Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wald, Container, Rathaus: So kreativ lösen Kitas im Leiningerland den Platzmangel

Lernen und spielen im Wald? In Grünstadt ist das seit vergangenem Jahr eine Lösung zur Deckung des Bedarfs an Kita-Plätzen.
Lernen und spielen im Wald? In Grünstadt ist das seit vergangenem Jahr eine Lösung zur Deckung des Bedarfs an Kita-Plätzen.

Der Bedarf nach Kita-Plätzen steigt, so manche Ortsgemeinde weicht deshalb auf ungewöhnliche Lösungen aus. Wie das mittelfristig weiter geht.

Wie viele Kindertagesstätten gibt es in Grünstadt und im Leiningerland?
Allein in Grünstadt und seinen beiden Ortsteilen Asselheim und Sausenheim befinden sich zehn Kitas, darunter die im vergangenen Jahr eingeführte Waldgruppe Waldkitz und die Integrative Kindertagesstätte. Zwei der acht Einrichtungen werden von der evangelischen Kirche getragen, eine von der katholischen. In den 21 Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Leiningerland sind es 19 Kindertagesstätten. Nicht jede Ortsgemeinde hat eine Kita: Die Kinder aus Klein- und Großkarlbach, Battenberg, Bissersheim, Obersülzen, Neuleiningen und Tiefenthal werden in anderen Ortsgemeinden untergebracht.

Wo gibt es Provisorien und warum?
Weil die Träger dem Bedarf nicht mehr gerecht werden konnten, Eltern aber laut Sozialgesetzbuch für ihr ein- bis dreijähriges Kind in Rheinland-Pfalz einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz haben, gibt es an einigen Orten ungewöhnliche Übergangslösungen, die Plätze schaffen sollen. Container entspannen die Situation der Pfalzkitz in Grünstadt. Dort gibt es seit 2025 außerdem die Waldkitz, die ganzjährig in beheizten Bauwagen spielerisch lernen. Auf eine waldpädagogische Gruppe setzt auch Ebertsheim. In Bockenheim besuchen nun einige Kinder das Rathaus, in Obrigheim ist es das Bürgerhaus, in dem eine Außengruppe unterkommt und in Kleinkarlbach befindet sie sich im früheren Sportheim, getragen von der katholischen Kirche. Darüber hinaus existieren Provisorien im Nebengebäude der Kita in Dirmstein sowie in den katholischen Pfarrheimen in Gerolsheim und in Carlsberg.

Welche Möglichkeiten gibt es noch, außer Provisorien zu schaffen?
Eine Lösung ist auch, Plätze zu mieten: Zehn Grünstadter Kinder besuchen laut Stadtsprecher Joachim Meyer zum Beispiel die Kita in Kirchheim, die Stadt wiederum zahlt dafür. Eine weitere Lösung laut VG-Verwaltung: Wenn sich nichts anderes einrichten lässt, kann das Kreisjugendamt Plätze bei Tagespflegeeinrichtungen, zum Beispiel bei Tagesmüttern, vermitteln.

Was passiert, wenn die Plätze nicht reichen oder sich der Bedarf so schnell nicht decken lässt?
Wenn keine der genannten Lösungen infrage kommt, führen die Einrichtungen laut Stadtsprecher Meyer Wartelisten. Auch die Eingewöhnung der Kinder kann sich verschieben, sodass Eltern manchmal Geduld brauchen – obwohl der Platz perspektivisch schon sicher ist.

Wie viele Plätze gibt es in Grünstadt, wie viele in der VG?
Laut Stadtverwaltung Grünstadt haben im aktuellen Kindergartenjahr 15 Kinder bis zum zweiten Lebensjahr einen Platz und 750 Kinder bis zum sechsten Lebensjahr. Im Herbst waren 124 Plätze in den kommunalen Kitas frei, wobei Stadtsprecher Meyer erklärt, dass die meisten bereits vorab zugesagt seien und die Kinder im Laufe des Jahres eingewöhnt werden. Im Gebiet der Verbandsgemeinde gibt es insgesamt 1521 Plätze für das aktuelle Kindergartenjahr.

Wie wird die Anzahl der angebotenen Plätze ermittelt?
Die Höchstzahl an Plätzen hängt laut VG-Verwaltung mit der Größe des Kita-Gebäudes zusammen. Sobald feststeht, wie viele Kinder die Plätze belegen, müssen die Betreuungszeiten und der Personalschlüssel geregelt werden.

Wie hat sich der Bedarf in den vergangenen zehn Jahren verändert?
Der ist gestiegen. Brauchte die Stadt Grünstadt fürs Kindergartenjahr 2015/2016 noch 489 Plätze, waren es vor fünf Jahren schon 646 und im vergangenen Herbst 728. Gerade 2020 hat das laut Meyer zu einem Problem geführt, denn es gab nur 581 vorhandene Betreuungsmöglichkeiten in den Kindertagesstätten. Im Gebiet der Verbandsgemeinde ist die Anzahl der Kita-Plätze nur an wenigen Standorten stabil geblieben, darunter Quirnheim und die katholische Kita in Dirmstein. Darüber hinaus wuchs der Bedarf und infolge dessen die Plätze: 2015/16 konnten 1241 Kinder aufgenommen werden, fünf Jahre später 1321 Kinder. Inzwischen gab es noch einmal einen kräftigen Sprung auf die aktuellen 1521 Plätze.

Wie geht es weiter?
Sowohl Stadt als auch VG versichern: Die Provisorien sind keine Dauerlösungen. Beispielsweise ist in Grünstadt der Bau der neuen Kita in der Bitz geplant. Dort sollen 125 Betreuungsplätze entstehen, so Stadtsprecher. Das größte Problem dabei sei die Überbrückungszeit, denn es brauche etwa vier Jahre vom Beschluss bis zur Eröffnung. Danach allerdings sollen die Provisorien und die Kita Pfalzkitz dadurch abgelöst werden. Auch für Ebertsheim und Wattenheim gibt es Pläne: In beiden Ortsgemeinden sind neue Kitas geplant. In Ebertsheim sollen ebenfalls 125 Kinder in fünf Gruppen Platz finden, in Wattenheim soll eine neue Kita an der Grundschule entstehen.

Auch hier befindet sich inzwischen eine Kita-Gruppe: Rathaus Bockenheim.
Auch hier befindet sich inzwischen eine Kita-Gruppe: Rathaus Bockenheim.
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