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Mittwoch, 17. Februar 2016 Drucken

Kaiserslautern

Gerappte Momente des Alltags

So klingt Lautern: Ihre Neigung zu Lyrik verpackt Anne Parlow als Rapperin Three Words in Hip-Hop-Songs

Rappt über Alltagsmomente, nicht übers Ghetto: Anne Parlow (rechts) mit Madleine Grob bei der „Green Sound Band Battle“ in der Fuchsdelle im Jahr 2014. ( Archivfoto: HAMM)

Die 27-jährige Anne Parlow tritt unter dem Namen Three Words als Hip-Hopperin auf. Dabei grenzt sie sich bewusst gegenüber vielen männlichen Kollegen ab: Sie rappt nicht über Ghetto, Gangster und Geld, sondern über Alltagsmomente und das Älterwerden.

 

„Ihr deutschen Rapper habt einen IQ von zehn/deshalb rapp ich jetzt auf Deutsch/Ich hoffe, ihr könnt‘s verstehen.“ Spontan rappte Anne Parlow aka Three Words vor zehn Jahren diese Zeilen auf einer Hamburger Bühne. Sie kritisierte dabei ihre männlichen Kollegen: für ihre schlechte Aussprache und ihre negative Haltung gegenüber Frauen. Das war bei Parlows erstem Auftritt. Das Publikum hat hinterher gejubelt.

Parlow stellt eine Ausnahme im Hip-Hop-Genre dar: Einerseits weil viele ihrer Lieder positive Themen haben, andererseits weil sie eine Frau ist. „Viele Rapper kämpfen gegen imaginäre Feinde, etwa rappen sie über Bandenkriege, die gar nicht da sind“, sagt sie. Auch die Themen Ghetto und Geld und dass männliche Musiker, die mit ihr zusammenarbeiten wollten, immer nur über Sex oder Liebe rappen wollten, stören sie. Und die Geschlechterfrage spielt ebenfalls eine Rolle: „Ich schätze den Frauenanteil in der Hip-Hop-Szene auf etwa fünf Prozent“, sagt die zierliche 27-Jährige. Als Frau müsse sie sich gegenüber anderen Rappern oft behaupten. Ab und zu wird sie von männlichen Kollegen gefragt, warum sie rappt und nicht singt. „Dann frag ich einfach zurück: ,Warum singst du denn nicht, sondern rappst?‘“, erzählt sie. „Schließlich frag ich ja auch keine weibliche Bassistin, ob sie nicht lieber Gitarre spielen will.“ Diese Zustände kritisiert sie in ihren Liedern oft. „Aber mehr über die lustige Schiene, ich war nie ein knallharter Gansgsterrapper.“

Leute, die nicht so tief in der Hip-Hop-Szene drin seien, würden meistens nur die Lieder kennen, in denen Frauen negativ dargestellt werden, glaubt Parlow. „Die Lyrik, die hinter vielen Hip-Hop-Texten steckt, erreicht viele Leute gar nicht“, sagt sie. Parlow arbeitet hauptberuflich als Projektleiterin bei der App Citykid in Kaiserslautern und schreibt auch dort ab und zu Texte. Sie hat einen guten Sinn für Sprache, spielt gern mit Worten. Manchmal setzt sie sich vor ein leeres Blatt Papier und die Ideen fließen einfach. In ihren Liedern geht es um das Älterwerden, den Sommer, die Familie und um Alltagsmomente wie das gemütliche Sonntagmorgenfrühstück. „Über die Liebe habe ich früher gerappt, aber inzwischen ist das Thema ausgelutscht“, sagt sie. Dabei ist es die Liebe, die die Mecklenburgerin vor acht Jahren in die Pfalz verschlagen hat. Zusammen mit ihrer Partnerin wohnt Parlow in Ramstein-Miesenbach. Ihre ebenfalls 27-Jährige Freundin arbeitet als Produzentin an vielen Liedern mit.

Mit dem Musikmachen hat Parlow mit 14 Jahren angefangen. In ihrer Heimatstadt Malchow in Mecklenburg-Vorpommern war sie ab und zu bei den Proben einer Punkband dabei, am Anfang nur als Gast, später als Songschreiberin und schließlich als Sängerin. Doch Punk sei nicht zu 100 Prozent ihr Genre gewesen. „Ich selbst habe die meiste Zeit Hip-Hop gehört. Deswegen habe ich angefangen zu rappen.“

Mit ihren Liedern ist sie etwa im Jahr 2014 erfolgreich bei der „Green Sound Band Battle“ in Erfenbach aufgetreten. Auch im „Lautrer Wirtshaus“ hat sie schon gerappt. „Da hat das Publikum aber nicht ganz gepasst“, erzählt sie lachend. Veranstaltungen für wohltätige Zwecke liegen ihr ebenfalls am Herzen. Sie ist schon mehrmals kostenlos bei Benefizveranstaltungen für „Mama/Papa hat Krebs“ aufgetreten.

Außerdem hat Parlow bereits vier Mixtapes mit etwa 16 englischen und deutschen Liedern produziert. Die Titel der Mixtapes, die man sich kostenlos im Internet anhören kann, lauten „Welcome to Germany“, „My better Half“, „Here and There“ und „This is Me“. In Anspielung auf Parlows Künstlernamen Three Words bestehen sie jeweils aus drei Worten. „Ich habe vor ein paar Jahren gemerkt, dass man mit drei Worten jede Gefühlslage ausdrücken kann“, erzählt die 27-Jährige. „Zum Beispiel ,Ich liebe dich‘, ,Ich bin traurig‘ oder ,Ich bin müde‘.“

Parlows Ziel für dieses Jahr drückt sie in mehr als drei Worten aus: „Mein Vorsatz ist, dass ich bekannter werden möchte.“ Mit verschiedenen Konzertveranstaltern und Kultureinrichtungen in Kaiserslautern und Landstuhl hat sie deshalb Kontakt aufgenommen. (joha)

Im Netz

www.three-words.de

 

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