Kleinkarlbach RHEINPFALZ Plus Artikel So trotzt eine 100 Jahre alte Gärtnerei der Baumarkt-Konkurrenz

Führt den Familienbetrieb in dritter Generation: Klaus Keller mit seiner Frau Katy und Tochter Hannah.
Führt den Familienbetrieb in dritter Generation: Klaus Keller mit seiner Frau Katy und Tochter Hannah.

Sein Großvater hat den Betrieb gegründet, Klaus Keller musste ihn radikal umstellen. Nun sagt der Gärtner: Die Nachfrage ist so groß, dass er kaum hinterherkommt.

23 Jahre war Karl Keller alt, als er in der Kleinkarlbacher Hauptstraße 87 eine Gärtnerei gründete. 100 Jahre später erzählt sein Enkel Klaus: „Er war auf den Verkauf von Blumen- und Gemüsesamen spezialisiert, bevor er sein erstes Gewächshaus mit Stahlrahmen aus der Schmiede Herold aus Bad Dürkheim und Glas von der Firma Karl Schröder aus Hannover baute.“ Später stieg Karls Sohn Albert Keller in die Gärtnerei ein. Bis 1967 führten beide Männer sie gemeinsam, danach machte der Vater des jetzigen Inhabers alleine weiter.

Mit eigenem Weinberg

„Mein Vater machte 1970 seinen Meister und baute den Anbau und Verkauf von Gemüse und Jungpflanzen sowie den Blumenverkauf aus“, erzählt Klaus Keller. Zusätzlich erwarb er zwei Hektar Weinbergsfläche, die bis heute bewirtschaftet wird. Bis ins Jahr 2000 leiteten Klaus Keller und sein Vater die Gärtnerei gemeinsam. Dann setzte sich der Seniorchef zur Ruhe, Klaus Keller übernahm die Gärtnerei in dritter Generation. Im Lauf der Jahre wurde das erste Gewächshaus abgerissen und durch ein neues ersetzt, anstelle der Frühbeetkästen traten zwei Foliengewächshäuser.

Er selbst habe sein Fachwissen auf Fortbildungen stetig erweitert – und die ursprüngliche Geschäftsidee der Gärtnerei komplett umgestellt, um am Markt bestehen zu können, sagt Klaus Keller. „Der Blumenverkauf wird immer schwieriger, vor allem durch die Konkurrenz aus den Bau- und Pflanzenmärkten“, bemerkt er und ergänzt: „Die Gärtnerei in ihrer ursprünglichen Form weiterzuführen, wäre nicht mehr rentabel gewesen. Also musste ich mich umstellen und bin inzwischen auf Dienstleistungen im Gartenbereich spezialisiert.“

Einsätze in Privatgärten

Unter Dienstleistungen verstehe er beispielsweise die Friedhofsgärtnerei in Kleinkarlbach, Sausenheim, Battenberg, Neuleiningen und Kirchheim, die Grünflächenpflege der Friedhöfe in Dackenheim, Herxheim, Obersülzen und Kleinkarlbach, die Trauerfloristik sowie im Frühling Schneid- und Pflegearbeiten auch in Privatgärten. „Die Nachfrage ist gewaltig, ich komme fast nicht rum“, sagt er. Zur Friedhofsbetreuung gehöre auch das Gießen jeden zweiten Tag, das Mähen der Grünflächen und die Unkrautbeseitigung sowie die anstehenden Beerdigungen.

Dazu komme das Gießen der Pflanzen zu Hause in der Gärtnerei, was schon mal zweieinhalb Stunden dauern kann. „Man muss bei der Gärtnerei dabei wohnen, anders geht das gar nicht“, meint seine Frau Katy, die als Erzieherin tätig ist. Mit einer festangestellten Aushilfskraft und freiwilligen Helfern meistert Keller sein Geschäft, die Gärtnerei selbst ist nur noch in der Saison vom 30. April bis 13. Juni donnerstags bis samstags von 8 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. „Meine Tochter Hannah hat nach ihrem Abitur ein halbes Jahr bei mir gearbeitet, um zu sehen, wie das ist. Aber sie hat sich am Ende für ein Studium entschieden und sie hat dabei meine volle Unterstützung“, erzählt er.

Noch acht Jahre bis zur Rente

Hannah wiederum sagt: „Das halbe Jahr hat schon Spaß gemacht, aber ich könnte den Gärtner-Beruf niemals mit dieser Leidenschaft und Liebe ausführen, wie mein Vater das macht. Deshalb hab ich mich für das Wirtschaftspsychologie-Studium entschieden.“ Katy Keller beschreibt ihren Mann so: „Ich kennen niemanden, der so sehr mit Leib und Seele seinen Beruf ausübt, Tag und Nacht erreichbar ist, immer alles unter einen Hut bekommt, alle Termine, alle Arbeiten, dabei ruhig bleibt, bodenständig, einfach und unkompliziert ist und eine Engelsgeduld hat – ich kenne niemanden, der nicht mit ihm kann.“

Keller selbst, Jahrgang 1968, will in acht Jahren in Rente gehen. Er sagt: „Natürlich würde ich mir wünschen, jemanden zu finden, der den Betrieb übernimmt, aber wenn nicht, habe ich vor, ihn aufzulösen.“

Zur Jubiläumsfeier an diesem Wochenende wird es einen Sonder-Riesling des Weinguts Christoph Hammel aus Kirchheim geben. Keller hat sie eigens für sein Fest abfüllen lassen. Die Besucher dürften sich außerdem auf Alpakas von der Läufertsmühle freuen sowie auf den Verkauf von Beet- und Balkonblumen. Gefeiert wird am Samstag von 10 Uhr bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 16 Uhr.

Klaus Keller als kleines Kind in der Gärtnerei seiner Eltern.
Klaus Keller als kleines Kind in der Gärtnerei seiner Eltern.
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