Eisenberg
Schnieder in Eisenberg: Warum er einen Tag vor seiner Wahl ins Amt dort war
Kaum war er angekommen, stand er schon in der Menge: Zur Jubiläumsfeier des CDU-Gemeindeverbands Eisenberg, der am Sonntag sein 80-jähriges Bestehen gefeiert hat, ist auch der designierte rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder gekommen – einen Tag vor der konstituierenden Sitzung des Landtags und seiner Wahl ins neue Amt. Aufseiten der Basis sorgte das für viel Stolz: Als sich Schnieder in einer längeren Ansprache an die Anwesenden richtete, erntete er stehende Ovationen. Auch Martin Conradt, Vorsitzender des Gemeindeverbands, betonte, welch Ehre es sei, Schnieder zu Gast zu haben: „Es zeigt eine echte Verbundenheit mit der Parteibasis.“
Schnieder: Bodenhaftung beibehalten
Und die betonte Schnieder auch selbst. Er habe die Teilnahme an der Veranstaltung zugesagt, „und was man verspricht, hält man“. Er dankte den Parteimitgliedern, aber auch den lokalen Akteuren für ihr Engagement und erinnerte an die nötige Stetigkeit, die es brauche, um das Land voranzubringen und erfolgreich zu sein: „Es kommt nicht nur auf heute und morgen an.“ Vor diesem Hintergrund sehe er den Wahlsieg der CDU nicht als „Triumph“. Er starte mit Demut in die neue Rolle, die er ab Montag übernehmen wird: „Diese Ehrfurcht möchte ich beibehalten.“
In diesem Zusammenhang blickte er zurück auf seine politischen Anfänge in Gemeinderat und Kreistag sowie seine Zeit als Bürgermeister. All das erde ihn und bringe Bodenhaftung mit sich, die „gerade in der heutigen Zeit“ wichtig sei. Deshalb sei er auch nach Eisenberg gekommen, denn der Austausch mit den Menschen vor Ort und die „Verwurzelung“ in der Partei habe für ihn weiterhin Relevanz. „Wenn es Kritik gibt, ist mein Handy wie bisher offen für Anrufe und Nachrichten, auch wenn es mal zwei Tage dauert, bis ich antworte“, sagte er mit einem Augenzwinkern.
Gründungsgeist für Partei entscheidend
Frank Burgdörfer, Kreisvorsitzender der CDU, lobte Schnieders Zugänglichkeit und die Basisnähe, warnte ihn aber, sich nicht zu überlasten: „Übertreib’s nicht.“ Er erinnerte an die Gründungsgeschichte des CDU-Gemeindeverbands, den es tatsächlich noch gar nicht so lange gebe, denn wegen der kommunalen Reformen haben sich aus den Ortsverbänden erst in den vergangenen Jahrzehnten der Gemeindeverband geformt. Den 80. Geburtstag feierten laut Burgdörfer die drei Ortsverbände Stauf, Ramsen und Eisenberg. Auch andernorts im Donnersbergkreis gebe es bereits seit 80 Jahren Ortsverbände, weshalb sich der Kreisverband bei der Feier angeschlossen habe. Er betonte vor den Mitgliedern noch einmal den Geist der CDU nach deren Gründung, wonach es heißt, es gehe darum, alles Trennende zurückzulassen und als Partei mit den übrigen demokratischen Parteien am Aufbau des Landes zu arbeiten. Diese Haltung habe Schnieder in seinem Wahlkampf bewiesen, die Koalitionsverhandlungen mit der SPD seien „brüderlich“ verlaufen.
Auch bei den geehrten Kreisverbandsmitgliedern war eine Aufbruchstimmung erkennbar – und in Teilen eine kritische Haltung gegenüber der Bundes-CDU. „Unsere Partei hat etwas auf den Weg gebracht. Es wäre schön, wenn das im Bund auch so wäre“, sagte Joachim Lehning, der seit 50 Jahren Mitglied ist und aus Gonbach kommt. Seine Parteikollegin Birte Strack aus Ramsen, 25 Jahre dabei, beobachte den Regierungswechsel mit Spannung. Im Landeswahlkampf seien wichtige Themen angesprochen worden sind, darunter die Familienthemen. Die sollte die Partei sichtbarer machen. Manfred Sohn aus Rockenhausen hat in seinen 55 Jahren Mitgliedschaft das Wachstum der CDU erlebt. Er erinnert sich an Zeiten, in denen sein Ortsverband nur 21 Mitglieder und drei Stadträte hatte.
Bundespolitik erschwere regionale Parteiarbeit
Gemeindeverbandsvorsitzender Conradt zeigt sich ebenfalls über den Erfolg seiner Partei erfreut – und bemängelt im Umkehrschluss, dass die Bundespolitik die Arbeit des Gemeindeverbands erschwere. Der sei zwar geprägt von gutem Zusammenhalt, allerdings nehme das Geschehen in Berlin Einfluss auf dessen Arbeit. Mit Veranstaltungen und mehr Aktivität vor Ort wolle er dagegenhalten – beispielsweise mit der Jubiläumsfeier. Grundsätzlich zeigte er sich zufrieden über die aktuelle Lage im Land: „Wir waren lange in der Opposition und ich empfinde große Freude darüber, dass es jetzt anders wird.“
Ähnlich sieht es Schnieder. Der konstituierenden Sitzung schaue er positiv entgegen. „Die Stimmung ist gut, eine gewisse Erwartungsspannung ist immer da“, sagte er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Nach der Jubiläumsfeier wolle er nach Mainz fahren, wo seine Familie ihn schon erwarte. Dort plane er, noch sein Büro in der Fraktion zu räumen, denn das wird morgen schon nicht mehr seins sein. Doch bevor es so weit war, widmete er sich noch den CDU-Mitgliedern in Eisenberg, bei Kaffee und Kuchen.
Die Geehrten