Grünstadt / Wattenheim RHEINPFALZ Plus Artikel So marode ist hier die A6-Fahrbahn

Hier soll der Verkehr auf die Gegenfahrbahn wechseln: Arbeiter bauen auf der A6 bei Grünstadt einen Übergang in den Mittelstreif
Hier soll der Verkehr auf die Gegenfahrbahn wechseln: Arbeiter bauen auf der A6 bei Grünstadt einen Übergang in den Mittelstreifen.

A6-Abschnitte bei Grünstadt werden nun jahrelang saniert. Dabei finden viele Autofahrer: Die Strecke sei noch gut. Der Baustellen-Planer erklärt, warum das falsch ist.

Die A6 zwischen Frankenthal und Kaiserslautern gehört zu den wichtigsten Verkehrsachsen der Pfalz: Im Schnitt donnern hier laut amtlicher Zählung täglich knapp 50.000 Fahrzeuge über den Asphalt, der Schwerlast-Anteil liegt bei knapp 17 Prozent. Umso herausfordernder wird’s daher, wenn sich so ein Abschnitt in eine Großbaustelle verwandelt. Im Leiningerland passiert das seit Anfang Juni: Bis in den Herbst hinein wird unmittelbar vor der Anschlussstelle Grünstadt ein etwa ein Kilometer langer Abschnitt der Fahrbahn in Richtung Mannheim saniert.

Hauptquartier in Wattenheim

Noch dicker kommt es dann im nächsten Jahr: Von März 2026 an sind bis in den Sommer 2027 die nächsten vier Kilometer an der Reihe, der Baustellen-Abschnitt wird sich dann von Grünstadt aus bis in Höhe der Dörfer Laumersheim und Großkarlbach erstrecken. Und danach wird eine dritte Phase folgen, in der die Fahrbahn in Richtung Westen auf 3,4 Kilometern erneuert wird. Chefplaner dieses strammen Sanierungsprogramms ist Jens-Uwe Tesch-Veil, der als Abteilungsleiter der Autobahn GmbH zusammen mit elf Kollegen Baustellen im weiten Umkreis betreut.

Chefplaner für die Großbaustelle auf der A6: Jens-Uwe Tesch-Veil.
Chefplaner für die Großbaustelle auf der A6: Jens-Uwe Tesch-Veil.

Zuständig sind er und seine Kollegen für die A63 zwischen Kaiserslautern und dem Alzeyer Kreuz, für die A61 zwischen Koblenz und dem Kreuz Frankenthal – und für die A6 bis zur Ausfahrt Kaiserslautern-West. Wenn auf dieser Strecke etwas ansteht, sind die Wege für sie vergleichsweise kurz. Denn als Hauptquartier dient ihnen das Wattenheimer Betriebsgelände der Autobahn GmbH. Dort beginnt eine Sanierung schon lange bevor der erste Bagger anrollt: Die anstehenden Arbeiten müssen detailliert geplant, in Lose unterteilt und in Ausschreibungen vergeben werden.

„Eigentlich schon überfällig“

Dass nun ausgerechnet rund um Grünstadt so umfassend gebaut wird, leuchtet dabei nicht jedem ein. Tesch-Veil hingegen rechnet vor, wann da wo und welchem Umfang die Fahrbahn zuletzt erneuert worden ist. Er erläutert: Je nach Belastung ist eine Autobahn-Oberfläche nach zehn bis 15 Jahren hinüber. Und er versichert: „Wir kennen unsere Strecken. Eigentlich ist die Sanierung hier schon überfällig.“ Dann deutet er von der schon gesperrten Zone rechts und links des Mittelstreifens aus auf verschiedene dunkle Stellen im Belag der Fahrbahn in Richtung Osten.

Gestopfte Löcher und Risse im Belag: Schadstellen in der Sanierungszone.
Gestopfte Löcher und Risse im Belag: Schadstellen in der Sanierungszone.

Zu entdecken sind dort Schlaglöcher, die einstweilen nur mit Kaltasphalt geflickt worden sind. Und feine Risse, die wie Spinnennetze den Belag durchziehen. Tesch-Veil erläutert: „Wenn Sie da mit 80 oder mehr drüberfahren, bemerken Sie das noch gar nicht. Aber hier dringt Wasser ein.“ Das würde die Oberfläche irgendwann aufplatzen lassen. „Und dann ist es zu spät. Wenn alles kaputt wäre, müssten wir komplett sperren.“ Doch der Verkehr muss weiter fließen können, das ist für die Baustellen-Planer oberstes Gebot – nach dem sich nun auch die Arbeitsabläufe zu richten haben.

Problemzone Grünstadt-Abfahrt

Damit für jede Fahrtrichtung wenigstens zwei verschmälerte Spuren übrig bleiben, werden derzeit in einem ersten Schritt Überfahrten in den Mittelstreifen gebaut. Über sie wird später ein Teil des in Richtung Mannheim rollenden Verkehrs auf die Gegenspur und am Baustellen-Ende dann wieder zurück auf die eigene Trasse gelenkt. Kompliziert ist das zum Beispiel wegen der Entwässerung: Bei Grünstadt fließt das Wasser von der nördlichen Fahrbahn aus in Richtung des Mittelstreifens. Also muss die Kanalisation dort so angepasst werden, dass die Ausweich-Passage nicht volläuft.

Hier müssen auch die Abflüsse angepasst werden: Das Wasser der Fahrbahn fließt in den Bereich des Baustellen-Übergangs im Mittel
Hier müssen auch die Abflüsse angepasst werden: Das Wasser der Fahrbahn fließt in den Bereich des Baustellen-Übergangs im Mittelstreifen.

Zu den Spezialproblemen dieser Baustelle gehört außerdem, dass sich bis in den Bereich der Grünstadter Anschlussstelle erstreckt. Am einfachsten wäre es, die für die Arbeiten zu sperren. „Manchmal machen wir das tatsächlich so“, sagt Tesch-Veil. „Aber hier geht das einfach nicht.“ Der Chefplaner verweist auf die vielen Lastwagen, die etwa zu den Logistik-Zentren von Metro und Aldi rollen. Und auf die vielen Ausflügler, die an Wochenenden an die Weinstraße fahren. Also wird die Anbindung allenfalls kurzzeitig, etwa nachts oder an Wochenenden dichtgemacht werden.

Notpiste als Verbindung zur B271

Der Preis dafür ist ein noch mal gesteigerter Aufwand. Vorbereitungen lassen sich schon im Grün-Dreieck zwischen Ab- und Auffahrtsast auf der Südseite erahnen: Dort ist im Gras mit Holzpfosten der Verlauf einer Trasse abgesteckt. Denn zwischendurch wird auf der Autobahn auch der Bereich direkt an der eigentlichen Abzweigung aufgegraben sein. Über eine noch zu bauende Ausweich-Piste werden die Fahrzeuge in scharfer Kurve die A6 dann trotzdem in Richtung B271 verlassen können. Doch mit allgemeiner Anerkennung für solche Bemühungen rechnet Tesch-Veil nicht.

Im Gras des Grün-Dreiecks deuten Holzposten schon die Trasse an: Damit die Abfahrt nutzbar bleibt, wird eine Notspur gebaut.
Im Gras des Grün-Dreiecks deuten Holzposten schon die Trasse an: Damit die Abfahrt nutzbar bleibt, wird eine Notspur gebaut.

Er sagt: Sich von verärgerten Autofahrern beschimpfen zu lassen, gehört für ihn, für seine Kollegen und auch für die Bauarbeiter zum Geschäft: „Da ist man schon mal froh, wenn man nicht aus einem Auto heraus mit einer Getränkedose beschmissen wird.“

Die Leitplanken im Mittelstreifen sind schon abgebaut: Sanierungszone der A6 bei Grünstadt.
Die Leitplanken im Mittelstreifen sind schon abgebaut: Sanierungszone der A6 bei Grünstadt.
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