Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Donnerstag, 10. November 2016 Drucken

Kaiserslautern

„Die Stadt soll schöner werden“

Auf dem Weg zum Masterplan: Björn-Martin Kurzrock und Tillman Gauer rechnen aus, wie viel Energie die Stadt verbraucht

Rund 1000 Kilowattstunden Strom verbraucht ein Mensch durchschnittlich im Jahr. Das soll in Kaiserslautern auf Sicht weniger werden. Strategien für eine Reduzierung sollen in einem Klimaschutzkonzept fixiert werden. ( Foto: VIEW)

Björn-Martin Kurzrock (links) und Tillman Gauer arbeiten im Fachbereich Bauingenieurwesen der TU. Sie feilen am Masterplan. ( Foto: VIEW)

620 Millionen und 1,8 Millionen. Zwei große Zahlen, die für sich genommen doch sehr abstrakt sind. Die beiden spiegeln zwei wichtige Pfeiler des Energieverbrauchs wider. 620 Millionen Kilowattstunden Strom wurden im Stadtgebiet Kaiserslautern 2014 verbraucht, 1,8 Millionen Kilowattstunden an Erdgas kommen noch mal obendrauf (2013).

 

Die Beträge für sich genommen klingen erst einmal gewaltig. Aber ist der Verbrauch auch hoch? Wird in Kaiserslautern verschwenderisch mit der Energie umgegangen? Eigentlich nicht. Der Verbrauch, den die Forscher zunächst geschätzt und mittels statistischen Werten berechnet haben, deckt sich mit den tatsächlichen Verbrauchsdaten, die bei den Versorgern abgefragt werden können, berichten Björn-Martin Kurzrock und Tillman Gauer von der Technischen Universität (TU). Kurzrock ist Professor für Immobilienökonomie und betreut das Projekt Masterplan wissenschaftlich, sein Mitarbeiter Gauer hat die Berechnungen angestellt und ausgewertet. Wie bereits berichtet, arbeitet die Stadtverwaltung zusammen mit Wissenschaftlern an einem weitreichenden Klimaschutzkonzept, dem „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“. Dieser soll im kommenden Jahr vom Stadtrat abgesegnet werden.

„Allgemein rechnet man etwa 1000 Kilowatt-Stunden pro Person und Jahr“, beschreibt Gauer Eckdaten, die beim Hochrechnen des Energieverbrauchs angelegt wurden. Im Fokus standen bei den Forschern zunächst die Werte für Strom und Gas, da Daten der gelieferten Produkte bei den Versorgern vorliegen. Ansonsten nahmen die Forscher die Gebäudetypologie der Stadt unter die Lupe und legten bei dem für die Industrie angenommenen Verbrauch durchschnittliche Verbrauch-pro-Mitarbeiter-Werte zugrunde. „Die Unternehmen können ihren Verbrauch auch anonym auf der Website klima-kl.de angeben“, sagt Kurzrock.

Die Verbrauchswerte für Strom und Gas – Heizöl und Biomasse zum Beispiel werden laut Gauer nicht erhoben und sind daher nicht zu klassifizieren – sind der Ausgangspunkt, an dem die Forscher den Hebel fürs Energiesparen ansetzen möchten. „Es ist eine Herausforderung“, sagt Kurzrock. Drei Sektoren haben die Forscher im Blick: bei den Gebäuden kann Energie eingespart werden, ebenso bei der Mobilität (Kurzrock: „Die E-Mobilität kommt“). Zudem soll bei der Bevölkerung das Bewusstsein für Energie geschärft werden. Kurzrock, 39 Jahre alt und seit 2008 in Kaiserslautern, ist beim Masterplan aus Überzeugung bei der Sache, unterstreicht bei dem Konzept auch den Nutzen für die Bevölkerung. „Viele Leute sollen von dem Masterplan was haben. Unterm Strich soll dadurch die Stadt schöner werden.“

Zurück zu den Zahlen vom Anfang. So richtig plastisch werden sie erst, wenn sie mit Beispielen verdeutlicht werden. Mit der Menge an Erdgas könnten rund 50.000 Einfamilienhäuser – erbaut in den 60er bis 80er Jahren – mit rund 150 Quadratmetern Wohnfläche beheizt werden. Sind die Häuser nach modernen Vorgaben in puncto Energie saniert oder gebaut, reicht das Gas sogar für 250.000 warme Einfamilienhäuser.

Der Kernreaktor in Philippsburg erzeugte im vergangenen Jahr rund 11 Milliarden Kilowattstunden Strom. In Kaiserslautern werden davon rund fünf Prozent – besagte 620 Millionen Kilowattstunden – verbraucht.

Info

—Am Donnerstag, 24 . November, findet von 16 bis 19 Uhr ein Workshop rund um den „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ an der TU statt. Angesprochen sind Industrie und Gewerbe. Anmeldungen per E-Mail an martina.adolph@ru.uni-kl.de.

—Alle Infos rund um den Masterplan sind im Internet unter klima-kl.de abrufbar.

 

|bld

Kaiserslautern-Ticker