Steinborn
Stadtwald: Großes Chaos nach Kahlschlag
Wer in Steinborn den Ostring entlangfährt, wird sich an einer Stelle fragen, was da passiert ist. Auf einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern auf dem „Preußenköpfchen“ ist der Wald verschwunden. Stattdessen bedeckt eine dicke Schicht chaotisch übereinander liegender Zweige und dicker Äste den Boden. Wie Pfähle ragen einzelne Baumstämme, teils mit Efeu umrankt und in unterschiedlicher Länge, aus dem Durcheinander empor, hier und da auch der Rest eines Strauches. Was ziemlich wild wirkt, ist der Beginn des Projekts „Adamspfad“, wie der Leiter des Reviers Stumpfwald, Fabian Keck, erläutert.
In Kooperation mit der Verbandsgemeinde Eisenberg soll in Steinborn Niederwald entstehen: an unterschiedlichen Standorten auf insgesamt vier Hektar. 20 Jahre lang werden jährlich ungefähr 2000 Quadratmeter Forstfläche gerodet. „Wir haben bei uns zu 95 Prozent Hochwald, der dicht und dunkel ist“, erklärt der 36-Jährige. Das sei jedoch für viele Arten kein geeigneter Lebensraum. Für die Förderung der Biodiversität müssten lichte Bereiche geschaffen werden. Diese gelten dann als naturschutzfachliche Ausgleichsflächen für die Anlage des Barbarossa-Radwegs und für andere Versiegelungen rund um Eisenberg.
30 Festmeter Brennholz verkauft
Aber warum muss das Ergebnis so unansehnlich sein? Keck sagt: „Früher wurde nach Fällungen das komplette Holz aus dem Wald herausgeholt. Der dann nackt daliegende Boden war schutzlos und wurde ausgewaschen.“ Heute gehe man anders vor. Es werde großzügig gerodet. Anschließend würden lediglich die Stämme entnommen. „Hier waren es etwa 30 Festmeter, die wir als Brennholz abgegeben haben.“ Über den Verkaufserlös und die VG werden die Kosten des Projektes, die einige Tausend Euro betragen, gedeckt. Das übrige Schnittgut bleibe liegen. Durch das Sonnenlicht, das die Erde dank der Fällungen nun besser erreicht, würden uralte Samen keimen, Pappeln, Birken und Eichen pflanzten sich an, so Keck. Vereinzelt bleiben aber auch Bestands-Eichen stehen. „Die sollen alt werden und kräftig Eicheln abwerfen“, erläutert der Fachmann. Verschieden hohe Baumstümpfe bieten Vögeln Landeplattformen. „Dort können sie sitzen und abkoten, wodurch sie ebenfalls Samen verteilen“, sagt er. Hainbuche, Ahorn, Johannisbeeren und viele andere Gewächse hätten nun eine Chance, sich zu entwickeln und zu gedeihen.
Ansiedeln möchte der Revierleiter, der von einer Voll- und einer Teilzeitkraft unterstützt wird, auch Amphibien, Fische und Insekten. Deshalb sind entlang der rund 500 Meter langen Zufahrt zu den Eisenberger Klebsandwerken (EKW), die das Unternehmen saniert hat, vom Forst 19 Löcher angelegt worden. Sie füllen sich immer wieder mit Regenwasser und fallen zwischenzeitlich auch mal trocken. „Eine Stechmückenplage wird dadurch nicht entstehen“, ist Keck überzeugt. Denn schnell entdeckten Erdkröten, Molche und Grasfrösche, wenn’s gut läuft auch Gelbbauchunken, die kleinen Tümpel. Darüber hinaus erwartet der 36-Jährige räuberische Insekten wie Rückenschwimmer, Wasserläufer – ökologisch sehr wertvolle Wanzen – und auch Libellenlarven. Erste Anzeichen, dass die Erwartungen in Erfüllung gehen, gebe es bereits, meint er erfreut.