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Montag, 29. August 2016 Drucken

Kaiserslautern: Kultur Regional

Staunen ohne Ende

Benefizkonzert mit internationalen jungen Talenten in der Fruchthalle

von REINER HENN

 

„Klassische“ Wunderkindkarriere: Nachwuchspianistin Laetitia Hahn, 2003 in Düsseldorf geboren. ( Foto: Girard)

Im Rahmen der Internationalen musikalischen Jugendbegegnungen 2016 gastierte das entsprechend international besetzte Instrumentalensemble Classic for Peace am Samstag in der Fruchthalle. Dabei erwies sich der frühe Nachmittagstermin angesichts der relativ schwachen Resonanz als diskussionswürdig. Künstlerisch stand das Konzert dagegen unter einem außerordentlich guten Stern.

 

Das Projekt steht unter dem Motto „Frieden stiften durch klassische Musik“, die künstlerische Leiterin und Initiatorin Anna Skryleva hat durch ihre Kontakte zu Stiftungen, Hochschulen und Musikinternaten in der Ukraine Kontakte zu ganz außergewöhnlichen Talenten geknüpft und diese in 14 aufsehenerregenden, ja spektakulären Programmpunkten präsentiert. Dazu arrangierte die Dirigentin und Pianistin Orchestermusik wie Ballettmusik von Tschaikowsky oder Chatschaturjan sowie einen Ungarischen Tanz von Brahms, um ihre Schützlinge nicht nur zu präsentieren, sondern vor allem in musikalischen Dialog und Kooperation zu bringen.

Dies führte bei den genannten Klangbeispielen zu ungewöhnlichen, noch nie so gehörten Besetzungen, die im weiteren Sinn an ein Salonorchester erinnern, wenn neben klassischen Instrumenten wie Klavier, Violine, Cello auch volkstümliche wie Knopfakkordeon (Bajan) oder die dreisaitige Domra als Vorläufer der Balalaika eingesetzt werden. Wie hier dann eine eindeutige künstlerische und klangliche Einheit erzielt wurde, bestätigte das Projekt der Zusammenführung von Musikern aus vier Ländern mit unterschiedlichem Instrumentarium als multikulturelle Vernetzung.

Bei den solistischen oder kleiner besetzten Kammermusik-Formationen kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus, da jagte ein Höhepunkt den nächsten. Der Cellist Arseniy Stavitskiy aus der Ukraine empfahl sich bei dem Zyklus von „Fünf Stücken im Volkston“ von Schumann durch seinen packenden gestalterischen Zugriff, die solide Technik und die sonore, kantable Tongebung gleichermaßen. An späterer Stelle ließ er durch eine eigene, uraufgeführte Komposition im Geiste spätromantischer Klaviertrios aufhorchen. Ukraine und Russland, politisch im Spannungsfeld, in der Fruchthalle aber im musikalischen Dialog, weil die 2001 geborene russische Pianistin Elizaveta Nauruzova die meisten dieser Programmpunkte im ganz großen Stil und mit ungewöhnlicher Übersicht und Flexibilität begleitete.

Die Biographie der jüngsten Teilnehmerin, der 2003 in Düsseldorf geborenen Laetitia Hahn, erinnert an jene von Wunderkindern: Mit vier Jahren eingeschult, dann vier Klassen überspringend, strebt sie mit 14 Abitur an und spielt Klavier-Meisterwerke wie Mendelssohn-Bartholdys „Rondo capriccioso“, als wären sie harmlose Anfängerstücke, so selbstverständlich und selbstsicher gehen ihr schwierigste Passagen von der Hand.

Der 1999 geborene ukrainische Geiger Dmitry Udovichenko setzte diese im Virtuosentum des 19. Jahrhunderts einsetzende Tradition von Bravourstücken fort, die als Kabinettstücke Staunen erregen. Dies vor allem, wenn sie, wie Bizets „Carmen-Fantasy“, ein solches Feuerwerk geigerischer Brillanz und spielerischer Rasanz abbrennen. Das Duo aus Domra und Bajan von Alexander Tzigankov war in mehrfacher Hinsicht für das Anliegen des Konzertes aufschlussreich: Die so entstandene Freundschaft einer russischen Domra-Spielerin (Alisa Lebedeva) mit einem ukrainischen Bajan-Interpreten (Pavlo Gilchenko) führte zu einem außergewöhnlichen Klangerlebnis. Zwei volkstümliche Instrumente entwickelten Themen aus einem Roma- Volkslied zu einer Konzert-Fantasie von lebhaft pulsierender, teilweise ekstatischen Intensität.

Im zweiten Konzertteil gestaltete die kubanische Klarinettistin Claudia Sánchez Duquesne eines der Fantasiestücke von Schumann, der mit seiner beseelten Melodik die Gattung romantischer Charakterstücke entscheidend prägte. Die Klarinettistin spielte wirklich „mit Feuer“, wie beim letzten Kleinod der Sammlung vom Komponisten gefordert, und charakterisierte die kontrastierenden Episoden und Formabschnitte mit unterschiedlicher, stets ausdrucksstarker Tongebung.

Der Trompete haftet nicht unbedingt das Image schwereloser Leichtigkeit und Eleganz an, sie klingt in den örtlichen Blasorchestern oftmals kraftbetont. Der erst 2000 geborene russische Trompeter Nikita Lukashevsky überwand die Tücken der Tongebung, als er eine Bearbeitung des Neapolitanischen Tanzes aus Tschaikowskys Ballettmusik „Schwanensee“ in schwereloser Leichtigkeit zelebrierte und diesen überaus hohen künstlerischen Ertrag höchst eindrucksvoll bestätigte.

Das Benefizkonzert fand zugunsten des Fördervereins der städtischen Musikschule statt, der mit den Einnahmen die Musikerziehung von Flüchtlingskindern fördern will.

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