Stadt Land Unfug RHEINPFALZ Plus Artikel Zwischen Hunger und Bescheidenheit

Unsere Autorin hasst es, zum Essen eingeladen zu werden.
Unsere Autorin hasst es, zum Essen eingeladen zu werden.

Wenn andere Menschen zum Essen einladen, ist das für viele ein Grund zur Freude. Unsere Autorin sieht das anders – sie hatte eine tragische Erfahrung im Restaurant.

Kürzlich war ich mit Freunden zum Abendessen im Restaurant verabredet. Den ganzen Tag über hielt ich mich mit dem Essen zurück, knabberte höchstens hier und da mal an einem Apfel und studierte schon mal die Speisekarte. Zwischen Terminen, Texten und Konferenzen schweiften meine Gedanken ab zu all den Köstlichkeiten, die am Abend auf meinem Teller landen sollten. Während mein Magen immer lauter knurrte, flogen vor meinem geistigen Auge Oliven, Bruschetta, Pizzas, Nudeln, Salate und Tiramisu vorbei. Am späten Nachmittag war ich vor lauter Hunger bereits so geschwächt, dass ich kaum noch den Stift halten konnte. Mit letzter Kraft schleppte ich mich aus der Grünstadter Lokalredaktion und lief zum Restaurant, wo meine Freunde bereits auf mich warteten. Inzwischen war ich so stark unterzuckert, dass ich zitterte wie Espenlaub. Sie kennen das vielleicht auch: Hypoglykämie nennt sich das. Ich wollte gerade beim Kellner drei Vorspeisen, zwei Hauptgerichte, mehrere Getränke und zur Sicherheit schon mal diverse Desserts bestellen, als der Satz kam, den ich fürchte wie der Teufel das Weihwasser: „Wir laden dich heute ein.“

Schlagartig zerplatzten all meine kulinarischen Träume. Die Stimme meiner Mutter ertönte in meinem Kopf und ermahnte mich zur Bescheidenheit. Zähneknirschend bestellte ich ein kleines Wasser und eine kleine Pizza, die ich mit einem gespielten Lächeln verzehrte. Doch innerlich weinte ich. Nach dem Essen knurrte mein Magen noch immer. Ich hoffte, es würde ein Dessert geben. Doch auf die entsprechende Frage des Kellners antworteten meine Freunde mit einem freundlichen: „Nein danke, die Rechnung, bitte.“ In Gedanken warf ich wütend das Geschirr an die Wand. In der Realität bedankte ich mich artig und fuhr zum nächsten Schnellimbiss, wo ich mich bis zur Besinnungslosigkeit mit Fast Food vollstopfte. Doch immerhin habe ich Lehren aus diesem Drama gezogen: Vor Restaurantbesuchen esse ich mich zukünftig erst mal satt.

x