Grünstadt „Wir machen unser Ding“

30 Jahre ist es mittlerweile her, dass sich in Hettenleidelheim einige junge Leute zusammenfanden, um damals noch als alternativ geltende Kulturformen in die Provinz zu holen: Der Kleinkunstverein „Neuer landweg“ mit dem Sitz in Eisenberg war gegründet. Noch immer gibt es Gründungsmitglieder im Vorstand, die seit jener Zeit eine bemerkenswert kontinuierliche Kulturarbeit geleistet haben. Zwei Vorsitzende hatte der Verein in jener Zeit: zunächst Manfred Asel, der immer wieder mit finanziell risikobehafteten Kultur-Großprojekten den Rahmen dessen, was ein Haufen Ehrenamtlicher zu bewältigen in der Lage ist, ausweitete, und nun Michael Werner-Scheid, der mehr auf gediegene Saalveranstaltungen der Sparten rockig-bluesig-jazziger Musik und Kabarett/Comedy setzt. Mit ihm sprach Roland Happersberger über die durchaus gemütlich-unangefochtene Situation des Jubilars.

Der „neue landweg“ feiert 30 Jahre Bestehen. Ist das noch jung? Oder ist das schon alt?

Es ist ziemlich alt. Und bei uns im Vorstand bin ich noch einer der Jüngsten. Und es gab auch schön öfter den Gedanken: Wie lange machen wir noch? Aber im Moment haben wir noch Lust. Im Ernst: Wir wollen wissen: Wie alt sind die Programmmacher? Wie alt ist das Publikum, auf das Sie abzielen oder erreichen? Der eine oder andere ist schon pensioniert und kann sich nun ganz dem Verein widmen, wie Rainer Mittrücker, der das Kabarett- und Comedyprogramm macht. Und das Publikum ist ungefähr so alt wie wir, also auch etwas älter. Sagen Sie, wir sind damit zufrieden, weil wir genau das in unsere Provinz holen, was wir selbst sehen und hören wollen, oder können Sie sich vorstellen, dass das Programm beim 35. Jubiläum ein gewandeltes Profil zeigt? Nee, wir wollen eigentlich nichts ändern. Wir machen unser Ding, nur Sachen, die uns selber gefallen, wir wissen, was unser Publikum will, ich stelle das Musikprogramm zusammen, und in der Regel sind in der Sitzung alle einverstanden. Wir wiederholen uns mittlerweile auch manchmal, weil’s Spaß macht. „Hiss“ hören wir zum Beispiel immer wieder gern. Aber bitte nicht, wie das andere machen, jedes Jahr, das wäre zu viel. So haben wir immer 80 oder 100 Leute. Aber wenn du was machst, was die Leute nicht kennen, dann kommen nur 30 oder 40. Kabarett und Comedy holen Sie nach wie vor von der Freiburger Kleinkunstbörse? Ja, das macht der Rainer Mittrücker, er fährt jedes Jahr hin und der eine oder andere von uns fährt mit. Da hast du eine große Auswahl, siehst viel Stuss, aber auch gute Leute, und kannst gleich an Ort und Stelle engagieren, oft, bevor sie richtig bekannt und teuer werden. Gibt es konkrete Bestrebungen zur Vereinsverjüngung? Vor Jahren hat es den „Stilbruch“ gegeben, ein paar junge Leute, die zwei oder drei Veranstaltungen für ihr Alter gemacht haben. Aber dann machten die Abitur und studierten woanders, und dann war’s das wieder. Wir haben immer wieder darüber nachgedacht, aber im Moment eigentlich nicht mehr. Und generell sag ich’s mal so: Wir haben noch Lust, aber ob die noch fünf Jahre bis zum 35. reicht, muss sich zeigen. Finanziell geht’s uns gut, und 95 Prozent der Künstler fühlen sich bei uns sehr wohl und sind hochzufrieden: weil wir nette Menschen sind, weil’s mit unserem Publikum Spaß macht – und weil wir ordentlich bezahlen. Im Herbst soll es zum Jubiläum einen „Bühnenzauber“ geben. Für die, welche die Anfänge der „landwegs“ nicht miterlebt haben: Was ist das? Das haben wir früher regelmäßig gemacht, es ist eine Mischung verschiedener Genres: politisches Kabarett, Comedy und Musik an einem Abend, auf der schwarz verhangenen Bühne des evangelischen Gemeindehauses, das war immer klasse, aber auch natürlich teuer. Wer kommt zum Jubiläumsbühnenzauber? Er ist am 11. Oktober, und durch das Programm führt „La Signora“, die Italienerin aus Bielefeld. Die war schon solo da, und es war ein unglaublich grotesker, komischer Abend, wirklich großartig. Ja, ich hab sie schon mehrfach als Moderatorin erlebt, die macht das saugut. Ihre Ansagen waren manchmal viel besser als das, was sie angesagt hat. Dann gibt’s politisches Kabarett mit Thomas C. Breuer, Auszüge aus seinem aktuellen Programm, Käthe Lachmann bringt schrille Comedy. Und für die Musik wollten wir jemand aus der Region: Mr. Jones, mit Hans Ehrenpreis (Gesang, Gitarre), Alex Lützke (Konzertgitarre) und Jochen Koch (Percussion). Wird der Bühnenzauber auf der Bühne des Gemeindehauses in Eisenberg sein? Das haben wir lange diskutiert, ob wir ihn nicht im Blauen Haus in Bolanden machen, weil wir da wesentlich mehr Leute reinkriegen. Aber er muss auf der Bühne im Eisenberger Gemeindehaus sein, die Atmosphäre ist einmalig. Auch wenn wir dort nur 100 Plätze haben. Die Leute müssen halt früh Karten kaufen! Das führt zur Frage der Spielstätten: Der Verein hat sich in den 35 Jahren kontinuierlich nach Norden Richtung Kirchheimbolanden verlagert: Vom Intercity und Unikat in Eisenberg ins Gasthaus Becker in Marnheim, ins Blaue Roß in Kirchheimbolanden und nun ins Blaue Haus in Bolanden. Wo ist er zu Hause? Es ist so, dass wir eigentlich nie viel Publikum aus Eisenberg selbst hatten. Und in Eisenberg, auch im Gemeindehaus, hat uns auch immer wieder die Unterstützung gefehlt, und es war sehr aufwendig, die Veranstaltungen vorzubereiten. Das ist im Blauen Haus einfacher: Das ist ein voll ausgestattete kleines Theater mit Bühne, wir machen Programm, die Getränke macht der Kulturverein Blaues Haus, damit haben wir keine Arbeit. Wir sind im Blauen Haus eigentlich zufrieden. Richtig krachenlassen kann man′s da allerdings nicht, aber ruhigere Musikveranstaltungen gehen dort auch gut. Aber wir wollen auch immer wieder was im Eisenberger Gemeindehaus machen, und manchmal im Sommer was in der Ebertsheimer Papierfabrik. Und unser jährlicher Christmas Groove vor Weihnachten dort ist ja fast schon legendär, für den brauchen wir kaum mehr Reklame zu machen. Wandert das Publikum mit? Eigentlich nicht: Wir haben dort ein neues Publikum. Dabei ist’s für die Eisenberger nicht weit Ihre spezielle Empfehlung fürs Jubiläumsprogramm? Na, natürlich jetzt am Freitag Pippo Pollina. Und dann freu’ ich mich auf Albie Donnellys ,Supercharge′, seit 40 Jahren Europas führende und prägende Band in Sachen Rhythm’n’Blues, Swing und Good-Time-Rock’n’Roll, am 25. Juli in Ebertsheim.

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