Kirchheim Weingut Galler setzt auf Piwi-Weine

Katja und Ansgar Galler betreiben das Bio-Weingut Galler in Kirchheim
Katja und Ansgar Galler betreiben das Bio-Weingut Galler in Kirchheim

2009 haben Katja und Ansgar Galler das Weingut Friedrich Karl übernommen. Seit 2015 ist es nach den Bioland-Richtlinien zertifiziert. Einer ihrer Weine hat jetzt den ersten Preis bei der Piwi Trophy des österreichischen Wein- und Gourmetmagazins Falstaff erhalten.

Von Anfang an betrieben die Gallers kontrolliert umweltschonenden Weinbau, seit 2012 bauen sie pilzwiderstandsfähige Rebsorten, sogenannte Piwi, an. „Wir wollten etwas Neues ausprobieren, und da wir mit unseren beiden Kindern ein Bio-Leben führen, kam beim Rebenanbau nur Bio für uns in Frage“, so Ansgar Galler. Lachend fügt er hinzu: „Als ich kürzlich mit meinem jüngsten Sohn – er ist sieben – ein Bratwurstbrötchen kaufte, fragte er mich doch tatsächlich: ,Papa, ist das auch Bio?’, woraufhin ich antwortete: ,Nein, aber das kannst du jetzt auch mal essen!’“

Ein entscheidender Vorteil der Piwi sei, dass sie weit weniger anfällig für typische Rebenkrankheiten wie beispielsweise den Echten und Falschen Mehltau oder Grauschimmel seien und deshalb mit viel weniger Pflanzenschutzmittel auskämen. „Dadurch, dass wir nur noch minimal spritzen, verbrauchen wir auch weniger Diesel und weniger Wasser und schonen somit auch den Boden“, so der Winzer. Mittlerweile habe er acht neue Rebsorten auf mehr als der Hälfte seiner elf Hektar Fläche angepflanzt. In den nächsten Jahre sollen nur noch diese neuen Sorten hinzu kommen, bis schließlich die gesamten Weinberge auf „die Reben der Zukunft“ umgestellt sind.

Keine Massenproduktion

„Wir waren neu in Kirchheim, hatten nichts zu verlieren und wollten versuchen, mit einem Nischenprodukt Fuß zu fassen – wir wollen kein Großwinzer werden, wir setzen auf Handwerk und Manufaktur, nicht auf Massenproduktion“, erklärt Galler seinen Entschluss. Für den Anschluss an Bioland habe er sich entschieden, weil das Label überall bekannt sei und Bioland strengere Vorgaben mache als beispielsweise EU-Bio. Galler arbeitet auch im Verband bei der Bundesfachauskunft für Bio-Diversität mit. „Wir haben in unseren Weinbergen überall Sitzstangen angebracht, damit die Greifvögel darauf sitzen können“, erzählt er weiter. Früher hätten die Vögel auf Holzpfählen in den Weinbergen gesessen, die seit Jahren gegen schmale Metallpfähle ausgetauscht worden seien, auf denen die Vögel nur schwer Halt fänden. „Auch das gehört für uns zu Bio und Nachhaltigkeit“, betont er.

Pionierarbeit

Seine Weine seien nach den Leininger Grafen und Gräfinnen benannt worden, wie Kunigunde und Theodora sowie Heinrich und Friedrich. „Unsere Kunigunde 2016 aus Satin Noir wurde mit 92 Punkten zur Siegerin der Piwi-Trophy gekürt“, freut sich Galler, der auch schon in den vergangenen Jahren immer wieder Preise für seine Bio-Weine erzielte. „Piwi-Weine sind noch relativ unbekannt am Markt, wir betreiben Pionierarbeit, sind aber von Anbau, Qualität und vor allem vom Geschmack überzeugt. Es kommt es doch darauf an, wie der Wein im Glas schmeckt und dass am Ende die Flasche leer ist“, meint er.

Durch Corona hätten sich seine Vertriebswege etwas verändert. Er biete jetzt auch Online-Weinproben über Instagram und Facebook an, womit er vor allem junges Publikum erreiche. Die Gastronomie und einige Fachhändler seien dagegen weggebrochen. „Dennoch liegt unser Umsatz im sechsstelligen Bereich, und wir erwirtschaften 7000 Liter pro Hektar“, verrät der gelernte Kellermeister, für den traditioneller Weinbau im Weinberg beginnt und im Keller weitergeht. Lediglich in der Saison beschäftige er ein paar Aushilfskräfte, sonst gebe es nur seine Frau und ihn. Katja Galler ist Agraringenieurin und wuchs auf einem Bio-Bauernhof auf. Für sie beide sei der Bio-Anbau eine Herzensangelegenheit, in die sie viel Energie und Leidenschaft steckten. Galler sagt: „Unsere Philosophie ist: Purer Genuss aus glücklichen Trauben.“