Grünstadt
Völlig veraltet: So sprechen Lidl-Vertreterinnen über diese Pfälzer Filiale
Ihre erste Grünstadter Filiale eröffnete die Discounter-Kette im Jahr 1983 am Rand des Altstadt-Kerns in der Poststraße, 1998 wechselte der Lidl den Standort und zog ins Gewerbegebiet. Dort steht seither eine für diese Bauzeit typische Zweigstelle mit Satteldach, die sich Firmenangaben zufolge im Lauf der Jahre immer wieder verändert hat: Schon 2002 wurde sie demnach erstmals erweitert, 2010 bekam sie einen Tiefkühlzellen-Anbau, 2020 ist sie „innen schick gemacht“ worden. Doch mittlerweile beschreibt sie der Konzern trotzdem als veraltet.
Unnötige Lastwagen-Fahrten
Was sie alles an ihrer Grünstadter Filiale bemängeln, haben Firmenvertreterinnen nun dem Stadtrat erläutert. Ihren Angaben zufolge zwingt der Markt zum Beispiel zu unnötigen Lastwagen-Fahrten. Denn sein Lager ist so klein, dass nur überschaubare Mengen angeliefert werden können. Außerdem sei das Gebäude schlecht gedämmt, und es werde noch mit Gas beheizt. Es fehle an Platz fürs Personal, ein einziges Zimmer sei gleichzeitig Pausen-, Umkleide- sowie Besprechungsraum. Und auch die Kunden müssten sich mit Standards begnügen, die überholt seien.
Denn die Artikel stehen in hohen Regalen, deren oberste Fächer für manche Leute kaum erreichbar seien. Die Gänge wiederum seien so schmal, dass sie oft blockiert sind: Wenn etwa ein Wagen mit Ware fürs Einräumen hereingeschoben werde, kämen Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen nicht mehr durch. Damit sich das ändert, will Lidl das bisherige Sortiment auf merklich mehr Platz verteilen: Die Verkaufsfläche soll sich von knapp 1000 auf 1500 Quadratmeter vergrößern, dafür will der Konzern ein komplett neues Gebäude errichten.
Fläche schon 2023 gekauft
Die Voraussetzungen dafür hat die Discounter-Kette den Angaben zufolge bereits 2023 geschaffen. Da hat sie einen Teil ihrer Parkplatz-Fläche dazugekauft, der bis dahin nur gemietet war. Und sie hat den ehemaligen Netto-Markt erworben, der in der Obersülzer Straße auf einem Nachbar-Grundstück steht. Seit 2019 ist er geschlossen. Nun soll der verwaiste Laden für die künftige Lidl-Filiale abgerissen werden. Der Konzern verspricht einen Neubau mit niedrigeren Regalen, breiteren Gängen und allgemein angenehmerer Einkaufsatmosphäre.
Außerdem beteuerten die Firmenvertreterinnen, dass ihr Unternehmen beim Bau auf hohe ökologische Standards achte. Die Scheiben der großen Glasfassade etwa werden sich demnach automatisch verdunkeln, ehe sich das Gebäude zu sehr aufheizt. Angenehme Temperaturen soll zudem eine Wärmepumpe garantieren, den Strom eine Photovoltaik-Anlage auf dem begrünten Flachdach liefern. Und der Parkplatz werde mit E-Ladesäulen bestückt. Der bisherige Lidl-Markt wiederum soll stehenbleiben und für einen anderen, noch offenen Zweck benutzt werden.
Gibt’s eine Kunden-Toilette?
Im Rat bekam der Discounter-Plan viel Lob, Bedenken meldete vor allem die Grünen-Fraktionschefin Suanne Faust an. Ihr ging es etwa um Bewohner einer Pension, deren Grundstück ins Lidl-Gelände hineinragt. Die Lieferanten-Zufahrt für die neue Filiale soll an der Herberge entlangführen. Dirk Theobald aus der städtischen Bauabteilung versicherte daher, dass Gutachten den nötigen Lärmschutz garantieren würden. Der Sozialdemokrat Gregor Grzonkowski wiederum erkundigte sich nach dem Schicksal der DHL-Packstation, die bislang auf dem Markt-Gelände steht.
Eine der Lidl-Vertreterinnen versicherte daraufhin: Ihr Verbleib „sollte kein Problem sein, wir wollen sie nicht vom Grundstück vergraulen“. Noch etwas unverbindlicher blieb die Antwort, als Karin Schramm ein bisweilen besonders dringliches Kunden-Bedürfnis aufgriff. Die Christdemokratin fragte nach einer öffentlich zugänglichen Toilette im künftigen Markt, denn eine solche gebe es in der Umgebung des Standorts nicht. Die Discounter-Repräsentantin sagte daraufhin: „Wir nehmen das gerne mit. Die Planer sollen schauen, ob sie das unterbekommen.“
So lange dauert es noch
Am Ende hat der Rat das Lidl-Vorhaben einstimmig gebilligt, nun stehen jede Menge Formalien an. Denn im städtischen Einzelhandelskonzept und im Regionalplan für den Rhein-Neckar-Raum ist kein Markt-Neubau an dieser Stelle vorgesehen. Also müssen diese Regelwerke angepasst werden. Eine Münchener Beratungsfirma soll zunächst die Folgen für den Einzelhandel in Grünstadt und den Umland-Gemeinden analysieren. Bis die neue Filiale öffnet, werden laut Firma und Verwaltung wohl noch drei bis fünf Jahre verstreichen.