Kleinkarlbach
Schon 1000 Stunden investiert: Wie diese Senioren Ihr Dorf verschönern
Morgens, 9 Uhr, in Kleinkarlbach. Die Sonne strahlt vom Himmel auf den Dorfplatz, wo bereits sieben Männer warten. Sie unterhalten sich angeregt, wobei es ihnen bei diesem Treffen offensichtlich nicht nur um den Plausch geht. Sie tragen Arbeitsmontur: Warnwesten, praktische Hosen, feste Schuhe. Schon die Kleidung sagt, dass heute angepackt wird. Es handelt sich um die „Rentnergäng“, eine Gruppe tüchtiger Senioren, die sich organisiert hat, um ihr Dorf mitzugestalten. Sie setzen ehrenamtlich das um, was im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegt, jeden zweiten Montag, immer um 9 Uhr.
Hilfe bei Vorbereitung von erstem Osterfeuer
An diesem Morgen ist das Bepflanzen von Beeten dran und das Verschönern des Brunnens am Dorfplatz. Und damit geht’s auch direkt los: Schon biegt ein kleiner Trekker um die Ecke, auf dessen Anhänger sich ein grünes Tannenkonstrukt aus Plastik befindet. Erstmals soll es nämlich einen Osterbrunnen geben, sagt Karl Wilhelmy, Beigeordneter in der Ortsgemeinde und rühriges Mitglied der Truppe. Am Samstag, 4. April wird es ein Osterfeuer im Ort geben, organisiert von den Suppenkaspern, einer weiteren Gruppe Freiwilliger, die einmal monatlich ein Mittagessen für die Einwohner im Dorfgemeinschaftshaus anbietet.
Beide Initiativen sind aus der Dorfmoderation hervorgegangen, bei der Ideen zur Weiterentwicklung gesammelt wurden. Seit 2023 tut die „Rentnergäng“ ihr Werk. Uwe Bölger, seit acht Jahren im Ruhestand, hat bereits vorher ausgeholfen, wenn Not am Mann war, beispielsweise als ein Unbekannter einen Pfosten am Brückengeländer nahe des Dorfgemeinschaftshauses umgefahren hat. Der inzwischen 70-Jährige hilft bis heute im Rahmen der Gruppe.
Nicht nur meckern, auch machen
Dieter Sattler, nochmal sieben Jahre älter als Bölger, erklärt auch, warum sich das lohnt: Nicht nur, dass die Männer der Gemeinschaft mit ihrem Engagement etwas zurückgeben können, sie helfen auch bei der Verschönerung des Dorfs – und haben Spaß dabei. Außerdem: „Wir dürfen nicht nur meckern, sondern müssen auch machen.“
Ideen, was der Rentnertrupp erledigen kann, kommen laut Sattler aus dem Dorf, überwiegend aber aus der Runde. Wichtig sei, ergänzt Wilhelmy, dass die Männer nur das machen, was sie mit ihren Mitteln und ihrer Ausrüstung schaffen können. Und dem Dorfhelfer, der eigentlich für Handwerkliches angestellt ist, wollten sie keine Konkurrenz bieten.
Wenn etwas benötigt wird, zahlt die Ortsgemeinde, wobei sich die Beträge in Grenzen hielten – und auch mit Leader-Fördermitteln sei manches Gerät beschafft worden, so Wilhelmy. Dieser sieht seine Aufgabe als Schnittstelle zur Ortsgemeinde, um Sorgen und Nöte weiterzugeben oder Aufträge zu sammeln. Er betont aber, dass die Gruppe unpolitisch ist. Das Ziel sei schließlich ein gemeinschaftliches, bei dem Parteizugehörigkeit keine Rolle spielt. Acht Männer sind insgesamt aktiv, wobei nicht jeder immer Zeit hat.
Mehr als 1000 Arbeitsstunden
Doch es braucht auch nicht alle, um erfolgreich zu sein, wie die lange Liste an Projekten zeigt, die schon umgesetzt sind. Bereits im ersten Jahr, 2023, waren es 17 Arbeitseinsätze, darunter das Richten mehrere Geländer, das Fällen von Bäumen und das Setzen von Blumenkästen. Oft geht es um praktische Arbeiten wie das Heckenschneiden oder Reparaturen, aber auch zur Verschönerung des Orts hat die „Rentnergäng“ schon einiges beigetragen. Das Gestalten des Rundwegs in Kleinkarlbach hat die Gruppe beispielsweise erledigt – oder das Aufstellen der Bank am Regiomaten direkt am Eckbach. Auch dieses Jahr haben die Männer schon 62 Stunden geackert, ehrenamtlich. Insgesamt kommen sie auf 1050 Stunden in 74 Einsätzen. Ein Ende ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Bei all dem Tatendrang und der guten Laune bekommt die Gruppe noch so einiges in Kleinkarlbach erledigt.