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Samstag, 01. Dezember 2018 Drucken

Kaiserslautern

Schwierige Zeiten für Frauen

Gestern Abend: Plakatausstellung über die ersten Stadträtinnen der Weimarer Republik eröffnet

VON HEIDELORE KRUSE

Die Stadtbibliothek zeigt bis Anfang Januar die Forschung des Leistungskurses Geschichte des Hohenstaufen-Gymnasiums.

Die Stadtbibliothek zeigt bis Anfang Januar die Forschung des Leistungskurses Geschichte des Hohenstaufen-Gymnasiums. ( Foto: VIEW)

In einer Plakatausstellung über die ersten Stadträtinnen der Weimarer Republik und ihre Geschichte thematisiert die Stadtbibliothek seit gestern „Frauen und die Revolution 1918 in Kaiserslautern“. Für das Projekt haben Schülerinnen und Schüler im Leistungskurs Geschichte des Hohenstaufen-Gymnasiums mit Kursleiter Christian Könne über zwei Jahre die Details recherchiert und gestern vorgestellt.

Zwei Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr der Novemberrevolution 1918 traten in Kaiserslautern fünf Frauen zur Stadtratswahl an. Vier von ihnen wurden gewählt, öffentliche Erwähnung fanden sie nicht. Entsprechend schwierig habe sich die Recherche gestaltet, schilderte der Kursleiter. Ein Wahlaufruf, den die Schüler im Rahmen der Recherche in der Pfälzischen Presse aus dem Januar 1919 aufgespürt hatten, spricht Bände für das Umfeld, in dem Frauen als Wählerinnen und Kandidatinnen sich seinerzeit bewegten: „Wählt, damit Haus und Heim Euch erhalten bleiben als Grundlage Eures häuslichen Glücks.“

Der Kursleiter und die Schülerinnen Lena Kreis, Jule Schürmann und Julia Weinberg skizzierten die Biografien von Elsa Braun, Elise Hertel, Emma Kafitz, Lydia Keßler und Katharina Lang, soweit sie diese hatten recherchieren können. Sie stellen sie als teilweise prominente Frauen dar, die sich durchaus für die Politik interessiert hatten und teilweise sogar die Wahlen mit organisierten. Trotz vieler engagierter Frauenvereine seien sie in der Berichterstattung nicht aufgetaucht. „Die Presse war in Männerhand“, bilanzierte Könne.

Vier Jahre nach der ersten Stadtratswahl hätten die Organisationen und Parteien sogar 14 Frauen aufgestellt – die SPD, die sich für das Frauenwahlrecht stark gemacht habe - allerdings keine. Gewählt wurden zwei. Dass die Stadträtinnen unter den Nationalsozialisten zu leiden hatten, hat der Leistungskurs ebenfalls herausgefunden.

Die Schüler Moritz Sattler und Niklas Stoeck, die erst in diesem Jahr dazu gestoßen waren, hatten die Arbeit ihrer Kolleginnen durch intensives Bücherstudium ergänzt beziehungsweise für die Ausstellung die Häuser jener ersten Stadträtinnen fotografiert und sich um die Plakate gekümmert.

Das Projekt der Schüler, das inzwischen auch bei der Kommission für die Geschichte des Parlamentarismus, politischen Parteien in Berlin und in der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz Anerkennung gefunden hat, ist für den Leistungskurs inzwischen abgeschlossen. Informationen, die noch vorhandene Lücken schließen können, werden aber weiterhin gerne angenommen.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek noch bis 10. Januar 2019 zu sehen.

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