Ramsen RHEINPFALZ Plus Artikel Zoff in Ramsen: Gemeinde verweigert Seniorin Grabverkleinerung

Dieses Doppelgrab auf dem Ramser Friedhof möchte Hildegard Stark in ein Einzelgrab umwandeln lassen.
Dieses Doppelgrab auf dem Ramser Friedhof möchte Hildegard Stark in ein Einzelgrab umwandeln lassen.

Wenn die Pflege großer Gräber zur Last wird, möchte mancher die Ruhestätte verkleinern. So auch eine Ramserin. Doch die Umsetzung stößt auf unüberwindbare Hindernisse.

Hildegard Stark ist sauer. Auf den Ramser Gemeinderat, vor allem aber auf den Ortsbürgermeister. Der habe ihr nämlich Versprechungen gemacht und diese nicht gehalten. Sagt sie. Er sagt nichts, ist weder für sie noch für die RHEINPFALZ zu sprechen. Worum geht es? Die Rentnerin pflegt seit langer Zeit das Familiengrab auf dem örtlichen Friedhof, in dem ihre Eltern, ihr Bruder und ihr Ehemann bestattet sind. Sich um die Pflanzen zu kümmern, Laub und Unkraut zu entfernen, fällt Stark, die im Mai 80 Jahre alt wird, immer schwerer.

Außerdem möchte sie diese Arbeit nicht ihren Kindern aufs Auge drücken, zumal die nicht gerade um die Ecke wohnen. Deshalb würde sie gern eine große Steinplatte aufs Grab legen lassen. Die wäre allerdings bei den Maßen der Begräbnisstätte von mehr als vier Quadratmetern recht teuer. Insofern bittet Stark seit Monaten darum, aus dem Doppel- ein Einzelgrab machen zu dürfen. „Im Dezember saß Arnold Ruster bei mir daheim und hat zu meinem Anliegen gesagt: ,Alles kein Problem“, erzählt Stark von einem persönlichen Gespräch mit dem Ortschef.

VG hätte nichts gegen die Umwandlung

Ende Januar schrieb die Friseurin, die früher einen eigenen Salon in Ramsen hatte, einen Brief an Bernd Frey (SPD), den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Eisenberg. „Am Rosenmontag rief er mich an und sagte, dass von VG-Seite nichts gegen die Umgestaltung spräche“, so Stark. Er habe ihr aber den Ratschlag gegeben, sich an Arnold Ruster (FWG) zu wenden. „Das hatte ich doch schon im Dezember getan“, erklärt die 79-Jährige. Nun schien nach ihrer Interpretation der Aussagen der beiden Bürgermeister ihrem Vorhaben nichts mehr im Weg zu stehen.

Umso größer war die Enttäuschung, als der Gemeinderat sich Starks Begehren entgegenstellte. Während die Christdemokraten nichts gegen die Umwandlung in ein Einzelgrab gehabt hätten, stimmten die FWG- und die SPD-Fraktionen mit Nein. Somit war der Antrag von Hildegard Stark mit großer Mehrheit abgelehnt. Was die Seniorin besonders ärgert: Ruster habe in der Sitzung nicht einmal die gegenüber ihr im Dezember geäußerte Ansicht zu dem Sachverhalt vertreten. Das hält sie ihm auch in einem an ihn adressierten Schreiben vom 8. Februar vor: „Leider haben Sie die Zusage für ein Einzelgrab in der Gemeinderatssitzung nicht gegeben. Warum weiß ich nicht.“

Keine Stellungnahme vom Ortsbürgermeister

Die Erklärung für sein Verhalten ist der Ortschef ihr bis heute schuldig geblieben – obwohl Stark explizit darum gebeten hatte. Auch die RHEINPFALZ erhält keine Stellungnahme von ihm. Die 79-Jährige betont: „Politik hat etwas mit Vertrauen zu tun.“ Amtsinhaber müssten zu ihrem einmal gegebenen Wort stehen. „Die brauchen sich alle nicht zu wundern, dass so viel AfD gewählt wird“, schimpft sie. Das Argument, mit dem die Ablehnung in öffentlicher Beratung begründet wurde, ist die Sorge vor „Unordnung“ auf dem Friedhof. Wer sich aber auf dem Gottesacker umschaut, stellt fest, dass das Gesamtbild bereits nicht ordentlich aussieht. Es gibt viele Lücken und schiefe Einfassungen, manche Reihen weisen ein regelrechtes Durcheinander von Doppel- und Einzelgräbern auf.

„Man hat mir gesagt, dass mein Familiengrab aber in einem Bereich liege, in dem ausschließlich so große Begräbnisstätten zulässig seien“, so Stark. Sie kann jedoch nicht verstehen, weshalb in der ersten Reihe, wo ausnahmslos Doppelgräber existierten, einer Hinterbliebenen 2024 gestattet worden sei, ihr Familiengrab in ein Einzelgrab zu verwandeln. Stark spricht von „Willkür“. Bernd Frey sagt dazu auf Anfrage: Das verkleinerte Grab befinde sich auf einem Feld, in dem neben Doppel- auch Einzelgräber zugelassen seien. Auch wenn Stark ihn um Hilfe gebeten habe, er könne nichts tun. Die VG Eisenberg sei lediglich die Verwaltung der Ortsgemeinden und müsse die Beschlüsse von deren Gremien umsetzen.

Auf dem Ramser Friedhof sind überall Lücken zwischen den großen und kleinen Gräbern.
Auf dem Ramser Friedhof sind überall Lücken zwischen den großen und kleinen Gräbern.
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