Grünstadt / Leiningerland / Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel „Sonst hätte ich aufgehört“: Wo die gesenkte Gastro-Steuer Existenzen rettet

Ab Januar 2026 gilt in der Gastro ein reduzierter Steuersatz von sieben Prozent – zur Erleichterung vieler Gastronomen.
Ab Januar 2026 gilt in der Gastro ein reduzierter Steuersatz von sieben Prozent – zur Erleichterung vieler Gastronomen.

Aufatmen in der Gastronomie: Die Steuer auf Speisen ist gesunken. Trotzdem kämpfen manche Betriebe weiter ums Überleben. Was das für Gäste im Raum Grünstadt bedeutet.

Essengehen könnte jetzt eigentlich wieder günstiger werden: Für Getränke werden in der Gastronomie zwar weiter 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig, für Speisen hingegen ist der Satz zum Jahreswechsel auf sieben Prozent gesunken. Darüber ist Sibylle Völker-Krieger sehr froh: „Wäre die Steuersenkung nicht gekommen, hätte ich aufgehört.“ Die erfahrene Gastronomin führt das Restaurant „Am Bienenbrunnen“ in Sausenheim und hat ein Problem: steigende Nebenkosten. Deshalb hat sie die Preise für die Kunden jetzt trotz Steuersenkung nicht reduziert. Das Geld braucht sie unter anderem für Strom, Gas und für die Wäscherei. „Jeder schlägt auf“, betont sie. Ihre Kartenpreise erhöhen will sie nicht: „Von der Lage her ist mein Restaurant am hinteren Zipfel.“ Da merkt sie den Konkurrenzdruck umso mehr. „Wenn ich zu teuer werde, bleiben die Leute weg.“

Restaurantchef: „Keine Beschwerden“

Die Gastronomin arbeite hart, bis zu 60 Stunden pro Woche. Finanziell bleibe aber immer weniger bei ihr hängen. Und „für nichts arbeiten“ wolle sie nicht. Die Senkung der Steuer hält sie für konsequent. Nur: Wird es für ihren Betrieb reichen? Völker-Krieger sagt: „So schlimm war es noch nie.“

Ardit Xhevaka vom Gasthaus „Zum Engel“ in Neuleiningen ist für die Steuersenkung dankbar, denn obwohl das Geschäft läuft, seien die Kosten für den Betrieb nach oben gegangen: „Es sind Strom und Gas, aber auch die Kosten beim Einkauf.“ Die Speisepreise gesenkt hat sein Gasthaus nicht.

Ausnahme davon ist das „Kabale und Liebe“ in Grünstadt. Chef Simon Michel spricht wegen der Steuersenkung von einer „großen Erleichterung“. Bisher habe der Betrieb zwar „am Limit“ gearbeitet, doch die reduzierte Steuer soll nun den Gästen zugutekommen, wie er sagt. Allerdings ist er vorsichtig. Die gesamte Steuersenkung könnte er nicht weiterreichen. Immerhin habe er auch mit höheren Kosten zu kämpfen, unter anderem mit Preisanpassungen von Lieferanten, etwa beim Bier. Michel bekräftigt: „Wäre die Senkung nicht gekommen, wäre es für uns schwierig geworden.“ Die Preise für Speisen erhöhen wolle er nicht. „Irgendwann ist da Schluss.“ Aus Kundensicht versteht Michel das auch: „Wer möchte schon ein Schnitzel für 22 oder 23 Euro kaufen?“

Thomas Charlier, Geschäftsführer des „Pfalzhotels“ in Asselheim, sagt: „Sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insgesamt stabilisieren, schließen wir punktuelle Anpassungen in der Zukunft nicht aus. Aktuell verstehen wir die Steuersenkung jedoch eher als ein Instrument zur Stabilisierung des Betriebs – nicht als direkten Preishebel für unsere Gäste.“

Kein Kaffee zum Abschluss

Anne-Kathrin Wiehler, Geschäftsführerin des „Waldhotels“ in Eisenberg sagt: „Die Steuersenkung ist kein Geschenk an die Gastronomie.“ Sie sei längst überfällig und die Diskussion darüber schon vor der Pandemie geführt worden. Sie diene vielmehr der Gerechtigkeit. Denn es sei unfair, dass auf Speisen, die geliefert oder selbst abgeholt werden, schon lange sieben Prozent Mehrwertsteuer gelten. Sie ist daher froh über die Senkung.

Anne-Kathrin Wiehler ist Geschäftsführerin des Waldhotels in Eisenberg.
Anne-Kathrin Wiehler ist Geschäftsführerin des Waldhotels in Eisenberg.

Wiehler hat eine Veränderung im Verhalten der Gäste beobachtet. Im vergangenen Jahr sei deutlich geworden, dass viele Menschen sparsamer geworden sind: „Sie gehen seltener essen.“ Dennoch kommen viele Besucher zu besonderen Anlässen ins Waldhotel-Restaurant, etwa für Geburtstagsfeiern. An solchen Tagen gönnen sich die Gäste weiterhin eine Vorspeise oder ein Dessert.

Anders sieht es bei den Getränken aus. Hier wird zunehmend gespart: Die Gäste trinken weniger Alkohol, und auch der Kaffee nach dem Essen wird oft ausgelassen, berichtet Hotelleiterin Jennifer Frueht.

Sternekoch Manfred Schwarz vom „Schwarz Restaurant“ in Kirchheim teilt diese Beobachtungen. „Der Umsatz geht zurück. Die Gäste bestellen keine ganze Flasche Wein, sondern bloß ein Glas oder nur drei Gänge statt vier.“ Auch den Aperitivo ließen sie oft aus: „Den trinken sie zu Hause.“

Dehoga erwartet Stabilisierung

Was so manche Gastronomen im Leiningerland beschreiben, deckt sich mit Angaben der Dehoga. Gereon Haumann, Präsident des Verbandes Deutscher Hotel- und Gaststätten in Rheinland-Pfalz, rechnet dieses Jahr mit einem Rückgang an Insolvenzen in der Gastrobranche. „In den letzten Jahren hatten wir eine Insolvenzwelle“, so der Präsident. 2025 waren es 600, im Jahr davor 500. Grund seien die steigenden Kosten. Der Verbandschef sieht drei Faktoren als ausschlagend: „Löhne, Energie und Lebensmittel.“ Ohne die Steuersenkung hätten weitere Betriebe schließen müssen.

Der Verband rät Gaststätten nun, ihre Preise anhand eines Dreiklangs zu überprüfen: dass der Gast ihn akzeptiert, dass die Personalkosten gedeckt werden und dass der Unternehmer davon leben kann. Sollte es dann noch Luft geben, könnten Preise für den Kunden gesenkt werden. Der Fokus müsse allerdings auf dem Überleben des Betriebes liegen. Haumann erinnert: Nutzen Gastronomen das Geld stattdessen für Investitionen, profitieren am Ende auch die Gäste.

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