Grünstadt „Wir sind jedem dankbar, der was schickt“
Die mehrstündige TV-Dokumentation „Asternweg – ein Jahr danach“ des Senders Vox wurde am vergangenen Samstag wiederholt. Damit ist die Situation der Bewohner des sozialen Brennpunkts nochmals ins Gedächtnis der Bevölkerung gerückt, und das bundesweit. Die RHEINPFALZ hat in der Kneipe „Zum Ilse“ vorbeigeschaut, wo wieder vermehrt Spenden eingehen und das Telefon kaum still steht.
„Stuttgart, München, Duisburg, Zürich.“ Ilse Menke wird gar nicht mehr fertig beim Aufzählen der Kontakte, die sie seit der Wiederholung der TV-Dokumentation am vergangenen Samstag hatte. „Bereits Samstagnacht ging es los“, ergänzt ihr Mann Ernst. Er sei zwar vorgewarnt gewesen, dass die Doku nochmal wiederholt wird, vorbereitet sei er aber nicht gewesen. Biepbiep. Abermals piepst es in Menkes Hosentasche. Eine weitere Nachricht geht ein. „Wir sind jedem dankbar, der was schickt“, sagt Ilse Menke. Im Eingangsbereich ihrer Kneipe im Asternweg stehen schon wieder Kisten mit Spielzeug, noch haben sie und ihre Familie noch nicht alles sondiert. Und es reißt nicht ab. Da sind die Gäste aus Halle und Osnabrück, Handwerker und Fernfahrer, die durch die Doku im Fernsehen auf den Asternweg aufmerksam geworden sind. „Ich schick’ euch noch was, zu Ostern“, verspricht der eine, der andere drückt Ilse Menke zwei Geldscheine in die Hand, die sie in eine Spendenkasse wirft. „Viele wollen sich ein Bild machen vom Asternweg, fahren einfach nur mal vorbei“, hat Ilse Menke beobachtet. Viele aber kämen auch in die Kneipe, sprechen sie an, kommen ins Gespräch, wollen sich selbst ein Bild machen. Besonders freut sie, wenn die Hilfe von jungen Menschen kommt. „Wenn Kinder Spielzeug aussortieren und uns bringen. Das berührt mich“, erzählt sie. 2014 verbrachte ein Team des TV-Senders Vox rund ein halbes Jahr in Kaiserslautern, begleitete einige Bewohner des Asternwegs, dokumentierte deren Schicksal, erzählte deren Geschichte. 2015 wurde die Doku gesendet, ein Jahr später folgte Teil zwei. Genau dieser zweite Teil, der die Bewohner ein Jahr nach der ursprünglichen Dokumentation zeigte, wurde am Samstag wiederholt. Mehr als anderthalb Millionen Zuschauer erreichte Vox damit nach eigenen Angaben. Und das schlägt sich in der hohen Frequenz nieder, in der das Telefon in Ilse Menkes Kneipe bimmelt. „Ach aus dem Sauerland rufen Sie an, das ist aber schön“, spricht Ilse Menke in den Hörer. Sie nimmt sich Zeit für jeden, wird nicht müde, ihre Geschichte zu erzählen. „Wir sind doch alle Menschen“, sagt sie. Sie will niemanden verurteilen und verwehrt sich auch gegen Angriffe aus dem Internet, bei Facebook, wo einige „viel Blabla“ absonderten, geschützt durch die Anonymität des Internets. Da sind ihr die persönlichen Gespräche (Menke: „Wenn ich einkaufen gehe zum Beispiel, manchmal ist mir das fast peinlich“) lieber, wenn die Menschen sie direkt ansprechen, Hilfe anbieten oder einfach nur Auskunft wollen. „Vox müsste noch mal was machen.“ Die Frau, die eben kurz vorbei gekommen ist, hat die Doku am Samstag gesehen, kennt die Lebenssituation im Asternweg aber auch ohne Fernsehbilder. Sie stammt aus der Region und hat kurzerhand vier Oster-Säckchen mit Süßigkeiten gepackt und vorbei gebracht. Ilse Menke bedankt sich. „Das passt, an Gründonnerstag wollen wir die Sache verteilen“, verspricht sie. Und: Ja, womöglich gebe es ja sogar einen dritten Teil. Sie dürfe nicht allzu viel verraten, will sie auch gar nicht. „Zu den Schicksalen der anderen in der Doku will ich eigentlich nicht viel sagen. Ich kann für mich sprechen.“ Und das tut sie mit jedem, der sie anspricht, der sich für das Leben im Asternweg interessiert. Nur so viel: Joe ist dem Vernehmen nach aus dem Gefängnis wieder draußen. Und Helmut muss weiterhin seine Augenklappe tragen, ein trauriges Andenken an eine handfeste Auseinandersetzung, bei der er schwer verletzt wurde.