Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Donnerstag, 21. Februar 2019 Drucken

Kaiserslautern

Alarmpiepsen begleitet durch die Nacht

24 Stunden im Klinikum: Von 3 bis 4 Uhr mit Christian Gersch auf der Intensivstation

von Sara Brunn

Versuchen, Risiken oder Verschlechterungen möglichst früh zu erkennen: Christian Gersch (links), Facharzt für Anästhesiologie, und Pfleger Fernando Rondon Romero überprüfen die Medikamentengabe.

Versuchen, Risiken oder Verschlechterungen möglichst früh zu erkennen: Christian Gersch (links), Facharzt für Anästhesiologie, und Pfleger Fernando Rondon Romero überprüfen die Medikamentengabe. ( Foto: Westpfalz-Klinikum/frei)

Freitagmorgen, 3.06 Uhr. Leere Wege hinauf auf Station 6/3. Die Intensivstation besucht um diese Zeit für gewöhnlich kein Angehöriger. Doch die Ruhe täuscht: Hinter den Türen haben Krankenschwester Dorothea Rudolph und Christian Gersch, Facharzt für Anästhesiologie, zusammen mit ihren Kollegen genügend zu tun.

An den verschlossenen Türen weist ein Schild darauf hin, sich zum eigenen Schutz und dem der Patienten die Hände zu desinfizieren. Wer auf die Station möchte, muss klingeln. Dämmerlicht erleuchtet die Flure nur spärlich, im Arztzimmer brennt als einziges noch Licht. „Wir sind um diese Zeit oft mit Vorbereitungs- und Nachbereitungsaufgaben beschäftigt“, erzählt Gersch. Seine Schicht hat um 22 Uhr begonnen, bis zum nächsten Morgen um 8.45 Uhr ist er an diesem Tag gemeinsam mit Yuliana Seiferth, Fachärztin für Anästhesiologie, für 14 Patienten zuständig. Damit ist die Maximalbelegung in den Zwei-Bett-Zimmern und zwei Einzel-Isolations-Zimmern erreicht. Davon, dass hier wenige Stunden zuvor Alarme in mehreren Zimmern gleichzeitig piepsten, wie Rudolph erwähnt, ist nun nichts mehr zu spüren. „So ist es hier, es kann von einer Sekunde auf die nächste alles anders sein“, sagt sie.

Zu den von Gersch erwähnten Tätigkeiten in der Nacht gehört das Sichten von Befunden, die am Vortag erhoben wurden. „Wir schauen, ob wir daraus schon etwas ableiten können für den nächsten Tag“, erklärt er. Dafür schauen sich die beiden diensthabenden Ärzte verschiedene Messwerte und medizinische Parameter an. „Außerdem schreiben wir Zusammenfassungen, was wir mit dem Patienten gemacht haben. Die werden dann in der Patientenakte hinterlegt.“ Je nach Zustand des einzelnen Patienten seien mehrere Kontrollgänge notwendig. „Wir versuchen Risiken oder eine Verschlechterung möglichst frühzeitig zu erkennen“, sagt Gersch.

Die fünf Pflegekräfte gehen von Zimmer zu Zimmer, prüfen die Medikamentengabe oder lagern die Patienten in ihren Betten um. An der Zentrale bleiben ihre Stühle die meiste Zeit leer. Auf zwei Bildschirmen können sie dort die Herzfrequenzen und weitere Vitalwerte der Patienten beobachten. An unterschiedlichen Alarmen ist zu hören, wenn beispielsweise die Sauerstoffsättigung bei beatmeten Patienten fällt oder der Herzschlag unregelmäßig wird. Die meisten der behandelten Menschen auf dieser Intensivstation sind in ein künstliches Koma versetzt, um ihnen Ruhe zu geben und Schmerzen ausblenden zu können. Die Ärzte sprechen von Analgosedierung. Als Analgetikum wird ein Schmerzmittel bezeichnet.

Für Gersch sind die Apparaturen, die vielen Monitore auf der Station eine „doppelte Absicherung“. Aufregung oder gar Stress empfindet hier ob des fast minütlich auslösenden Alarmfiepens keiner, sagt er. „Unser Ziel ist es, viele sehr schwere Krankheitsbilder in Routinen zu bringen, um sie optimal behandeln zu können.“ So sei das Team auf mögliche Notfallsituationen vorbereitet und könne ruhig handeln. „Den Angehörigen versuchen wir aber auch viel zu erklären, zum Beispiel was das Blinken auf einem Monitor bedeutet. Für sie ist das eine nicht so einfache Situation“, berichtet Seiferth.

„Wir sind eine interdisziplinäre Intensivstation, das heißt, dass wir aus allen anderen Abteilungen Patienten bekommen“, erläutert Gersch. Jährlich sind es etwa 650 Patienten, die von etwa 50 Mitarbeitern versorgt werden. Die Patienten sind an verschiedene Maschinen, wie Beatmungsgeräte, angeschlossen. Über Zugänge in den Venen werden sie mit Medikamenten versorgt.

Es sind Menschen, die beispielsweise nach schweren Operationen, nach einer Hirnblutung infolge eines Aneurysmas oder bei bestehenden Risikofaktoren nach Eingriffen intensiv betreut werden müssen. Schlaganfallpatienten werden beispielsweise nicht auf Station 6/3 betreut, erklärt Gersch. Ausnahme ist, wenn ein solcher dazu geführt hat, dass der Betroffene zum Beispiel nicht mehr selbstständig atmen kann.

Ansonsten werden die Ärzte und Pflegekräfte auch immer dann aktiv, wenn auf einer anderen Station ein Notfall eintritt oder Beratungsbedarf besteht, um eine Notsituation noch abwenden zu können. Für diese Fälle liegen am Eingang der Station mehrere Notfallrucksäcke bereit.

Kurz nach 4 Uhr. Seiferth studiert an ihrem PC-Monitor die Patientenwerte, Rudolph betritt das nächste Patientenzimmer, in dem gerade wieder der Alarmton zu hören ist. Ansonsten bleibt es an diesem Morgen vorerst ruhig.

Kaiserslautern-Ticker