Kirchheim / Bissersheim
Weinstraßen-Wut: Bürgermeister reagiert auf Vorwürfe aus Nachbarort
Immerhin: Bei seinem politischen Stammtisch neulich waren zwei Bissersheimerinnen, mit denen es zu einem guten Dialog gekommen sei. Sagt Kirchheims Bürgermeister Thomas Dhonau, über den im Nachbardorf derzeit viel geschimpft wird. Denn in seinem Ort wird gerade die Weinstraße saniert. Damit ist die Hauptdurchgangsstraße blockiert. Aber es gab anfangs noch ein Schlupfloch: Wer von Bissersheim oder Großkarlbach aus nach Grünstadt wollte, konnte durch Seitenstraßen.
Nur noch Anlieger
Die allerdings sind jetzt für den Durchgangsverkehr tabu, zumindest offiziell: Nur noch Anlieger dürfen rein, alle anderen sollen einen Umweg über Laumersheim und Obersülzen nehmen. Für Bissersheimer verlängert sich die Strecke ins Grünstadter Zentrum damit von etwa fünf auf gut zehn Kilometer. Und für die ebenfalls ausgesperrten Menschen aus Kirchheims Südosten ist der Umweg noch größer. Betroffene finden nun: Damit wird ihnen für viele Monate eine Last aufgebürdet, die zu schwer wiegt.
Die Schuld daran geben sie vielfach dem Kirchheimer Bürgermeister. Der beteuert zwar, dass die Anlieger-frei-Sperrung vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) veranlasst war. Und dessen Vorderpfalz-Chef Martin Schafft hat das auch bestätigt, auf Gefahren für Fußgänger und besonders Schulkinder hingewiesen und die vorherigen Verkehrsverhältnisse in den betroffenen Seitenstraßen als „nicht mehr hinnehmbar“ bezeichnet. Doch die Dhonau-Kritiker glauben das nicht.
Leserbrief aus Bissersheim
Ihre Logik: Die Anlieger-frei-Schilder versperren Ortsstraßen, in denen doch der Bürgermeister das Sagen habe. So stand es zuletzt zum Beispiel im Leserbrief eines verärgerten Bissersheimers, den die RHEINPFALZ veröffentlicht hat. Ihm widerspricht Dhonau nun ausdrücklich und direkt. Der Sozialdemokrat erläutert: Unter Normalbedingungen wäre es tatsächlich Sache der Ortsgemeinde, etwa in der Rückgasse neue Vorgaben wie Parkverbote, Einbahn-Regelungen oder Sperrungen zu veranlassen.
Mit ihren Änderungswünschen würde sie sich dann an das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde wenden. Das hätte zum Beispiel zu prüfen, ob sich die lokalen Wünsche mit den allgemeinen Verkehrsregeln vereinbaren lassen. Und wenn es keine derartigen Einwände gebe, müsse es dem Anliegen der Ortsgemeinde folgen. Doch im aktuellen Fall seien die Voraussetzungen anders. Denn es gehe ja um Komplikationen, die auf die Baustellen-Blockade in der Weinstraße zurückzuführen sind.
Mit Vorschlägen abgeblitzt
Die wiederum ist als Kirchheimer Hauptdurchgangsachse eine Landesstraße. Deshalb habe der LBM die Hoheit, auch bei Vorgaben für die Umleitungen: Er könne den Verkehr durch Ortsstraßen schicken – oder ihn umgekehrt aus solchen Zonen aussperren. Dass er selbst da nicht viel zu melden hat, belegt der Bürgermeister auch gleich mit weiteren Beispielen: Schon ehe die Straßenbaubehörde die umstrittenen Anlieger-frei-Schilder aufstellen ließ, habe sie Dinge anders geregelt als von ihm vorgeschlagen.
Dhonau sagt: Wäre es nach ihm gegangen, wäre es in den betroffenen Seitenstraßen weiter bei rechts vor links geblieben. Der LBM allerdings habe sie für die Baustellenzeit zu Vorfahrtsstraßen gemacht, damit die Linienbusse flüssig durchrollen können. Abgeblitzt ist Dhonau demnach auch mit dem Vorschlag, in den beiden entgegengesetzt verlaufenden Einbahnstraßen Ostring und Friederich-Diffiné-Straße für bessere Sichtverhältnisse an den Enden einstweilen die Fahrtrichtung zu ändern.
Bitte an die Bissersheimer
Den frustrierten Bissersheimern und Großkarlbachern schlägt er nun vor, wenigstens die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen. Immerhin könnten sie ganz legal in die Bissersheimer Straße fahren. Problemlos erreichbar seien für sie also dort die Arztpraxis, die Apotheke, der Friseur, das Wirtshaus Alter Bahnhof, das Restaurant Schwarz sowie die Weingüter Galler und Heil. Seine Bitte an die Bürger der Nachbarorte: Sie sollen die Möglichkeit eifrig nutzen – und so die Geschäftsleute unterstützen.
Einen Rat hat er auch für die Bissersheimer Eltern, die ihren Nachwuchs mit dem Auto in den Kirchheimer Löwenzahn-Kindergarten in der Kochstraße bringen. Mit diesem Ziel dürfen sie zwar durchaus in den Anlieger-frei-Bereich einfahren, Beschwerden aus ihren Reihen kamen Dhonau zufolge aber trotzdem. Weshalb er nun sagt: Sie können an der Turnhalle parken und von dort aus mit ihren Kindern die verbleibenden 350 Meter zu Fuß gehen – „was sicherlich allen guttun würde“.
Verräterische E-Mails
Außerdem kündigt er an, dass er aus der Beschwerdewelle eine Konsequenz ziehen will. Schließlich hätten ihm viele verärgerte Bissersheimer in ihren Protest-E-Mails eine vielsagende Begründung für ihren Frust übermittelt: Demnach pflegten sie schon vor der Weinstraßen-Sperrung stets in die Seitenstraßen abzubiegen, wenn sie in Richtung Grünstadt wollten. Denn so ist der Weg ein paar Meter kürzer. Dhonau sagt: „Das haben wir schon immer geahnt, aber jetzt haben wir es sozusagen schwarz auf weiß“.
Wenn es nach ihm geht, wird die Strecke über Rückgasse und Ostring sowie Friederich-Diffiné-Straße daher über das Ende der Baustellenphase hinaus für Anlieger reserviert bleiben.