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Dienstag, 29. Januar 2019 Drucken

Kaiserslautern

„Die Erinnerung wachhalten“

Zahlreiche Menschen nehmen an Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz teil

Von Joachim Schwitalla

Auch viele Schüler nehmen an der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialmus teil.

Auch viele Schüler nehmen an der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialmus teil. ( Foto: VIEW)

Als einen sehr wichtigen Tag zum Gewahrwerden und Innehalten hat Bürgermeisterin Beate Kimmel den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus bezeichnet. An den 27. Januar 1945, als die Soldaten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz befreiten, erinnerte die Gedenkfeier, zu der die Stadt Kaiserslautern gestern Nachmittag auf den Synagogenplatz eingeladen hatte.

Trotz Nieselregen und Schneetreiben hatten sich zahlreiche Bürger, darunter auch Jugendliche, vorm Synagogendenkmal versammelt, um gegen Antisemitismus und Faschismus, Hetze und Ausgrenzung einzutreten. „Wir gedenken heute den Jüdinnen und Juden aus ganz Europa, wir erinnern an die Sinti und Roma, an Behinderte, Homosexuelle, politische Verfolgte, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Wir gedenken den tapferen Widerstandskämpfern, denjenigen, die den Verfolgten beistanden und die ihre Taten mit dem Leben bezahlen mussten“, sagte Kimmel.

Mit Blick auf die Gegenwart sagte Kimmel, heute werde die Demokratie in Deutschland, in Europa, ja sogar weltweit auf die Probe gestellt. Populisten und Diktatoren, Radikalisierung und Hetze, Ausgrenzung und Rassismus griffen viel zu schnell um sich und gefährdeten den Frieden. „Wir alle können einen Beitrag dazu leisten, dass auch Kaiserslautern eine Stadt ist und bleibt, die sich gegen Hetze und Antisemitismus verwahrt und in der das Zusammenleben aller Nationen und Religionen gut funktioniert“, so die Bürgermeisterin. Es sei Aufgabe und Pflicht, die Erinnerung wachzuhalten. Christian Decker vom Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde sprach von einer Zeit des Schreckens und Grauens, die 1933 auch Kaiserslautern betroffen habe. Er erinnerte an die Sprengung der Synagoge, an die Pogromnacht, in der jüdische Geschäfte verwüstet und zerstört wurden, und an die folgenden Jahre, in denen jüdische Bürger aus Kaiserslautern in die Konzentrationslager nach Dachau und ins südfranzösische Gurs deportiert wurden.

Larissa Janzewitsch, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, fragte, wie es habe passieren können, dass im Zuge des Antisemitismus in Deutschland Millionen von Juden ermordet wurden. Dabei hätten die Juden die Kultur des Landes mitgeprägt. Die Anwesenheit vieler Schüler sei für sie ein positives Signal.

Dass seit einigen Jahren Schüler mit in die Gedenkfeier einbezogen werden, wertete Dekanin Dorothee Wüst als ein Zeichen für eine „wahrhaft lernende Gesellschaft“. „Nie wieder dürfen wir uns einreden lassen, dass manche Menschen weniger wert sind als andere“, appellierte Wüst. Schüler des Hohenstaufengymnasiums, der Berufsbildenden Schule I Technik, der Lina-Pfaff-Realschule plus und des Albert-Schweitzer-Gymnasiums hinterfragten und verurteilten die Gräueltaten des Naziregimes, wandten sich in ihren Beiträgen gegen Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung. Sie plädierten für eine offene, bunte und tolerante Gesellschaft.

Vor der Kranzniederlegung sprach Mikhail Kats von der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz ein Gebet. Musikalisch umrahmten Karl Graupeter, Winfried Mattern und Helmut Engelhardt, ein Saxofontrio der Emmerich-Smola-Musikschule, die Feier.

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