Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Tag der Artenvielfalt; Wespenspinne und Wilde Karde entdeckt

Eine Gottesanbeterin hat es sich auf dem Hut eines Teilnehmers bequem gemacht.
Eine Gottesanbeterin hat es sich auf dem Hut eines Teilnehmers bequem gemacht.

Rund 20 Naturfreunde entdeckten am Tag der Artenvielfalt seltene Tiere und Pflanzen auf dem Grünstadter Berg. Naturschutzbund und Pollichia hatten zum Rundgang eingeladen.

Der Naturschutzbund (Nabu) Eisenberg/Leiningerland und die Pollichia-Gruppe Donnersberg hatten am Sonntag zum Tag der Artenvielfalt auf den Grünstadter Berg eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein kamen rund 20 Interessierte, um zu erkunden, was da so alles kreucht und fleucht. Dass der Grünstadter Berg in Sachen Tier- und Pflanzenwelt ein echtes Naturjuwel ist, darüber wurde schon öfter berichtet. Trotzdem ist es jedes Mal erneut spannend und interessant zu sehen, was es alles gibt, zumal zu verschiedenen Jahreszeiten ganz unterschiedliche Pflanzen und Insekten anzutreffen sind.

Vor Beginn des Rundgangs werden Blöcke ausgeteilt, auf denen die gefundenen Arten notiert und später dem Artenfinder (https://artenfinder.rlp.de) mitgeteilt werden sollen. Einige der Teilnehmer sind Nabu- und Pollichia-Mitglieder, aber es gibt auch Gäste. Ute Vanhöf aus Sausenheim ist eine davon. „Ich spaziere seit 30 Jahren immer mal wieder über den Grünstadter Berg und mir scheint, dass die Natur artenreicher geworden ist“, meint sie.

Artenvielfalt hat eher abgenommen

Das kann Susanne Bentz, die Vorsitzende des Nabu Eisenberg/Leiningerland, nicht bestätigen. „Die Tierhaltung hat in den letzten Jahrzehnten abgenommen, es gibt kaum noch Wiesen und zudem säen Landwirte eiweißhaltige Gräser aus, damit ihre Tiere besser genährt werden – alles keine guten Voraussetzungen für Artenvielfalt, deshalb kann man eher davon ausgehen, dass es weniger Arten sind als noch vor einigen Jahren“, bemerkt sie.

Nichtsdestotrotz kann man auf dem Grünstadter Berg noch vieles entdecken. Tino Bastian (Nabu) findet beispielsweise einen Warzenbeißer. „Er hat mich in den Finger gezwickt, obwohl da keine Warze dran war“, sagt er lachend. Ein paar Meter weiter wird die erste Gottesanbeterin gesichtet, eine von vielen Exemplaren. Die Weibchen in Grün, die Männchen etwas kleiner und in Braun, jeweils anmutig und grazil, sitzen sie versteckt an Grashalmen. Eine hatte es sich auf dem Sonnenhut eines Teilnehmers bequem gemacht und wurde von ihm eine ganze Weile herumgetragen.

Silbergraue Bläulinge gesichtet

Gleich nebenan sitzt eine imposante Wespenspinne in ihrem Netz, sie kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Häufig werden silbergraue Bläulinge beider Geschlechter entdeckt, die Männchen in Silbergrau, die Weibchen in Braun, oft fliegen sie auch zusammen. „Das ist eine Italienische Schönschrecke, die erst seit Kurzem bei uns zu finden ist, sie braucht Wärme und offene Stellen im Gelände, beispielsweise naturbelassene Wege“, erklärt Anita Bastian, die zweite Vorsitzende des Nabu Eisenberg/Leiningerland.

Etwas weiter wird ein Kaisermantel gesichtet. „Wir sind jetzt in einem anderen Habitat mit Magerrasen, da kommen jetzt andere Schmetterlinge vor, auch der Perlmutterfalter“, erklärt Karin Schatz, Vorsitzende der Pollichia-Gruppe Donnersberg.

Auch die Flora auf dem Grünstadter Berg ist bemerkenswert. Es werden beispielsweise Zittergras und die Wiesen-Flockenblume, Mittlerer Wegerich und Ackerwinden, Sonnenröschen, Wolfsmilch, ein Hexenröhrling, weiße Graslilien, Weidenröschen, die Wilde Karde, die Lichtnelke, Schlehe mit blauen Früchten und Wilder Majoran entdeckt, um nur einige zu nennen.

Früher war Grünstadter Berg ein Korallenriff

„Auch Feuchtwiesen gibt es hier und dort ist der Lebensraum des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, dessen Lebenszyklus einzigartig ist, da sich die Larven in den Nestern von Ameisen entwickeln“, weiß Rüdiger Engling vom Nabu Eisenberg/Leiningerland.

Dass der Grünstadter Berg vor 20 bis 30 Millionen Jahren ein Korallenriff war, weiß Matthias Kroner von der Pollichia. „Man hat hier schon Haifischzähne und versteinerte Austern gefunden“, weiß er.

Dass auf dem Grünstadter Berg über 400 Arten leben, einige neue dazugekommen sind und viele wieder entdeckt wurden, bestätigt Anita Bastian. Die Fachleute vom Nabu und der Pollichia geben außerdem viele Ratschläge, wie man die Natur auf dem Grünstadter Berg und im heimischen Garten bewahren kann.

Zur Sache: Wichtige Verhaltensregeln in der Natur

Was muss ich tun/was sollte ich unterlassen, um die Natur zu bewahren?

1.

Müll mitnehmen beziehungsweise einsammeln und keinen Müll in Natur entsorgen

2.

Keine wilden Pflanzen ausgraben und mitnehmen

3.

Hunde nicht in Büsche laufen lassen, um Tiere dort nicht zu stören

4.

Auf Wegen gehen

5.

Kein Gartenschnitt in der Natur entsorgen – wegen der Ausbreitung von Neophyten und Nährstoffen

6.

Tüten mit Hundekot nicht im Gebüsch entsorgen, sondern mit nach Hause nehmen

7.

Mähen ist wichtig, aber bitte kleine Ecken stehen lassen

8.

Kein zu strenger Herbstputz im Garten – Pflanzenteile zum Überwintern für Insekten stehen lassen

9.

Im Privatgarten heimische Pflanzen und keine exotischen, tropischen odermediterranen Pflanzen anpflanzen

10.

Keine gefüllten Blüten, bei Rosen besser Heckenrosen
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