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Mittwoch, 12. September 2018 Drucken

Kaiserslautern

Kaiserslauterns einziger Stadtklimatologe

Von Benjamin Ginkel

Stadtklimatologe Sascha Henninger kann am Computer beispielsweise Temperaturmodelle für Stadtteile durchsimulieren. Dabei spielt der Wind eine maßgebliche Rolle, der Wärme abtransportieren kann.

Stadtklimatologe Sascha Henninger kann am Computer beispielsweise Temperaturmodelle für Stadtteile durchsimulieren. Dabei spielt der Wind eine maßgebliche Rolle, der Wärme abtransportieren kann. ( Foto: VIEW)

An der TU beschäftigt sich Stadtklimatologe Sascha Henninger mit den Auswirkungen des Klimawandels in Städten.

„Seit 2003 ist der Begriff Stadtklima in der Bevölkerung und der Politik angekommen“, sagt Sascha Henninger, an der Technischen Universität Kaiserslautern der nach eigenen Angaben einzige Stadtklimatologe. 2003 habe ein Hochdruckgebiet wochenlang über Europa gelegen („Hochs sind relativ faul“) und für Hitze gesorgt. „Damals war, nachdem es vor allem in Frankreich viele Tote gegeben hat, so etwas wie der Startschuss für die Stadtklimatologie“, schildert Henninger. Durch Hitzebelastung steige die Sterberate nachweislich. Seitdem würden sich Städte verstärkt um Klimaschutzkonzepte kümmern, die Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen in dem Fachbereich sei in die Höhe geschossen.

Auf Wetterextreme einrichten

 

Dass solche Konzepte notwendig sind, zeige just der Sommer 2018. Henninger: „Dieses Jahr hat gezeigt, man muss sich darauf einrichten, dass Wetterextreme häufiger auftreten.“ Die früher genutzten Begriffe wie 100- oder 1000-jährige Ereignisse seien überholt. Dadurch wachse auch der Druck, sich anzupassen – egal ob in der Verwaltung, in Unternehmen oder für die Bevölkerung. In Städten, die an einem Fluss liegen, werde die Hochwassergefahr schon früh in Planungen mit aufgenommen, während man es andernorts oft schmerzlich lernen müsse: „Aus Schaden wird man manchmal klug“, sagt Henninger mit Blick auf die Starkregen im Mai und im Juni. Wie mehrfach berichtet, wird für Kaiserslautern gerade ein Klimaanpassungskonzept erarbeitet.

In Deutschland noch ein kleiner Forschungsbereich

 

Klimaanpassung funktioniere nicht von heute auf morgen, betont Henninger: „Wir planen im städtischen Bereich meistens im Bestand, das braucht langfristige Planung und viele Gespräche.“ Nur selten könne man komplett neue Wohngebiete von vorneherein aus stadtklimatologischer Sicht mitgestalten.

 

Im deutschsprachigen Raum gebe es derzeit noch einen „relativ überschaubaren Kreis“ an Stadtklimatologen, in Kaiserslautern ist Henninger dem Fachbereich Raum- und Umweltplanung angehörig. Ein Vorteil, wie er findet: „Urban Planning und Urban Climate, Stadtplanung und Stadtklimatologie, sind hier in Gehnähe zusammen. Das ist gut für den Austausch zwischen den Bereichen.“

Auch mit 30-er Zone in Frankenstein befasst

 

Bad Kreuznach, Mannheim, Haßloch und Ludwigshafen nennt Henninger als Beispiele für Kommunen, in denen er schon tätig war oder noch ist. In der näheren Umgebung hat er beispielsweise in Frankenstein die 30er-Zone-Diskussion aus lufthygienischer Sicht begleitet – auch damit beschäftigen sich Stadtklimatologen, Stichwort Feinstaub. Die Arbeit wird Henninger, seinen Mitarbeitern und Studenten also so schnell nicht ausgehen ...

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