Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Dienstag, 24. Januar 2017 Drucken

Kaiserslautern

„Keine parallele Welt aufbauen“

Atlantische Akademie in Kaiserslautern liefert Hintergründe zur US-Politik – Momentan viele Presseanfragen

Der Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump löst Proteste aus: hier Teilnehmer beim „Marsch der Frauen“ in Washington. ( Foto: dpa)

Zurzeit häufen sich bei den Mitarbeitern der Atlantischen Akademie die Presseanfragen. Die ZDF-Kindernachrichtensendung Logo war schon da und auch die Erwachsenenbildung holt sich derzeit die Stimme der Atlantischen Akademie ein. Bestimmendes Thema: US-Präsident Donald Trump. Die Transatlantiker aus Kaiserslautern gehen davon aus, dass die Politik Trumps so wird, wie sein Wahlkampf war: unberechenbar.

 

Für die transatlantischen Beziehungen werde die Präsidentschaft von Donald Trump nicht gerade einfach, ist Sarah Wagner, Bildungsreferentin bei der Atlantischen Akademie, überzeugt: „Das werden spannende Zeiten.“ Sie geht davon aus, dass der Ton Trumps weiterhin scharf bleibe und die Politik des 70-Jährigen unberechenbar wird. Derzeit seien keine klaren Politiklinien erkennbar, an denen sich der Milliardär orientiere. Dass sich Trump plötzlich ändert, kann sich Wagner nicht vorstellen – immerhin habe ihn genau diese Art ins Weiße Haus gebracht.

Die Polarisierung in der US-Gesellschaft werde sich dadurch noch verschärfen, ist Wagner überzeugt. Doch auch die außenpolitischen Beziehungen könnten leiden. Trumps Forderung „America first“, also Amerika zuerst, dürfte die Außenpolitik mit den USA schwieriger als bisher gestalten. Problematisch sei zudem Trumps Umgang mit der Wahrheit, die er nachweislich nicht immer ernst nehme. „Hier sind die Medien in den USA als Korrektiv gefragt“, sagt Wagner. Denkbar sei, dass die Medien die Berichterstattung über Trump mit einem separaten Fakten-Check versehen. „Es ist wichtig, dass keine parallele Welt aufgebaut wird, was die Wahrheit betrifft.“

Die Verunsicherung darüber, was nun Wahrheit sei und was nicht, trage dazu bei, den Riss in der Gesellschaft zu vergrößern, schildert Wagner. Wegen der starken politischen Polarisierung zwischen dem republikanischen und dem demokratischen Lager sei es immer schwieriger, Kompromisse zu finden, die im politischen System der USA notwendig seien.

Wagner geht nicht davon aus, dass Trump seinen Kontrahenten die Hand reiche. Als Beleg zitiert die Bildungsreferentin die Antrittsrede Trumps, die er inhaltlich allein an seinen Anhängern ausgerichtet habe.

Die Wahl Trumps und dessen extrem starker Kontrast zu Barack Obama habe in Deutschland viele Menschen überrascht, berichtet Wagner von Gesprächen mit Besuchern der Atlantischen Akademie. Die Mitarbeiter der Akademie werden die Politik der USA weiterhin mit vielen Veranstaltungen begleiten. Neben der Geschichte und Gegenwartskultur der USA stehe mit Blick auf das Wahljahr in Deutschland und Frankreich das Thema „Herausforderung Populismus“ auf der Agenda. „Der Populismus ist nicht nur ein Phänomen in den USA“, sagt Wagner und erinnert an den Besuch von Marine Le Pen, der Vorsitzenden des französischen Front National im Trump Tower. „Gerade erleben wir einen populistischen Schulterschluss über den Atlantik hinweg“, sagt Wagner. Die Frage sei nun, was das für Europa bedeute. |jtt

Kaiserslautern-Ticker