Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Wasserversorgung in Gefahr: Warum die VG Leiningerland unter Druck steht

Um in Zukunft mit ausreichend Wasser versorgt zu sein, prüft die VG Leiningerland aktuell ihr Leitungsnetz.
Um in Zukunft mit ausreichend Wasser versorgt zu sein, prüft die VG Leiningerland aktuell ihr Leitungsnetz.

Ein Liefervertrag zwischen den Stadtwerken Grünstadt und der VG Leiningerland läuft aus. Die sieht ihre Versorgung gefährdet. Abhilfe schaffen soll nun ein altes Projekt.

Um die Trinkwasserversorgung der Menschen im Gebiet der VG auch in Zukunft zu sichern, möchte die VG-Verwaltung ein altes Leitungsprojekt aus dem Jahr 2014 wieder aufgreifen. Konkret geht es um eine Verbindung zwischen der Ortsgemeinde Ebertsheim und der VG Eisenberg. Laut Verwaltung handelt es sich um eine Strecke von etwa 1,5 Kilometern, wobei die genauen Anschlusspunkte noch ermittelt werden müssten.

Wasser muss zugekauft werden

Bereits 2014 sollte die Leitung gelegt werden, doch der Bau scheiterte unter anderem aus finanziellen Gründen. Nun steht das Projekt für die VG Leiningerland wieder auf der Tagesordnung. Hintergrund ist ein Wasserlieferungsvertrag zwischen den Stadtwerken Grünstadt und der VG. Der galt ab 2018 mit einer Laufzeit von zehn Jahren.

Damals beschlossen die VG und die Stadtwerke, dass die VG jährlich Wassermengen zwischen 550.000 und 720.000 Kubikmetern aus Grünstadt abnehmen darf. Zuvor waren die Ortsgemeinden Ebertsheim, Mertesheim, Quirnheim, Bockenheim und Kindenheim bereits vollständig sowie Obersülzen, Dirmstein, Laumersheim, Gerolsheim und Großkarlbach teilweise von Wasserlieferungen aus Grünstadt abhängig. Im Schnitt förderte die VG rund 40 Prozent ihres Wassers selbst – etwa 60 Prozent mussten zugekauft werden, größtenteils aus Grünstadt.

Vertrag vor Jahren gekündigt

Gekündigt wurde der Vertrag laut VG-Verwaltung von den Stadtwerken. Das bestätigt Jürgen Böhnlein, Kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke. Die Kündigung sei bereits 2024 ausgesprochen worden. Der Grund: Wasser werde knapper. Wie sich das in Zukunft entwickle, könne Böhnlein nicht sagen. Es müsste aber zuerst das eigene Versorgungsgebiet abgedeckt werden. Heißt: Sollte es zu Engpässen kommen, wollen die Stadtwerke erstmal für Grünstadt genügend Wasser haben – und sich nicht anderweitig vertraglich gebunden sehen. Jedoch, hebt Böhnlein hervor, sei man im Austausch mit der VG-Verwaltung, um einen neuen Vertrag zu vereinbaren. Derzeit gebe es „offene Gespräche“.

Die VG hat das zum Anlass genommen, das Versorgungsnetz breiter aufzustellen. Laut Daniel Krauß (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde, steht die „Versorgungssicherheit“ im Fokus. Gerade dafür gilt die Verbindung nach Eisenberg als zentral. Im VG-Antrag, der dem VG-Werkausschuss vorgelegt wurde, heißt es, dass der Ausbau Richtung Eisenberg von „großer Dringlichkeit“ sei. Bereits vor zwei Jahren stellte die VG Pläne vor, um auf den sinkenden Grundwasserspiegel zu reagieren. So sollten unter anderem getrennte Wasserleitungen innerhalb der VG verbunden und langfristig ein regionales Verbundnetz mit anderen Versorgern aufgebaut werden.

„Grünes Licht“ für Verwaltung?

Sollte es zum Bau der Leitung nach Eisenberg kommen, muss in das bestehende Leitungsnetz eingegriffen werden. Der Boden müsste an den notwendigen Stellen geöffnet und bestehende Leitungen mit der neuen Leitung verbunden werden. Krauß äußerte, dass der Bau in diesem Jahr nicht mehr „über die Bühne gehen“ werde. Zudem kündigte er an, dass es bei Baustart nur „temporäre Sperrungen“ geben solle und keine Vollsperrungen, wie sie in der Vergangenheit bei vergleichbaren Projekten häufig vorkamen.

Der Ausschuss sollte nun entscheiden, ob die Verwaltung weiter mit den Eisenberg-Werken verhandeln soll, also, wie Krauß sagte, der Verwaltung „grünes Licht“ geben. Eine Vertragsunterzeichnung würde dann später folgen.

Ausschussmitglied: „Wasser wird knapper“

Ausschussmitglied Reinhold Kuales (FWG) fragte, warum ein solcher Vertrag nicht auch mit Nachbarkommunen in Richtung Frankenthal geplant sei, insbesondere im Hinblick auf die Wasserversorgung von Gerolsheim. Krauß entgegnete, dass das eine das andere nicht ausschließe. Derzeit sei Gerolsheim stabil versorgt, erklärte VG-Abteilungsleiter für Wasser und Freibäder, Johann Schröder. Eher im Fokus der Verwaltung steht die Ortsgemeinde Dirmstein. Diese wird nur über eine Leitung versorgt. Laut Norman Geisler, stellvertretender VG-Werkleiter, soll noch in diesem Jahr eine weitere Leitung von Dirmstein zur Südzuckerleitung gelegt werden.

Edwin Gaub (CDU) sprach sich für Vertragsverhandlungen mit Eisenberg aus und betonte, dass der Wasserverbrauch vor allem in den heißen Sommermonaten zunehmen werde. Daher sei es wichtig, die Versorgung langfristig sicherzustellen.

Auf die Frage eines Ausschussmitglieds, wie viel Wasser aus Eisenberg ins Leiningerland geliefert werden könne, erklärte Geisler, dass konkrete Mengen in den Gesprächen mit den Eisenberg-Werken bislang nicht genannt worden seien. Allerdings seien „Leitungskapazitäten“ in Aussicht gestellt worden. Sollte der Ausschuss dem VG-Antrag zustimmen, könnten konkrete Zahlen geprüft werden. Im Ausschuss wurde dem Antrag einstimmig zugestimmt.

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