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Donnerstag, 25. April 2019 Drucken

Kaiserslautern

Großbrand im Asternweg: „Sie haben nichts mehr" [mit Bilderstrecke]

Von Sara Brunn

Starke Rauchentwicklung: 56 Feuerwehrleute löschten im Asternweg einen Brand über drei Vollgeschoße. Die Ursache ist bislang noch unklar. Foto: Feuerwehr Kaiserslautern

Starke Rauchentwicklung: 56 Feuerwehrleute löschten im Asternweg einen Brand über drei Vollgeschoße. Die Ursache ist bislang noch unklar. Foto: Feuerwehr Kaiserslautern

16 Wohnungen sind bei dem Brand vollständig ausgebrannt und unbewohnbar. Die Spuren des Feuers waren auch am Donnerstagmorgen noch deutlich erkennbar. Foto: VIEW

16 Wohnungen sind bei dem Brand vollständig ausgebrannt und unbewohnbar. Die Spuren des Feuers waren auch am Donnerstagmorgen noch deutlich erkennbar. Foto: VIEW

Gegen 2 Uhr am Donnerstag ging in Kaiserslautern der Notruf bei Feuerwehr und Polizei ein: Ein Wohnblock im Asternweg stand in Flammen. 45 Personen wurden in der Nacht evakuiert, verletzt wurde niemand. 16 Wohnungen brannten vollständig aus.

Der Asternweg, vor allem bekannt durch eine TV-Dokumentation, ist ein sozialer Brennpunkt und seine Bewohner mussten schon einiges ertragen. Nun verlieren viele der Bewohner auch noch ihre Wohnungen. Der Geruch von Feuer und Rauch lag auch am Donnerstagmorgen noch in der Luft über den Wohnblöcken im Astern- und Geranienweg. Die Feuerwehr war um 2.15 Uhr mit zwei Löschzügen und 56 Feuerwehrleuten der Berufs- und Freiwilligen Wehr ausgerückt. Hinzu kamen Kräfte des Katastrophenschutzes (DRK, ASB) sowie der Polizei. Vom Gebäude der Hausnummer 7 bis 15 ging zu diesem Zeitpunkt eine starke Rauchentwicklung aus. Flammen schlugen über die komplette Breite und über alle Geschosse. Gegen 4 Uhr sei der Brand über drei Vollgeschoße unter Kontrolle gewesen, erklärte die Feuerwehr.

Insgesamt 45 Bewohner evakuiert

Noch bis etwa 6.30 Uhr waren die Einsatzkräfte mit letzten Löscharbeiten beschäftigt. Feuerwehrdezernent Peter Kiefer traf bereits in der Nacht am Unglücksort ein: „Es war sehr schön erkennbar, dass alle Beteiligten und Helfer gut zusammengearbeitet haben“, sagte er am Donnerstagmittag. Insgesamt wurden 45 Bewohner der Hausnummern 1 bis 15 im Asternweg in Zusammenarbeit mit der Polizei evakuiert. Sieben Erwachsene und vier Kinder kamen in eine Notunterkunft. Andere verbrachten die Nacht bei Bekannten. Die Bewohner der Hausnummern 1 bis 5 sowie 11 bis 15 konnten in den Morgenstunden wieder ihre Unterkünfte beziehen.

Bewohner stehen vor dem Nichts

Für die Bewohner der ausgebrannten Wohnungen seien Zwischenlösungen gefunden, sagte Kiefer. 18 Personen sind laut Polizei in den 16 betroffenen Wohnungen gemeldet. Die meisten wurden in benachbarten Wohnblocks untergebracht, einige wohnen zunächst bei Verwandten und Freunden. „Wir haben ihnen auch angeboten, dass sie woanders als im Asternweg unterkommen, aber die meisten wollten dort bleiben“, erklärte er. Das Referat Gebäudewirtschaft sei am Donnerstag mit vier Personen vor Ort gewesen und habe sich um die Unterbringung gekümmert, außerdem unterstützten das Sozialamt, das Jobcenter sowie das Arbeits- und Sozialpädagogische Zentrum die Bewohner. „Wichtig war für uns, dass die Leute alle unter sind und ein Dach über dem Kopf haben. Alles andere müssen wir in den nächsten Tagen schauen“, sagte Kiefer. |snk

16 Wohnungen zerstört

Die Polizei erklärte am Donnerstag, dass insgesamt 16 Wohnungen ausgebrannt seien. „Sie sind nicht mehr bewohnbar“, so Polizeisprecher Bernhard Christian Erfort. Das Feuer war gegen 2 Uhr aus bislang unbekannter Ursache ausgebrochen. „Es hat einen Knall gegeben, aber wer denkt denn dabei an sowas“, sagte am Donnerstagvormittag Ernst Menke, zweiter Vorsitzender des Asternweg-Vereins und Ehemann von Ilse Menke, der Besitzerin der Kneipe „Zum Ilse“.

Die beiden vierstöckigen Häuser hätten bereits nach kurzer Zeit in Vollbrand gestanden, erklärte die Polizei. „Verletzt wurde niemand. Auch wenn die genaue Schadenshöhe noch nicht feststeht, gehen wir aktuell von mehr als 500.000 Euro aus“, erklärte Erfort. Sachverständige und Ermittler waren am Donnerstagmorgen vor Ort, um die Brandursache festzustellen. Frühestens in den nächsten Tagen sei mit einem vorläufigen schriftlichen Gutachten zu rechnen, so Erfort.

„Sie haben nichts mehr“

„Das hat gerade noch gefehlt“, sagte Ilse Menke sichtlich geschockt von den Ereignissen der Nacht und des frühen Morgens. Ihre Kneipe „Zum Ilse“ liegt nur wenige Meter von dem betroffenen Wohnblock entfernt. Ihr Mann Ernst war seit 6 Uhr auf den Beinen, organisierte zusammen mit Katharina Dittrich-Welsh, Vorsitzende des Asternweg-Vereins, erste Sachspenden. „Die Leute brauchen ja Betten und Matratzen, außerdem auch Kleider, Kochplatten, Töpfe, vielleicht Lebensmittel und Kleidung. Sie haben gar nichts mehr. Das ist schon schlimm“, sagte er.

Vereine rufen zu Spenden auf

Neben Dittrich-Welsh und den Menkes kümmert sich auch der Helferkreis Kalkofen um die Bewohner des Asternwegs: „Ich habe heute morgen aus dem Internet von dem Brand erfahren“, erklärte Vorsitzende Brigitte Seidler. „Wir wollten ein Frühstück in einer Gaststätte anbieten, aber die Leute haben wie paralysiert vor dem Haus gestanden, wollten nicht weg.“ Also seien schließlich Tüten mit Brötchen und Marmelade verteilt worden. Auch erste Kleider, Geschirr und Schuhe konnte sie mit Helfern verteilen. In den nächsten Tagen nehmen die beiden Vereine weitere Spenden entgegen.

Info

Wer gut erhaltene Kleidung oder Haushaltsgegenstände abgeben möchte, kann sich an Katharina Dittrich-Welsh, Telefon 0176/24820725 oder an Brigitte Seidler über Facebook/Helferkreis Kalkofen wenden.

 

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