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Freitag, 06. April 2018 Drucken

Kaiserslautern

Heiraten, Sex haben, Bomben bauen

Wie ein Wiener einen Anschlag in Ramstein plante und was ein junger Ludwigshafener damit zu tun hat

Von Christoph Hämmelmann, Wien

Soldaten in Ramstein mit seiner Air Base wollte ein 19-jähriger Österreicher töten, der in Wien vor Gericht steht.

Soldaten in Ramstein mit seiner Air Base wollte ein 19-jähriger Österreicher töten, der in Wien vor Gericht steht. ( Foto: VIEW)

In Wien steht Lorenz K. vor Gericht, weil er 2016 einen Zwölfjährigen zu einem Anschlagsversuch auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt angestiftet haben soll. Doch im Prozess geht es auch um eigene Attentatspläne des 19-jährigen Österreichers: Er wollte Soldaten in Ramstein töten. Bei den Vorbereitungen dafür spielte der Junge aus Ludwigshafen ebenfalls eine Rolle.

120 Euro soll ein Mönchengladbacher Hinterhof-Imam im Dezember 2016 dafür kassiert haben, dass er eine in der Region lebende 16-jährige Tochter marokkanischer Eltern mit dem 17-jährigen Wiener Lorenz K. „verheiratete“. Das Paar kannte sich nur aus dem Internet. Braut und Bräutigam hatten sich wenige Stunden zuvor auf einem Busbahnhof zum ersten Mal getroffen.

Nach der islamischen Zeremonie entschwanden sie in ein Hotelzimmer, um dort, wie es Juristen formulieren, „die Ehe zu vollziehen“. Doch der Wiener hatte nicht nur amouröse Pläne: Die nächsten Tage verbrachte Lorenz K. bei einem Gesinnungsgenossen in Neuss, der die Terrorbande IS ähnlich gut fand wie der Österreicher. Gemeinsam machten sich die beiden Islamisten ans Bombenbauen, Zubehör hatte der Gast schon in Österreich besorgt. Schließlich wollte er schon bald ein Selbstmordattentat begehen, westliche Soldaten sollte es treffen. Als Ziel hatte er sich daher Ramstein erkoren - auch wenn er nicht wusste, wo genau das liegt.

Jedenfalls, so sagte es der 19-Jährige gestern, hätte er dort mit einer Bombe zum Beispiel in einen gut gefüllten Bus steigen und sie dann zünden wollen. Dazu kam es zwar nicht, aber vor Gericht steht er nun trotzdem. Schließlich diskutierte er mit seiner „Ehefrau“ darüber, dass sie sich gemeinsam mit ihm in die Luft sprengen könnte, um nach dem Attentat nicht alleine zurückzubleiben. Also wirft ihm die Wiener Staatsanwaltschaft unter anderem vor, dass er das Mädchen zu einem Verbrechen anstiften wollte.

Kurz vorher soll er auch schon einen damals zwölfjährigen Deutsch-Iraker gelenkt haben, als der in Ludwigshafen Anschläge verüben wollte. Doch Lorenz K.’s Verteidiger wirft im Prozess die Frage auf, wer da wen beeinflusst hat. Schließlich behauptet sein Mandant, der Junge habe auf ihn gar nicht gehört. Umgekehrt hat auch der mittlerweile 14-Jährige gestern den Richtern versichert, vor allem aus eigenem Antrieb losgezogen zu sein.

Und in noch einem Punkt stimmt das deutsch-österreichische Terrorduo überein: Eine Anleitung zum Bau einer Bombe – Reichweite: etwa 50 Meter, zu erwartende Opferzahl: 20 bis 30 - hatte zuerst der Jüngere dem Älteren geschickt. Südwest

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