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Freitag, 06. Oktober 2017 Drucken

Kaiserslautern: Kultur Regional

Oma Lisa und der Jägermeister

Acht Künstler zeigen ihre Arbeiten in der Ausstellung „Real Irreal Surreal“ im Atelier ERWE.de in Mackenbach

Von Isabelle Girard de Soucanton

Arbeiten dicht an dicht: Ausstellung im Atelier ERWE.de, mit Gastgeber Franz Wild (im karierten Hemd).

Arbeiten dicht an dicht: Ausstellung im Atelier ERWE.de, mit Gastgeber Franz Wild (im karierten Hemd). ( Foto: Girard)

Real, irreal, surreal – zwischen diesen Begriffen liegen Welten, die derzeit im Mackenbacher Atelier ERWE.de des Künstlers Franz Wild anzutreffen sind. Und zwar in der Kunst von acht seiner Kollegen aus nah und fern. Wie ihre beziehungsweise auch der Besucher Welten aussehen beziehungsweise aussehen könnten oder sollten, ist noch während der beiden kommenden Wochenenden zu sehen.

Es existiert erst wenigen Jahre und macht sich bestens in der Künstlerszene: Das Atelierhaus auf Franz Wilds Anwesen lockt als idealer Treffpunkt von Kunst und Künstler, Kunst und Besucher, und nicht zuletzt von Besucher und Künstler. Übrigens auf engstem Raum. Umso erstaunlicher die Ausstellungsatmosphäre mit sage und schreibe 103 Arbeiten der Sparten Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur. Und weil weder ein Zuviel noch ein Kreuz und Quer das Betrachten teils großformatiger Werke beeinträchtigt, zeichnet sich allein schon die Präsentation als lobenswert aus.

Dabei verzichtete Franz Wild zwangsläufig auf persönliche Künstlernischen. Stattdessen mischen sich nun die Arbeiten aus platztechnischen Gründen. Daraus folgt: Es empfehlen sich zwei Aspekte eines Rundgangs – einmal dem Ausstellungstitel nachzuspüren und zu entdecken, wie weit „real“ von „irreal“ oder „surreal“ von „real“ entfernt sein können. Zum anderen ebenso empfehlenswert das personenbezogene Interesse: Denn es gilt Künstler kennenzulernen, die eher selten hierher kommen. Dabei hilft eine Durchnummerierung mit den aufgelisteten Namen der teilnehmenden Aussteller: Peter Bernhard aus Mainz mit expressiv-abstrakter Malerei, Reinhard Berg aus Wiesbaden mit Fotografien, Markus Green aus Berlin (vormals Rodenbach) mit Fotografien, Klaus Hunsicker aus Niedermohr mit kleinteiligen Steinskulpturen, Werner Schwarz mit Bildobjekten, Christoph Thomas aus Landstuhl mit grafisch-naiver Malerei, Hausherr Franz Wild diesmal überwiegend mit diversen Druckarten sowie Amador Vallina mit Monotypien und Skulptur.

Allen gemeinsam ist die Nähe zur zeitgenössischen Kunst, nicht ohne auch mal altmeisterliche Vorbilder zu verfremden und das auch schon mal humorig. Wie beispielsweise die opulent gemalte Figur „Oma Lisa“ mit Strickzeug im Gehabe der „Mona Lisa“. Herrlich und dabei so detailbesessen, dass ein Loskommen schwer fällt. Utopisch verdichtet wirken Greens Fotografien: Im Umkehrschluss ihrer eigentlichen Art puren Abbildens kreiert gekonntes Verfremden verzerrte, verwischte oder überlagerte Motive.

Verlässt sich Hunsicker ganz auf die Naturfarbpalette seiner Steine, setzen sich die Maler daneben recht farbenfroh ab. Beispielsweise Christoph Thomas und Hausherr Wild, auch wenn letzterer Sättigkeiten runter ins Transparente zu dimmen sucht. Allerdings vertritt er auch die Sparte Schwarzweiß, der er demnächst eine komplette Schau widmen möchte.

Eine besondere Facette des Wesenhaften zeigt Vallina. Der Spanier orientiert sich unverhohlen eindeutig am Figürlichen, also laut Ausstellungstitel am Realen, und kreiert doch oftmals mit Naturfundstücken den Nimbus von Verborgenem. Eine ähnliche Spur führt auch zu Bergs freier Fotokunst: Doppelbelichtet und überblendet nachbearbeitet, inszeniert sie ebenso minimalistische wie emotionale Frauenbilder.

Die wohl opulentesten Motive dieser Ausstellung kommen aus Bernhards Atelier in Mainz-Kastell. Er nennt sie „Jägermeister“, „Apotheose“ oder „Gastspiel“, wählt tendenziös Naturfarben und schafft eine verwunschene Atmosphäre, in der architektonische Details eines Anwesens zu überraschen vermögen.

Inklusive Blick auf das Thema von real über irreal bis surreal lautet das knappe Fazit: empfehlenswert. Ausführlicher bedeutet das: eine ebenso sehens- wie lesenswerte und bedeutsame Schau und gleichzeitig eine ästhetisch niveauvolle Anregung.

Ausstellung

„Real Irreal Surreal“ ist jeweils an den beiden nächsten Samstagen und Sonntagen von 13 bis 16 Uhr im Atelier ERWE.de in Mackenbach, Flürchenstraße 2, zu besichtigen.

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