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Mittwoch, 28. Juni 2017 Drucken

Kaiserslautern

Streicheln erwünscht

Ob Kanzlei-Hund oder Café-Katze – wo Tiere im Arbeitsalltag auftauchen, tun sie den Menschen gut – Morgen „Tag des Bürohunds“

Von Monika Klein

Wird manchmal zum Schoßhund: Zwergpinscher Luna begleitet Julia Westrich jeden Tag in ihren Friseursalon. Bei manchen Kunden darf die Hundedame auf dem Schoß sitzen.

Wird manchmal zum Schoßhund: Zwergpinscher Luna begleitet Julia Westrich jeden Tag in ihren Friseursalon. Bei manchen Kunden darf die Hundedame auf dem Schoß sitzen. ( Foto: Klein)

Wird gerne gestreichelt: Café-Kater Teddy erweicht mit seinen großen smaragdgrünen Augen das ein oder andere Herz der Kunden des Cafés Ahorn in Trippstadt. Andrea Horns Zuneigung kann er sich sicher sein.

Wird gerne gestreichelt: Café-Kater Teddy erweicht mit seinen großen smaragdgrünen Augen das ein oder andere Herz der Kunden des Cafés Ahorn in Trippstadt. Andrea Horns Zuneigung kann er sich sicher sein. ( Foto: Klein)

Fast ein Therapiehund: Janina und Michael Bürthel sind froh, dass Hund Paco einige ihrer Mandanten beruhigt, wenn diese aufgebracht ob eines familiären Rechtsstreites sind.

Fast ein Therapiehund: Janina und Michael Bürthel sind froh, dass Hund Paco einige ihrer Mandanten beruhigt, wenn diese aufgebracht ob eines familiären Rechtsstreites sind. ( Foto: Klein)

Mal schwanzwedelnd, mal schnurrend und immer einer streichelnden Hand wohlgesonnen bereichern tierische Bewohner nicht nur einen Haushalt, sondern auch Büros oder Geschäftsräume. Mit ihrer Anwesenheit stellt sich fast augenblicklich eine gelöste, freundliche Atmosphäre ein. Wer könnte denn auch diesen Augen widerstehen?

„Sie hat eine große Klappe, ist aber ganz lieb.“ So beschreibt Friseurmeisterin Julia Westrich den Vierbeiner auf ihrem Schoß, der seit drei Jahren eine Hauptrolle in dem Salon „Julias Art of Hair“ in Rodenbach spielt. Von vornherein war für die Hundeliebhaberin klar, dass mit Beginn ihrer Selbstständigkeit 2014 ein Salon-Hund her musste. Ihre Wahl fiel auf die kesse Zwergpinscherdame Luna. „Es sollte eine kleine Rasse sein, damit Kunden keine Angst haben“, erklärt Westrich ihre Entscheidung.

Luna begleitet ihr Frauchen stets zur Arbeitsstätte. Sie hat im Grunde mehr als zwei Plätze im Salon: einen in der Küche hinter einem Laufgitter – „falls ein Kunde kommt, der Angst hat“, begründet Westrich – und einen in einem Korb im hinteren Bereich des Salons. Und dann sind da noch die tierlieben Kunden, die Luna während ihres Aufenthalts für eine Streicheleinheit auf ihren Schoß einladen. Da bekommt der kleine Wirbelwind auch schon mal ein eigens mitgebrachtes Leckerchen.

Verwöhnt wird Luna ohnehin, von Kunden und dem Salonteam, dessen Einverständnis Westrich vorab eingeholt hatte. „Im Winter wird sie in warme Handtücher aus dem Trockner eingepackt, damit sie nicht friert“, berichtet die 31-Jährige. Es geht auch mal nach draußen zum Spielen und Spazierengehen. „Das entstresst auch die Mitarbeiter“, berichtet sie.

„Manche Kunden sagen, sie sei ein Therapiehund“, sagt Westrich. Insbesondere ältere Menschen genießen den Umgang mit ihr, aber auch bei Männern verfehlt sie ihre Wirkung nicht. „Männer haben so ein weiches Herz, obwohl die meisten sagen, sie sei gar kein Hund.“

Kater Teddy lässt auch gerne seinen Charme spielen. Der 14-jährige Stubentiger mit Freiganggenen hat vor über zwei Jahren ein Zuhause im „Atelier Ahorn“ in Trippstadt zunächst testweise, dann, wie vorhersehbar, auf Lebenszeit, gefunden. Seine „Herzensdame“ ist Inhaberin Andrea Horn. „Er möchte immer Kontakt haben und gestreichelt werden“, erzählt sie über den redseligen Mitbewohner, der meist keine Scheu vor Fremden hat. „Er will immer das letzte Wort haben“, schiebt sie lachend hinterher.

So hat er sich schon längst in die Herzen der Kunden miaut und wenn er dann noch seine großen smaragdgrünen Augen sprechen lässt, kann ihm kaum einer widerstehen. „Man könnte meinen, er bekommt nichts zu fressen, wird nie gestreichelt und ist überhaupt total vernachlässigt“, sagt sein Frauen über seinen flehentlichen Blick, den er allzu gerne einsetzt, um die Herzen der Kunden zu erweichen. „Er weiß genau, zu wem er gehen kann“, berichtet Horn. Sie verschweigt auch nicht, dass Teddy bestechlich sei, nämlich dann, wenn ihm ein Leckerchen entgegengestreckt wird. Dies ist ihr jedoch gar nicht so recht, denn der Kater muss zwar nicht auf sein Gewicht achten, aber sie möchte doch den Überblick über sein Fressen behalten.

Ihr Atelier mit Lesestube und Café ist an drei Tagen in der Woche geöffnet. Arbeitet sie im rückwärtigen Bereich, pflegt Teddy insbesondere im Winter in seinem Korb auf der Fensterbank über der Heizung nahe bei ihr zu schlafen. Die Kunden, zumindest diejenigen, die keine Katzenallergie haben, genießen es, wenn Teddy um ihre Beine streicht oder auf seinem Sessel im Stübchen ruht. Es kommt auch schon mal vor, dass er sich die Dekoration im Schaufenster als Schlafplatz aussucht. „Dann schauen die Passanten ganz genau hin, ob die Katze echt ist“, erzählt Horn. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass sich seine Anwesenheit positiv auswirkt. „Die Leute kommen ins Gespräch und er holt sich seine Streicheleinheiten ab. Sie haben ihn gerne hier.“

Mit Paco, einem zehn Jahre alten Ungarischen Vorstehhund, haben sich Janina und Michael Bürthel ein 30-Kilo-Schmusepaket in die Anwaltskanzlei in Weilerbach geholt. Anfang 2014 kam er mit sechs Jahren eher zufällig zu seinen Besitzern, seitdem begleitet er das Ehepaar aus Otterberg täglich ins Büro und ist nicht mehr wegzudenken. „Für ihn ist es wichtig, dass er mit dabei ist. Er ist sehr menschenfixiert“, sagt sein Herrchen über den sonst recht anspruchslosen Hund mit den freundlichen Augen und einem fehlenden Ohrlappen, der ihm aufgrund einer Krebserkrankung entfernt werden musste.

Pacos Platz befindet sich hinter dem Empfang. Das hat einerseits den Vorteil, dass ängstliche Besucher ob seiner Größe nicht gleich wieder umdrehen. Andererseits hat er so einen Rückzugsbereich, um ein Nickerchen auf seiner Spezialmatratze zu machen. Auch sein Frauchen kann beruhigt sein, dass niemand ungefragt zu ihm hingeht. „Paco freut sich meistens sehr, wenn Leute kommen“, beschreibt Janina Bürthel sein Wesen. Sie schätzt es sehr, dass ihr neun Jahre alter Gefährte überaus wohlerzogen zu ihnen gekommen ist. „Wenn er darf, begrüßt er die Mandanten schwanzwedelnd.“

Diese Streicheleinheiten sind häufig verbunden mit einer kurzen Auszeit, was gerade im Familienrecht, einem der Schwerpunkte der Kanzlei, ein willkommener Effekt ist. „Die Mandanten sind oft aufgeregt, meist sind es ja akute Fälle und es geht emotional zu. Dann machen wir manchmal eine kurze Pause. Pacos Anwesenheit wirkt sich beruhigend aus“, erzählt der Rechtsanwalt.

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