten ob des Schwabenstreichs. Es gilt jedoch: Die dürfen das. Schließlich sind es ihre eigenen Stücke, Bauten, Ensembles, die das Dutzend Vereinsmitglieder mit nach Hause nimmt.

Doch keine Sorge: Dafür werden sie in absehbarer Zeit anderes bringen, um die Schau zu bereichern. Für den Herbst verspricht Daniel Schäfers beispielsweise eine große Star-Wars-Anlage, die für Entzücken nicht nur bei Fiction-Fans sorgen soll. „Passt ja zum Hype“, meint der Vorsitzende vom Schwabenstein – übrigens der erste Lego-Club Deutschlands, der sich mühelos den Status des gemeinnützigen Vereins hat sichern können. „Das Finanzamt war überzeugt und hat grünes Licht gegeben“, sagt Schäfers mit etwas Stolz darüber, dies geschafft zu haben. Laut Satzung ist es Vereinszweck, Kunst und Kultur rund um Lego zu fördern. Dies nachzuweisen, fällt nicht schwer: So hat sich etwa die Stadtbibliothek Stuttgart darum gerissen, zur Feier des fünfjährigen Bestehens ihres Neubaus das Modell der Lego-Fans an Land zu ziehen. Jetzt wird Schwabenstein sogar eine große Ausstellung in der Bücherei bestücken.

Zweifellos bereichert hat der Club die Kaiserslauterer Schau. Mit Lauter Steine e. V., den seit Oktober ebenfalls gemeinnützig organisierten Lego-Leuten in Kaiserslautern um Motor Martin Schild, funken die Schwaben auf selber Wellenlänge. Die Zusammenarbeit werde fortgesetzt, versichert Schäfers, während er an der Eisenbahnanlage einige besonders knifflige Kreationen erklärt. Dort steht ein Halbrund-Bau – gefertigt allein aus eckigen Steinen, die unter Kraftaufwendung gebogen wurden. Das Werk – gesteckt und nicht geklebt, wie es sich bei Lego-Puristen versteht − hat mächtig Spannung, ist statisch hochkomplex. Gebaut hat es übrigens Reikowski. „Zypper“, wie er sich innerhalb der Community nennt, ist stellvertretender Vorsitzender. „Ich wohne mit Lego“, sagt der Murmelturm-Architekt, der im 15-jährigen Kaiserslauterer Lego-Freund Sebastian Krämer einen prima Turmwächter gefunden hat, der für ihn Aufsicht und Spaßvermittlung übernimmt. Der Turm birgt tolle Geheimnisse: „Es gibt viel zu entdecken“, erklärt der Bauherr. Figuren und Dinge sind darin versteckt, wie eben Kaffeekanne und Skelett, Darth Vader und weitere Figuren. Faszinierend aber ist vor allem der unsichtbare Lauf der Kugeln. Die Kinder freut’s, die nie erwachsen gewordenen Kinder bauen derweil ab. Vergnügen sich zuvor aber noch mit einigen Spielchen im Brauhaus. Dort wird beispielsweise das einhändige Bauen mit Lego geübt – oder sogar Bauen in der Tüte, ohne direktes Anfassen. Kinder, Kinder...

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