Sausenheim RHEINPFALZ Plus Artikel TuS verkauft Dorfgemeinschaftshaus: Was jetzt aus dem Gebäude wird

Es geht auch um ihre Zukunft: die Sausenheimer Gaststätte „Da Raffaele“.
Es geht auch um ihre Zukunft: die Sausenheimer Gaststätte »Da Raffaele«.

Der Verein kann die Sanierung nicht stemmen und kann das Gebäude jetzt verkaufen. Der Haken: Es dient auch als Domizil für andere Vereine und Treffpunkt der Einwohner. Wo sie künftig unterkommen und was der Käufer vorhat.

Schon lange ist das Sausenheimer Dorfgemeinschaftshaus in einem desolaten Zustand. Die Bausubstanz verfällt. Der Eigentümer, der örtliche TuS, kann die Sanierung nicht stemmen. „Das würde uns auch nicht mit Unterstützung der Stadt gelingen“, sagte der Vorsitzende Sascha Jackwerth am Mittwoch bei der außerordentlichen Generalversammlung in besagtem Gebäude. Der Vorstand hatte eingeladen, um über den Verkauf der Immobilie abstimmen zu lassen.

Jackwerth erläuterte die Situation. Die Ausgaben zum Unterhalt des Hauses nähmen von Jahr zu Jahr zu, klagte er. „Die Nebenkosten sind um circa 20 Prozent gestiegen, der Beitrag der Gebäudeversicherung wuchs von 2238 auf 2460 Euro.“ Allein im laufenden Jahr seien Reparaturen in Höhe von 6571 Euro angefallen, auch habe der Geschirrspüler für knapp 1000 Euro ersetzt werden müssen. Diesem Aufwand stünden an Erträgen nur die Pacht von 7680 Euro für die Gastwirtschaft „Da Raffaele“ gegenüber sowie Einnahmen aus Vermietungen, die sich übers Jahr auf wenige Hundert Euro summierten.

Heizung und Dach müssen neu

„Auch stehen Großreparaturen an, so unter anderem der Austausch der Heizung für circa 25.000 Euro“, so Jackwerth. Dringend erneuert werden muss zudem das Dach, das schon lange kaputt ist. Mit Grausen erinnert man sich noch an einen spektakulären Vorfall zur Fasnachtszeit 2017: Da mussten die Damen- und die Prunksitzung kurzfristig abgesagt werden, nachdem einen Tag vor den Veranstaltungen ein Teil der Decke im großen Saal eingebrochen war. Die Untersuchung damals hatte ergeben, dass eine Sanierung der mehr als 100 Jahre alten guten Stube Sausenheims ein Fass ohne Boden wäre.

Der TuS-Vorsitzende stellte die grundsätzliche Frage: „Ist es Aufgabe eines Sportvereins, ein solches Objekt zu betreiben?“ Um einen Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft vorzuhalten, sähen er und seine Vorstandskollegen andere Zuständigkeiten. Also habe man die schon länger im Raum stehende Idee weiterverfolgt, sich von dem ehemaligen Anwesen Bär zu trennen. Es seien Gespräche mit Vertretern der Institutionen geführt worden, die ein eingetragenes Nutzungsrecht haben: die Bauern- und Winzerschaft Grünstadt-Sausenheim, die Stadt und der Männergesangverein Liederkranz 1846. Das Ergebnis: Im Fall eines Verkaufs treten alle von ihrem Recht zurück.

Nur ein Kaufinteressent gemeldet

Über die Firma Immotas wurde das Dorfgemeinschaftshaus dann ausgeschrieben. Es meldete sich genau ein Interessent, Ahmad Khatib. Der studierte Elektrotechniker, der sich nach eigenen Angaben schon vor Jahren bei einer Feier in das Gebäude verliebt hat, möchte es zum 1. Januar erwerben. Er bietet 150.000 Euro, laut Jackwerth liegt die Bonitätsbestätigung der Bank vor. Auf eine entsprechende Frage aus der Versammlung erläuterte der frühere Ortsvorsteher Gerd Walther (SPD): „Wir hatten das Haus Ende der 1990er-Jahre für 400.000 Mark von der Stadt gekauft.“

Die stellvertretende TuS-Vorsitzende Petra Mayer sagte, dass der jetzige Zeitwert bei weniger als 80.000 Euro liege und betonte: „Wir sind mit 150.000 Euro gut bedient.“ Abteilungsleiter Michael Kohl hob hervor, dass der Verein mit dem Kaufpreis die Chance hätte, ein Clubheim direkt am Sportplatz zu errichten.

Investor will Haus selbst nutzen

Khatib will die Immobilie selbst nutzen. Der Palästinenser aus Schwäbisch Hall, der davon lebt, Immobilien zu kaufen, zu sanieren und zu veräußern, versicherte gegenüber der RHEINPFALZ, dass er in dem Anwesen zwei Wohnungen einrichten will: eine für sich und eine zweite zum Vermieten. Dass ihn die Instandsetzung des Gebäudes mehr als eine Million Euro kosten wird, schrecke ihn nicht ab. „Ich halte mein Versprechen, dass das Haus erhalten bleibt“, versicherte er.

Ahmad Khatib
Ahmad Khatib

Ebenso werde die Gaststätte „Da Raffaele“ weiterhin den Bürgern zur Verfügung stehen. Khatib sagte: „Familie Mazziotta kann sie so lange weiterpachten wie sie will.“ Zu dem Umstand, dass der TuS aktuell noch kein Domizil hat, in dem er künftig die Pilates-Übungsstunden abhalten und die Showtanzgruppe trainieren lassen kann, beteuerte er: „Ich habe Geduld.“ Jackwerth erklärte in der Mitgliederversammlung: „Wir dürfen über das Kaufdatum hinaus in die Räumlichkeiten.“ Das Gleiche gelte für den MGV, der (noch) kein Sängerheim habe. „Ich beginne nicht mit der Sanierung, bevor nicht alle draußen sind“, sagte Khatib, dem versprochen wurde, dass er nicht allzu lange warten muss.

Alternative: Alte Schule

Pfarrer Christopher Markutzik wollte eine Zeitangabe hören. Daraufhin erklärte die städtische Beigeordnete Natascha Bechert (FWG): „Der Stadt ist es wichtig, dass die bisherigen Nutzer bald wieder ein Domizil haben.“ Ortsvorsteher Sascha Schwalb (SPD) kann allerdings keinen Stichtag benennen. Ins Auge gefasst worden sei die Alte Schule, die aktuell der Kita als Ausweichquartier dient. „Am 14. November steht eine Ortsbegehung an“, so Schwalb. Mayer informierte, dass dort noch zwei ehemalige Klassensäle leerstünden.

Was ist, wenn die Besichtigung ergibt, dass die Alte Schule den Vereinen doch nicht zur Verfügung stehe, erkundigte sich ein Mitglied. Kohl meinte dazu: „Wir können nicht jedes Risiko ausschließen.“ Dann zeigte er in Richtung Decke und Dach und stellte klar: „Aber das größte Risiko ist das hier.“ Mit 53 Ja-Stimmen und fünf Enthaltungen wurde der Verkauf abgesegnet, wobei der Erlös nicht für laufende Kosten verwendet werden darf.

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