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Montag, 09. November 2015 Drucken

Kaiserslautern: Kultur Regional

Akkorde im Traumland

„Konzertlesung“ in der Lauterer Stiftskirche

Von Reiner Henn

 

Gemeinsam in der Stiftskirche zu Gast: Harfenistin Bettina Linck und Autor Georg Magirius. ( Foto: Girard)

Das Idealbild einer Harfenistin, wie man es sich so macht: eine Musikerin, die sich mit langen Haaren, engelhafter Erscheinung in spielerischer Anmut präsentiert. Am Freitag nahm dieses Bild bei der „Konzertlesung“ mit Bettina Linck in der Kaiserslauterer Stiftskirche Gestalt an. Unter dem Titel „Sein wie die Träumenden“ war sie mit Schriftsteller Georg Magirius dort zu Gast.

 

An der von der Citykirche wiederholt veranstalteten und bewährten interdisziplinären Kombination aus Lesung und Musik fasziniert, dass einerseits die Tonkunst die literarischen Stimmungsbilder atmosphärisch spürbar ausdeutet. Andererseits kann Musik aber auch dem Unaussprechlichen, nicht Fassbaren Ausdruck verleihen, kann so die Seele zum Schwingen bringen. Rilke verstand sie als eine Sprache des Alls, womit der Bezug zu den ins Transzendente weisenden Texten von Georg Magirius, evangelischer Theologe und freier Schriftsteller aus Frankfurt am Main, hergestellt ist. Seine stets aktuelle und das Menschsein berührende Thematik war die Frage nach Auferstehung und neuem Leben. Dabei betrat er mit seiner Textrezitation das Grenzland zwischen Tod und Leben, verlegte dazu die Botschaft der Bibel in die Gegenwart. Seine Erzählungen stammten aus seinem Buch „Sein wie die Träumenden.“

Dabei versteht sich der Theologe nicht als ein Prediger, der mit erhobenem Zeigefinger rhetorisch eindringlich von der Kanzel deklamiert. Vielmehr räsonierte, philosophierte und spekulierte er im gemütlichen Plauderton in ideenreichen Gedankenspielen und entführte ins visionäre Traumland. Mit einschmeichelnder Stimme und zur atmosphärisch wirkungsvollen, gedämpften Beleuchtung der Apsis des Chorraums passend: fast so etwas wie Kontemplation und Meditation, was mit ein Schwerpunkt der Citykirchen-Arbeit Pfarrer Stefan Bergmanns bildet.

Damit harmonierte das Harfenspiel der ebenfalls aus Frankfurt kommenden Interpretin bestens. Die programmdramaturgische Konzeption beinhaltete zum einen die als Zwischenspiel eingestreuten Klangbeispiele, die in Kolorit, Stilistik und Melodik mit den Texten korrespondierten. Bettina Linck nutzte zum anderen aber auch ausgewählte kurze Passagen aus Harfenkompositionen oder Bearbeitungen, um unmittelbar auf die empathischen Textstellen Bezug zu nehmen. Die beim Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks wirkende Harfenistin gestaltete Kompositionen von Johann Sebastian Bach, André Caplet, Michail Glinka oder Alphonse Hasselmans (um nur einige zu nennen) und bezauberte am meisten, wenn arpeggierende Akkordkaskaden und glitzernde Figurationen in gleichsam perlender Geläufigkeit dahinströmten. Kristallene Klarheit bei organisch fließenden Tempi bestätigten die hohe Meisterschaft ihres bis ins kleinste motivische Detail überzeugenden Vortrags.

Die Interpretationen zeichneten sich durch filigrane, fein gesponnene melodische Fäden in bestechender Präzision und perfektionierter Griffsicherheit aus. Dabei nahm ihre spielerische Brillanz gefangen.

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