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Montag, 24. August 2015 Drucken

Kaiserslautern: Kultur Regional

Freiheit für die Farbe

Die Wiederentdeckung des Malers Rolf Müller-Landau in einer Ausstellung auf Schloss Villa Ludwigshöhe

Von Sigrid Feeser

 

Der Maler Rolf Müller-Landau wurde nicht alt. Als er 1956 im Alter von nur 53 Jahren starb, stand er im Zenit seines Schaffens, hatte er eigentlich noch viel vor sich. Ganz vergessen wurde er nicht, seine Kinder hüteten das Erbe. Jetzt haben sie es dem Land Rheinland-Pfalz geschenkt, das sie der vom Landesmuseum Mainz betreuten Max Slevogt-Galerie übereignete. Eine Retrospektive auf Schloss Villa Ludwigshöhe würdigt das Ereignis.

 

An Max Slevogt kam in der Pfalz keiner vorbei. Auch der junge Rolf Müller nicht. Da war es nur klug und richtig, Slevogts „Gewittersturm im Frühherbst“ und eine Oberhaardt-Landschaft von Rolf Müller aus dem gleichen Jahr 1925 nebeneinander zu hängen. Das Bild eines 57-Jährigen und das eines 22-jährigen Akademiestudenten, der sich im Vergleich überraschend gut hält. Wir sehen: die Pranke des reifen Malers und die Fingerübungen eines, der auf der Suche nach einem eigenen Stil Maß nimmt.

Renoir („Mädchen mit Kamm“, 1928) gehört dazu; van Gogh (Porträt des Malerfreundes Hans van Voorthuysen, Stillleben) wird geprüft, aus der Tiefe der Zeit grüßt Cézanne, aus dem näheren Umfeld wirken Weisgerber, Haueisen, der deutsche Impressionismus mit Slevogt und Liebermann. Aber so ist es bei Rolf Müller – das „Landau“ fügte er erst 1930 seinem Namen hinzu – eigentlich immer: aufsaugen, prüfen, das für richtig Befundene in ein Eigenes verwandeln. „Wir wahren unsere Eigenart, wenn wir unsere Kräfte im Zusammenspiel mit anderen verstehen und Luft und Befruchtung daran lassen“, hat er gesagt. Der Satz wird gerne zitiert, einfach weil er in einer griffigen Formel zusammenfasst, was seine farbselige Kunst im Innersten festigt und zusammenhält.

Leicht hat es die Zeit dem in China geborenen Sohn eines Missionars nicht gemacht. Kaum hat der Meisterschüler von Gustav Ernst Würtenberger sein Akademiestudium in Karlsruhe beendet und in Landau den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt, kappt die rigide „Kultur“-Politik des Nazistaates Bewegungsfreiheit und freie Entfaltung der künstlerischen Persönlichkeit. Das Etikett „entartet“ hat man Rolf Müller-Landau nicht aufgepappt. Mit Landschaften, Stillleben und Porträts von dunkeltoniger Schwermut zieht sich der Maler aus der Schusslinie. Hier zeigt die von der für die Slevogt-Galerie zuständigen Mainzer Kuratorin Karoline Feulner nach Themen sortierte und mit viel Fingerspitzengefühl für richtige Nachbarschaften gehängte Auswahl bemerkenswerte Beispiele. Zwei Aquarelle – einen geborstenen Westwall-Bunker (1940) und zerschossene Häuser in Landau (1943) darstellend – frappieren durch eine katastrophenferne Idyllik und Märchenhaftigkeit, die man kaum für möglich halten möchte. Großartig (vor allem das auf „um 1944“ datierte Gewitterbild) eine Serie von Ansichten der wuchtig über der Stadt thronenden Kathedrale im besetzten Metz, das Müller-Landau mit dem Kaiserslauterer Kunsthistoriker Edmund Hausen, damals kommissarischer Leiter der lothringischen Museen, bereiste.

Er war zur Freundschaft begabt wie wenige. Auf einer Polen-Reise lernt er den Wiener Maler und Akademielehrer Josef Dobrowsky kennen, auch so einen halb Vergessenen, der erst Ende des vergangenen Jahres in einer Ausstellung in Wien als Wegbereiter der modernen Malerei in Österreich wiederentdeckt wurde. Über Dobrowsky kommt Müller-Landau zu Henri Matisse und zur „reinen“ Farbe, wie sie vor allem die Malergruppe der Fauves in Paris benutzten. Nach 1945 dann endlich der große Aufbruch ins Freie, das Auf- und Nachholen, der Gewinn der Meisterschaft, für die dem von Krankheit gezeichneten Maler nur zehn Jahre bleiben. Jahre, in denen er zum großen Netzwerker wird, zum Mitbegründer der Pfälzischen Sezession, in dessen Haus in Heuchelheim (seit 1945) sich Künstler wie HAP Grieshaber, Willi Baumeister Edvard Frank, Werner Gilles, Werner Seitz, Karl Hofer oder Max Purrmann treffen. Müller-Landau wird zu einem der wichtigsten Maler (mindestens) im südwestdeutschen Raum, stellt auf den Biennalen von Venedig (1948) und Sao Paulo (1955) aus und im legendären Frankfurter Kunstkabinett der Hanna Bekker vom Rath.

Aus dem in den 1950ern erbittert geführten Streit um den Primat der gegenständlichen oder ungegenständlichen Kunst hat sich Rolf Müller-Landau zumindest öffentlich herausgehalten. Wie auch, seine in den letzten zehn Lebensjahren förmlich explodierende Malerei ist mit dieser primitiven Zange nicht zu greifen. Jetzt kann er – wieder vor allem über die Beschäftigung mit den geliebten Franzosen, allen voran Matisse, Braque und Picasso – seine in den frühen Jahren erarbeiteten Ansätze zur vollen Reife bringen. Und es ist spannend zu sehen, wie da einer zwischen noch Gegenständlichkeit und schon Abstraktion zu vermitteln weiß, ohne das Bild auf die Zerreißprobe zu stellen. Wie harmonisch er die Farben auf der Fläche zusammenbindet und zu fast teppichhaft-ornamental anmutenden Wirkungen steigert, in prunkvoll illuminierten Stillleben, erzählerisch-verspielten Figurenbildern, besonders eindrucksvoll in den späten Aquarellen aus Südfrankreich und den auch antike und christliche Themen behandelnden Farbschnittmonotypien, die er seiner schwindenden Gesundheit abtrotzt. Es war Zeit für diese Ausstellung.

Die Ausstellung

—„Rolf Müller-Landau. Eine Retrospektive“: Schloss Villa Ludwigshöhe bis 22. November, im September 9 bis 18 Uhr, Oktober bis November 9 bis 17 Uhr; am ersten Werktag der Woche geschlossen.

—Neu aufgelegt und aktualisiert ist die von der Evangelischen Akademie der Pfalz herausgegebene Dokumentation „ Rolf Müller-Landau. Leben und Werk“.

 

 

 

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