Eisenberg
Was Schweitzers Niederlage fürs Jubiläum eines Pfälzer Vereins bedeutet
Viel machen muss der Schirmherr des „Jahr des Bergmannes“ in Eisenberg nicht: Seine Aufgabe erschöpft sich darin, dass er sich als solcher bezeichnen lässt. Das mit überschaubarem Aufwand verknüpfte Amt hat der Bergmannsverein Glück Auf 1966 Oberes Eistal im vergangenen Oktober dem amtierenden Landesvater Alexander Schweitzer angetragen. Und der hat damals binnen zweier Wochen zugesagt, berichtet der Vorsitzende Albert Boßmann: „Das hat uns natürlich gefreut. Es ist schön, wenn ein Ministerpräsident unsere Bergbau-Tradition im Eistal so würdigt.“
Amtsverlust wohl im Mai
Noch mehr gefreut hätten sich die Vereinsmitglieder wohl, wenn ihnen der Regierungschef für ihr „Jahr des Bergmannes“ auch einen Besuch versprochen hätte. Eingeladen hatten sie ihn natürlich auch dazu, doch da blieb die Antwort aus der Mainzer Staatskanzlei vage: Der Ministerpräsident werde kommen, wenn es seine Zeit erlaubt. Dass sie Schweitzer einstweilen nicht erwarten müssten, konnten sich die Vereinsmitglieder also denken. Doch nun müssen sie sich auch fragen, ob er für den Rest ihres Jubiäumsjahrs überhaupt noch ihr Schirmherr sein wird.
Denn seinen bisherigen Hauptberuf ist der Südpfälzer demnächst los. Nach der Wahlniederlage der SPD wird der Landtag einen neuen Regierungschef küren. Üblicherweise geschieht das am rheinland-pfälzischen Verfassungstag. Schweitzer wird also voraussichtlich ab 18. Mai kein Ministerpräsident mehr sein. Was das für sein Eisenberger Ehrenamt bedeutet, kann die Staatskanzlei nicht mit letzter Sicherheit sagen. Regierungssprecherin Andrea Bähner lässt aber ausrichten, dass ihr Chef „die Schirmherrschaft als Ministerpräsident übernommen“ hat.
CDU gibt sich zugeknöpft
Damit will sie wohl andeuten, dass auch die Aufgabe des Bergmannjahr-Protektors an seinen mutmaßlichen Nachfolger Gordon Schnieder übergehen dürfte. Ob der sie auch annehmen würde, will dessen CDU zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber nicht verraten. Ein Fraktionssprecher verweist auf die gesamtpolitische Lage: Momentan bereite die Union Sondierungsgespräche mit der SPD vor, die in Koalitionsverhandlungen münden sollen. Denen solle nicht vorgegriffen werden, Auskünfte zur Schirmherrschaft könnten daher einstweilen nicht erteilt werden.
Vereinschef Boßmann wären derweil beide denkbare Lösungen recht: „Wir sind politisch neutral.“ Außerdem nimmt er den Noch-Ministerpräsidenten und dessen wahrscheinlichen Nachfolger gleichermaßen als respektable Politiker wahr, die sich – das ist Glück-Auf-Vorsitzenden wichtig – durch Liebe zu seiner Heimat auszeichnen. Aber eigentlich geht der Eisenberger schon eher davon aus, dass die Schirmherrschaft bei Schweitzer verbleibt: „Die hat man ja mehr als Person. Und er kann das ja auch als Ministerpräsident a. D. machen.“
Für Besuch willkommen
So oder so: Falls der Südpfälzer als Ex-Regierungschef demnächst viel mehr Zeit hat als bislang, wäre er natürlich auch weiterhin in Eisenberg willkommen. Und wenn er seinen Nachfolger gleich mitbrächte, hätte der Bergmanns-Verein auch nichts dagegen. Der eigentliche Festakt zum 60-jährigen Bestehen ist am 13. Juni ab 10 Uhr in der evangelischen Kirche in Eisenberg, außerdem finden das ganze Jahr über historische Exkursionen und Touren zu noch aktiven Unternehmen mit Verbindung zur Bergbau-Tradition statt. Und in der Erdekaut lassen sich die Spuren des Ton-Abbaus ohnehin jederzeit erkunden.