Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Windräder im Leiningerland: Warum der Nabu jetzt sauer ist

Windkraft ja, aber nicht überall: Diese Haltung vertritt der Nabu.
Windkraft ja, aber nicht überall: Diese Haltung vertritt der Nabu.

Rund um Dirmstein und Obersülzen sind 17 Windräder geplant. Der Nabu wundert sich über das Vorgehen der Ortsgemeinden – und hat eine klare Haltung.

Die Argumente des Naturschutzbundes (Nabu) werden gerne von Windkraftgegnern benutzt, um den Bau von Windrädern zu stoppen. Es wirkt, als seien Sie Verhinderer von Windenergie. Herr Bastian, ist das so?
Bastian: Nein. Ohne dass wir zu regenerativen Energieformen wechseln, werden wir langfristig ein großes Problem bekommen. Deshalb unterstützen wir auch Windkraft.

Weil?
Bastian: Man muss sehen, dass das Artensterben und der Klimawandel zusammenhängen. Wenn der Klimawandel weitergeht, bekommen wir ein Biodiversitätsproblem, weil immer mehr Arten ihren Lebensraum verlieren und es unklar ist, ob neue Arten die entstandenen Lücken ausfüllen können.

Bentz: Und wenn wir nicht darauf achten, die Arten zu erhalten, haben wir eine riesige Chance vertan, den Klimawandel in den Griff zu bekommen, weil die Pflanzen - und Tierwelt viel zum Binden von CO2 beitragen.

Aber jetzt heißt es ja immer, Windräder zerstören auch den Lebensraum von Arten.
Bastian: Wenn man weiß oder vermutet, dass eine Art von Windrädern tatsächlich vertrieben oder geschädigt werden, ist das ein Argument gegen den Standort eines Windrads. In Obersülzen und Dirmstein sind es zum Beispiel Weihen, also Vögel, die das betrifft. Aber in dem Fall heißt das auch, dass wir uns nur gegen die Windräder aussprechen, die im Lebensraum der Weihen gebaut werden sollen, und das sind sieben von 17.

Was ist bei Weihen das Problem?
Bastian: Das sind windkraftsensible Arten. Bei ihnen ist nachgewiesen, dass sie Gebiete meiden, in denen Windräder stehen. Das liegt an deren Höhe. Dadurch geht weiterer Lebensraum für diese ohnehin seltene Art verloren.

Welche Arten sind noch betroffen?
Bentz: Fledermäuse zum Beispiel. An der Spitze des Windrads haben die Rotoren 300 Stundenkilometer. Das ist eine enorme Geschwindigkeit, die Unterdruck auslöst.

Bastian: Dadurch sterben sie. Die Lungen platzen. Der Rotmilan wiederum jagt mit Blick nach unten, sieht das Windrad nicht und wird erschlagen. Das ist kritisch, weil in Deutschland ein Großteil der Weltpopulation von Rotmilanen vorkommt. Da haben wir eine besondere Verantwortung.

Jetzt könnte man als Windkraftbefürworter sagen: Nach Ihrer Argumentation dürfte man nirgendwo mehr ein Windrad bauen, weil überall seltene Arten leben, oder?
Bastian: Es ist nachgewiesen, dass dem nicht so ist. Ende 2024 gab es einen Fachbeitrag in Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und zwei Landesministerien. Es ging dabei um Windenergie in Rheinland-Pfalz. Das Ergebnis: Auf vier Prozent der Landesfläche ist Windkraft unkritisch. Die Landesregierung hat vor, bis 2030 2,2 Prozent der Fläche mit Windkraft zu bebauen. Sie merken, das ginge. Aber das ist kein Gesetz, das ist eine Empfehlung. Wir als Nabu sind enttäuscht, wie wenig der Fachbeitrag in der Praxis tatsächlich eine Rolle spielt.

Wie in Obersülzen und Dirmstein.
Bastian: Ja, in der Tat. Am Ende müssen wir aber die Entscheidung der Mehrheiten akzeptieren, so funktioniert Demokratie.

Macht Sie nicht sauer, dass Windkraftgegner Ihre Argumente nutzen, um Windräder komplett zu verhindern?
Bentz: Ja, natürlich. Viele Mitglieder sind da sensibel und drohen sogar mit Austritt, wenn das so dargestellt wird. Oder es gibt Leute, die aufgrund dessen nicht eintreten. Deshalb muss differenziert werden, dass wir Windkraft grundsätzlich befürworten, aber wegen des Artenschutzes nicht jedes Windrad begrüßen.

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