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Donnerstag, 28. Februar 2019 Drucken

Kaiserslautern

Am Ende steht der Zukunftscheck

Stadt will erfahren, was den Bürgern wichtig ist

Von Benjamin Ginkel

Wo müssen die Prioritäten bei der Digitalisierung in Kaiserslautern liegen? Welche Projekte sind sinnvoll? Das will die Stadt unter Federführung von Chief Urban Officer Gerhard Steinebach wissen – mit dem „Dialog Zivilgesellschaft“. Ein Ergebnis soll der „herzlich digitale Zukunftscheck“ werden.

„Als digitale Stadt setzen wir in Kaiserslautern viele technische Projekte um, jetzt wollen wir fragen, was diese für die Menschen bedeuten“, erläutert Steinebach die Grundidee für den „Dialog Zivilgesellschaft“. Dass der sozial-digitale Grundgedanke in Kaiserslautern von Anfang an ernstgenommen werde, zeige das Motto „Unser Lautern – herzlich digital“. Den Professor für Raum- und Umweltplanung interessiert außerdem die Frage, wie sich die Stadt Kaiserslautern im digitalen Wandel entwickelt. „Was bedeuten beispielsweise teilautonomes oder autonomes Fahren für die Stadt, für die Parkplatzsituation? Oder wie werden sich veränderte Arbeitsbedingungen auf die Stadt auswirken, wenn in Co-Working-Spaces oder mit dem Laptop im Café gearbeitet wird?“ Kurz gefasst: „Wie werden sich Wohn-, Arbeits- und Bewegungsraum verändern?“

„Wir machen keine großangelegten Bevölkerungsumfragen“, schränkt Steinebach ein, stattdessen schaue man sich gezielt bestimmte Zielgruppen an. Er erklärt: „Wir haben die Möglichkeit, mit Daten festzustellen, wo in der Stadt Menschen wohnen, die sich für die Digitalisierung interessieren – oder die kein Interesse daran haben.“ Je nachdem, spreche man die Leute auf verschiedenen Wegen an, sagt Steinebach: „Das kann eine Postwurfsendung sein, eine kurze Umfrage oder eine Diskussionsrunde oder Veranstaltungen mit interaktiven Elementen. Das wird momentan ausgearbeitet.“

Die Gruppen, Steinebach spricht von Milieus, werden mit verschiedene Zukunftsszenarien konfrontiert. Ganz offen, also ohne thematische Eingrenzung und roten Faden, über die Zukunft sprechen, sei nicht zielführend. „Deswegen trifft sich eine Gruppe von Experten aus verschiedenen Themenbereichen, um positive und negative Veränderungen durch die Digitalisierung zu sammeln.“ Auf dieser Basis, begleitet durch ein Planungsbüro, werden die Zukunftsszenarien erstellt. Jeweils mit mehreren Zeithorizonten: für die nahe Zukunft, mittelfristig und langfristig bis ins Jahr 2060.

Als Ergebnis dieser Arbeit sollen Erkenntnisse gewonnen werden, wie bestimmte Digitalisierungsmaßnahmen die Bevölkerung oder Unternehmen in Zukunft betreffen. Steinebach: „Aus den gesammelten Erfahrungen wollen wir eine Art herzlich digitalen Zukunftscheck erarbeiten, der bei neuen Projekten angelegt wird. Das hilft bei der Priorisierung der Themen, und es zeigt uns, was im Sinne der herzlich digitalen Stadt ist.“

Zunächst läuft der „Dialog Zivilgesellschaft“ bis Anfang 2020, der Folgeantrag sei gestellt: „Der Digitalisierungsprozess muss ja weiter begleitet werden, das ist in einem Jahr nicht erledigt“, sagt Steinebach, „außerdem ändert sich vieles so schnell, dass Ergebnisse schon in wenigen Jahren überholt sein können“. Finanziert wird der „Dialog Zivilgesellschaft“ vom Land Rheinland-Pfalz. Eine Vorgabe sei, dass Erkenntnisse aus Kaiserslautern auf andere Kommunen übertragbar sein sollen. „Wir bereiten den Dialog Zivilgesellschaft modellhaft auf“, sagt Steinebach.

Bis Mai werden die Experten und das Planungsbüro die Szenarien zusammenstellen und grafisch aufbereiten, ab Frühsommer geht’s in die Bürgerbeteiligung. Ergebnisse sollen Ende 2019 vorliegen.

Kaiserslautern-Ticker