Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Montag, 12. November 2018 Drucken

Kreis Kaiserslautern

100 Jahre Frauenwahlrecht: Was bedeutet das für die Frauen von heute?

Von Gaby Böhmer

Das Frauenwahlrecht war hart erkämpft: Unser Foto von 1912 zeigt Vertreterinnen der Suffragettenbewegung, die für das damals noch den Männern vorbehaltene Stimmrecht demonstrierten. Es dauerte aber noch sechs Jahre, bis das Wahlrecht für Frauen am 12. November 1918 proklamiert wurde.

Das Frauenwahlrecht war hart erkämpft: Unser Foto von 1912 zeigt Vertreterinnen der Suffragettenbewegung, die für das damals noch den Männern vorbehaltene Stimmrecht demonstrierten. Es dauerte aber noch sechs Jahre, bis das Wahlrecht für Frauen am 12. November 1918 proklamiert wurde. ( Foto: Archiv der Deutschen Frauenbewegung)

Sinika Walter-Haselbauer

Sinika Walter-Haselbauer (Archivfoto: Kries)

Andrea Meiswinkel

Andrea Meiswinkel (Archivfoto: View)

Michelle Wiggers

Michelle Wiggers (Archivfoto: View)

Ulrike Ebert-Wenski

Ulrike Ebert-Wenski (Foto: Böhmer)

Bärbel Holzmann

Bärbel Holzmann

Am 12. November jährt sich die Proklamation der großen Wahlrechtsreform 1918, die auch das aktive und passive Wahlrecht für Frauen enthielt. 100 Jahre später sind Frauen in politischen Gremien noch immer unterrepräsentiert. Die RHEINPFALZ wollte wissen, wie Frauen verschiedener Berufsgruppen heute auf das Jubiläum des Wahlrechts schauen und welche Bedeutung es für sie hat.

„Ich finde es traurig, dass es erst 100 Jahre sind!“, sagt Andrea Meiswinkel, Schulleiterin des Sickingen-Gymnasiums in Landstuhl, und fügt an: „Gut, dass wir so weit gekommen sind. Mit Sicherheit hapert es aber noch an vielen Stellen mit der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau.“ Sie gehe „natürlich“ regelmäßig wählen, habe sich aber bisher selbst noch keiner Wahl gestellt.

Auf die Frage, ob mehr Frauen in die Politik gehörten, lehnt Meiswinkel Quoten ab. „Die Frauen, die das machen möchten, haben bei uns die Chancen dazu“, findet sie und nennt als ein lokales Beispiel die Erste Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt (CDU) aus Enkenbach-Alsenborn. Ihr Eindruck generell: „Ich fühle mich nicht schlecht vertreten.“ Andrea Meiswinkel kann sich übrigens nach vielen Jahren der Kanzlerschaft von Angela Merkel auch wieder einen Mann als Bundeskanzler vorstellen.

Die Leiterin des Mackenbacher Musikantenmuseum, Bärbel Holzmann, meint zu der Geburtsstunde des Frauenwahlrechts: „Es ist mir bewusst, dass es noch nicht so lange her ist, dass Frauen diese Rechte gekriegt haben. Natürlich bedeutet es mir etwas. Heute ist es eine Selbstverständlichkeit, was es früher nicht war. Ich denke mit Schrecken an die Länder, in denen es heute noch so ist, dass Frauen nicht die gleichen Rechte haben wie Männer.“ Sie selbst sitze für die SPD im Gemeinderat Mackenbach, ein Amt, das ihr Freude bereite. „Wobei für mich nicht so wichtig ist, für welche Partei ich im kommunalen Bereich stehe.“

Gehören mehr Frauen in die Politik? Darauf antwortet Holzmann: „Emanzipation ist dann erreicht, wenn dies kein Thema mehr ist.“ Für eine Quote ist sie nicht: „Ich möchte nicht in ein Gremium kommen, nur weil ich eine Frau bin, sondern weil ich Qualitäten mitbringe und mich einsetzen will.“ Das Geschlecht stehe da für sie an zweiter Stelle. Doch auf die Mischung komme es an: „Männer und Frauen haben oft andere Vorgehensweisen oder eine andere Art, zu handeln. Darum schadet es natürlich nicht, wenn man in einem gemischten Gremium voneinander profitieren kann.“

Die 23-jährige Michelle Wiggers ist amtierende Beerenweinkönigin von Eulenbis und arbeitet als Heilerziehungspflegerin bei der Lebenshilfe. „Dass es jetzt 100 Jahre sind, wusste ich nicht“, gibt sie, auf das Jubiläum angesprochen, zu. Das Wahlrecht sei ein Teil der Gleichberechtigung und damit ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Sie selbst gehe wählen, sei aber nicht politisch aktiv, sagt Wiggers und fügt an: „Natürlich könnte es mehr Frauen in der Politik geben. Traurig wäre es, wenn Männer einen Vorteil hätten, weil sie Männer sind.“

Würde sich durch mehr Frauen in der Politik manches ändern? „Nein, wir haben ja an höchster Stelle der Macht eine Frau“, erinnert die Beerenweinkönigin an Kanzlerin Angela Merkel. Kann sich die 23-Jährige, was Merkels Nachfolge angeht, einen Mann vorstellen: „Definitiv ja!“, sagt Wiggers. „Wenn eine Frau zur Wahl stünde, die das vertreten würde, was ich mir wünsche, kann ich mir auch wieder eine Frau vorstellen. Das Geschlecht ist mir nicht wichtig. Entscheidend ist, wofür jemand steht.“

Sinika Walter-Haselbauer ist Präsidentin des Unterhaltungsvereins Bruchmühlbach (UVB). Ist ihr das Jubiläum bekannt? „Nein, das höre ich zum ersten Mal“, sagt sie, betont aber zugleich: „Ich finde es schon wichtig für die Gleichstellung. Ich gehe wählen, weil ich selbst auch politisch tätig bin.“ Als Parteilose sitze sie derzeit im Ortsgemeinderat Bruchmühlbach-Miesau und war vorher auch auf der Liste der SPD im Verbandsgemeinderat.

Gehören mehr Frauen in die Politik? „Ja. Ich kämpfe sowieso dafür, dass mehr Frauen an die Macht kommen, weil ich überzeugte Regentin bin. Auch beim UVB bin ich in den 120 Jahren seines Bestehens die erste Frau, die regiert.“ Die ältere Generation komme nicht immer so gut damit klar, „aber da kämpfe ich mich durch“. Auch in der Politik der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach rückten die Frauen nach. „Das finde ich wichtig! Zu der Zeit meines Opas, der auch im VG-Rat saß, war es noch undenkbar, dass Frauen überhaupt hinter dem Herd herauskommen, geschweige denn irgendwelche Ämter übernehmen“, weist Sinika Walter-Haselbauer auf die bereits erzielten Fortschritte hin.

Ulrike Ebert-Wenski aus Neuhemsbach ist Sozialarbeiterin bei der Caritas in Kaiserslautern. Das Jubiläum sei ihr sehr präsent, weil die Caritas am morgigen Dienstag mit dem Chawwerusch-Theater das Stück „Kleine Frau – was nun?“ im Edith-Stein-Haus in Kaiserslautern aufführt. Da gehe es genau um das Thema Übergang zum Frauenwahlrecht. „Von der Veranstaltung abgesehen ist mir der Jahrestag natürlich auch aus allgemeinem Interesse an Politik und von der Aktualität des Datums her ein Begriff.“

Viele Frauen sähen das Frauenwahlrecht mittlerweile als selbstverständlich an und wunderten sich: „Wie? Das gibt es erst seit 100 Jahren?“, weiß Ulrike Ebert-Wenski und betont: „Dieses Recht ist eine elementare Sache. Gerade bei Wahlmüdigkeit sollte es einem immer bewusst sein, welchen Luxus wir haben, mitbestimmen zu dürfen, auch wenn es erstmal nur um dieses Kreuzchen geht.“ Sie beteilige sich „selbstverständlich“ an jeder Wahl. Für politische Ämter habe sie keine Ambitionen. „Aber ich finde, zur Demokratie gehört mehr, als nur das Kreuzchen machen. Jeder und jede sollte durch persönliches Engagement in Gesellschaft und Beruf seinen Teil dazu beitragen.“

Gehören mehr Frauen in die Politik? „Das ist natürlich auch immer die Frage nach der Quote. So etwas hilft, die Schwelle herabzusetzen und Gremien zu verpflichten, gerade auch für Führungspositionen überhaupt nach Frauen zu gucken.“ Eine Quotenregelung findet Ebert-Wenski „auf jeden Fall gut“. Frauen müssten auch mehr ermutigt werden, sich in verantwortungsvollen Positionen zu engagieren. „Die Kategorien Mann/Frau sind ja schon falsch. Was ist weiblich, was ist männlich? Die Stereotypen stimmen so ja nicht. Faktoren wie Kultur, Sozialisation und Erziehung spielen eine wichtige Rolle. Ein bestimmtes Verhalten ist uns ja nicht angeboren. Alles andere ist Quatsch und deswegen ist die Frage hinfällig.“

Ist nach Merkel wieder ein Mann als Kanzler vorstellbar? „Witzigerweise bin ich von der RHEINPFALZ, als Merkel frisch im Amt war, bei einer Straßenumfrage gefragt worden, was ich davon halten würde, dass eine Frau Bundeskanzlerin ist“, erinnert sich Ebert-Wenski. „Meine Antwort damals war, dass sie natürlich irgendwo Quote war: zum Beispiel Frau und aus dem Osten.“ Aber ausschlaggebend seien die Werte und politischen Einstellungen, die jemand vertrete, und nicht das Mann- oder Frau-Sein. „Danach ist für mich jemand wählbar oder nicht. Auch Alice Weidel von der AfD ist eine Frau. Die würde ich nie wählen. Die Inhalte sind entscheidend und nicht das Geschlecht.“

 
Info

Die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Kaiserslautern laden am heutigen Montag anlässlich des Jubiläums um 19.30 Uhr zur Vorführung des Films „Die göttliche Ordnung“ ins Provinzkino Enkenbach-Alsenborn, Bahnhofstraße 3 , ein.

Kaiserslautern-Ticker