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Samstag, 01. Dezember 2018 Drucken

Kaiserslautern: Kultur Regional

Ausstellung für einen Abend

Die Künstlerinnen der Gruppe „mata+“ zeigen heute ihre Arbeiten mit Klangcollagen und Lyrik im ASZ

Von Isabelle Girard de Soucanton

Zusammen „mata+“: Elsa Vogt-Ramachers, Claudia Gross, Heather McCaw Kerley und Angie Horlemann (von links), an der Wand Arbeiten von Vogt-Ramachers, Horlemann, Gross und auf dem Wäscheständer von McCaw Kerley.

Zusammen „mata+“: Elsa Vogt-Ramachers, Claudia Gross, Heather McCaw Kerley und Angie Horlemann (von links), an der Wand Arbeiten von Vogt-Ramachers, Horlemann, Gross und auf dem Wäscheständer von McCaw Kerley. ( Foto: Girard)

„mata+“ beginnt sich einen Namen zu machen. Stellte die Künstlerinnengruppe erstmals im März im Unterhammer aus, so präsentiert sie am Samstag, ab 18.30 Uhr, in der Stadtteilwerkstatt Kunst mit Klangcollagen und Lyrik. Allerdings nur einen Abend lang unter dem geräuschvoll-dadaistisch-knappen Titel „Schsch“. Dada? Näheres dazu erläuterten die Künstlerinnen in einem RHEINPFALZ-Gespräch.

Treffpunkt ist die Stadtteilwerkstadt auf dem ASZ-Gelände. Dort gestalten Claudia Gross, Angie Horlemann, Heather McCaw Kerley und Elsa Vogt-Ramachers fix eine temporäre Werkcollage und dokumentieren eindrucksvoll vier unterschiedliche Handschriften, trotz gemeinsamer Impulse durch Kurt Schwitters Ursonate (1932).

Dieses Gedicht aus Urlauten respektive diese Hörerfahrung ist sozusagen der gemeinsame Nenner zum Titel „Schsch“. Er beeinflusste Pinselführung, Schriftzüge, Farbwahl, Drucktechniken oder Papiercollagen ebenso wie die Lyrik von Alke Stachler und die Klangcollagen von Paul Bright bis hin zur knappen Formel: vom Klang zum Bild, vom Text zum Klang, ohne sich im radikalen Sinn als dadaistisch-provokante Freigeister zu bezeichnen. Vogt-Ramachers formuliert es so: expressiver Klang sinnfreien Artikulierens oder Musizierens hätten es nicht schwer ihre Seele zu treffen, denn sie weckten in ihr heitere und ernste Bilder wie etwa ein surreales Nirgendwo oder hektischen Großstadtlärm. Die bildnerischen Resultate sind durchdrungen von Assoziationen und überraschen als Weiterentwicklung früherer Werke.

Dieses „Sich-Selbst-Entdecken“ ist auch den anderen bekannt. „Die Moderne ist ohne den Einfluss des Dadaismus nicht denkbar, egal welche Kunstrichtung“, ergänzt Gross. Und doch verlässt sie demonstrativ dadaistische Reduktion in ihrer Arbeit „We have to get together before we fall apart“ mit Spitzenbordüren auf Nähten, die Fotostoffdrucke ähnlich englischen Quilts ordnen. Mit Tissagen (Webstoffen) und Adbusting, einer Straßenkunst mit kreativer Kritik an Konsumgesellschaft und Kapitalismus, vertritt sie jedoch ähnlich unsinnig-sinnige sozialpolitische Standpunkte wie es die Dada-Strömung für sich beansprucht. Politisch denkt auch Heather McCaw Kerley. Zum Verlangsamen des täglichen Nachrichtenwusts stickt die Amerikanerin ihre konzeptionell-politische Kunst. Zu sehen sind Kombinationen „zerrissener“ Restbilder und -begriffe. Damit bittet sie die Gäste, „diese Stücke außerhalb der Medien in neuen Kontexten zu betrachten“. Angie Horlemann beschreibt ihre Arbeitsweise zu Schwitters Ursonate als zur Ruhe kommen: etwa wenn Lärm Stille zum Schwingen bringt oder wenn sich das Spiel zwischen Ruhe und Bewegung im Bild manifestiert.

Was letztlich von den vier bildenden Künstlerinnen tatsächlich visualisiert wurde, macht die von Schwitters Ursonate beeinflusste „Schsch“-Ausstellung aus. Worte dazu kommen von der Literatin Alke Stachler. Ganz ohne Bilder, ohne Worte lässt Paul Bright unter dem leicht ironischen Titel „Drei Klang Bagatellen“ sprechen.

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