Wattenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer Straße: Gemeinde will keinen Schickimicki-Ausbau

Sie ist ein bunter Flickenteppich und muss nun grundsaniert werden: die Speyerer Straße in Wattenheim.
Sie ist ein bunter Flickenteppich und muss nun grundsaniert werden: die Speyerer Straße in Wattenheim.

Der Ausbau der Speyerer Straße in Wattenheim steht bevor. Der Rat hat deshalb über Details entschieden – und sich mit einem Gegner auseinanderzusetzen.

Wie im Juni 2022 beschlossen, wird die marode und viel befahrene Speyerer Straße für rund 1,67 Millionen Euro ausgebaut. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde über Gestaltungsoptionen beraten. Einig war man sich im Gremium, dass verantwortungsbewusst mit den Steuergeldern und den Wiederkehrenden Beiträgen der Wattenheimer umgegangen werden soll. „Wir wollen keine Schickimicki-Variante“, brachte es Hartmut Armbrust (SPD) auf den Punkt.

So ging es etwa um die Frage, ob sich die Gehwege farblich von der Fahrbahn abheben sollten. Bürgermeister Carsten Brauer (CDU) hielt ein Plädoyer dagegen: In dieser Straße sei es nicht angemessen beispielsweise rote Steine zu verlegen, meinte er. Da die Trottoire dann auch noch teurer werden würden – je nach Qualität um drei bis sieben Euro pro Quadratmeter – sei er dafür, auf diese Möglichkeit der optischen Strukturierung zu verzichten. Als Pflaster sollten größere Rechtecksteine und keine Knochensteine gewählt werden.

Besser keine Leerrohre verlegen

Bei der Beleuchtung sprach er sich für schaltbare Lampen aus. Auf Nachfrage von Matthias Nagel (WG Nagel) erläuterte er, dass diese unter anderem zu später Stunde aus- und früh morgens wieder angehen. Es könnte auch eine Nachtabsenkung eingerichtet werden, etwa auf 50 Prozent der Helligkeit zwischen 23 und 5 Uhr. Zum Hinweis, dass im Zuge des Ausbaus noch prophylaktisch Leerrohre verlegt werden sollten, erklärte Brauer: Glasfaser sei neu, Telekom, Werke und der Stromversorger ließen ihre Rohre drin. Weitere leere Exemplare zu vergraben koste zusätzlich Geld und falls sie irgendwann gebraucht würden, sei das jetzt gewählte Modell womöglich nicht mehr passend.

Thema war auch das ehemalige „Bankenviertel“, die große Kreuzung im Ortszentrum. Auf dem Platz an der Ecke zum Lochberg ist das Pflanzen eines Baums geplant, um dessen Stamm eine Rundbank gebaut werden soll. Andreas Werle (SPD) meinte, es dürfe kein Riesengewächs sein. Martin Heckel (parteilos) stellte aber klar, dass es zumindest ein hoher Baum sein müsse, mit einem geraden, astfreien Stamm, bei dem die Krone erst bei rund zwei Metern beginne. Sonst könne man die Sitzplätze kaum nutzen. Der Kreuzungsbereich soll nach aktueller Planung im März/April 2027 saniert werden. Brauer informierte, dass in dem Zusammenhang die Bushaltestelle in die Tiefenthaler Straße, Ecke Mühlweg, versetzt wird.

Einwohnerversammlung vor den Ferien

Der zweite, circa fünf Monate dauernde Bauabschnitt zwischen der Haupt- und der Hochgerichtsstraße werde voraussichtlich im Mai in Angriff genommen. Im weiteren Verlauf der Speyerer Straße bis zur Einmündung der Friedhofstraße soll der Ausbau bis Ende nächstes Jahr abgeschlossen sein. Nach einer längeren Winterpause stünde dann noch ein Stück Speyerer Straße bis zum Haardtblick auf der Agenda: von März bis Mai 2028. Um ein bisschen Erleichterung bei der Parkplatzsuche zu schaffen, sollten einige Poller vorübergehend entfernt werden.

„Über mehrere Wochen wird die Kita nicht anfahrbar sein – weder für Mitarbeiter noch für Zulieferer und Eltern“, schaute der Bürgermeister auf „eine unbequeme Zeit, die aber ein Ende haben wird“. Hartmut Armbrust (SPD) mahnte: „Wir brauchen ein exaktes Konzept für die Umleitungen. So etwas wie in Kirchheim darf uns nicht passieren.“ Brauer kündigte eine Einwohnerversammlung „noch vor den Sommerferien“ an.

„Vermögen wird nicht vernichtet“

Auf Behauptungen von Ausbau-Gegner Otmar Breitwieser, der einmal mehr die Einwohnerfragestunde für einen Meinungsbeitrag missbrauchte, ging der Ortschef schon zu Beginn der Sitzung ein. Zur These, dass mit der Sanierung Vermögen vernichtet werde, erklärte Brauer: „Es ist genau das Gegenteil der Fall.“ Die Speyerer Straße sei über die Jahrzehnte komplett abgeschrieben worden und stehe aktuell mit einem Euro in den Büchern. Durch den Ausbau bekomme sie wieder einen hohen Vermögenswert.

Zur Kritik, dass Kosten entstehen, die von den Wattenheimern zu tragen seien, stellte er klar, dass die Kommune gesetzlich zur Erhebung von Wiederkehrenden Beiträgen verpflichtet sei. Reparaturen seien im Übrigen auch nicht kostenlos für die Bürger. „Wenn wir die Straße für 250.000 bis 300.000 Euro flicken, sind wir gezwungen, den Aufwand im selben Jahr gegenzufinanzieren. Das bedeutet, dass wieder die Hebesätze für die Grundsteuer B steigen müssten“, so Brauer. Außerdem lasse sich ein Verkehrsweg nur über eine begrenzte Zeit reparieren. Irgendwann sei so viel kaputt und hätten sich die technischen Anforderungen (etwa aufgrund schwererer Fahrzeuge) derart verändert, dass man um eine Grundsanierung nicht herumkomme.

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