Grünstadt
Schüler kollabieren in überhitztem Bus: Warum die Polizei ermittelt
Die Bildungsreise nach Bad Marienberg hat an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Grünstadt Tradition: Wie auch in den Jahren zuvor, besuchten dort in der vergangenen Woche Schüler das Europahaus Marienberg, um sich mit der aktuellen Europapolitik auseinanderzusetzen. Soweit nicht ungewöhnlich. Nachdem die Schüler allerdings am Freitag wieder zurück in Grünstadt angekommen waren, ermittelt nun die Polizei.
Was war geschehen? Nach Angaben der Autobahnpolizei hatten rund 40 Schüler während der Rückreise in einem überhitzten Bus mit Kreislaufproblemen zu kämpfen, nachdem dort die Klimaanlage ausgefallen sei. Demnach habe der Bus eine Innentemperatur von 39 bis 40 Grad aufgewiesen. Zur Erinnerung: Im Vorfeld hatte der Deutsche Wetterdienst vor hohen Temperaturen bis 35 Grad gewarnt. Aufgrund des Verdachts auf einen Hitzschlag seien nach der Fahrt drei Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren in umliegende Krankenhäuser gebracht worden, so Polizeisprecher Andreas Hellwich. Der Rettungsdienst habe die restlichen Schüler betreut. Dabei hätten sie keine weiteren körperlichen Beschwerden angegeben, nachdem sie etwas zu trinken erhalten hatten.
Busfahrer soll Beschwerden ignoriert haben
Der Grund, warum die Sache vor Gericht landen könnten: Der 46-jährige Busfahrer soll laut Polizei während der rund eineinhalbstündigen Fahrt die Situation ignoriert haben, weshalb ein Strafverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet wurde. Bereits zu Fahrtbeginn hätten die beiden Lehrerinnen, die ebenfalls im Bus waren, auf Probleme mit der Klimaanlage hingewiesen. Erst gegen 16.45 Uhr auf der A6 bei Gerolsheim habe der Fahrer angehalten, nachdem ein Schüler sich übergeben musste. Ein zweiter Reisebus, der eine andere Schülergruppe beförderte, habe von dort aus die Jugendlichen dann zum Mitfahrerparkplatz in Grünstadt transportiert, wo Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes sich um sie kümmerten.
„Die Stimmung war sehr angespannt. Viele hatten Panikattacken und haben auch geweint“, beschreibt eine 16-jährige IGS-Schülerin gegenüber der RHEINPFALZ die Busfahrt von vergangener Woche, die für sie und viele Mitschüler immer noch sehr belastend sei. Bereits rund 30 Minuten nach Beginn der Fahrt sei die Hitze im Bus so unerträglich gewesen, dass viele männliche Schüler ihre Oberteile ausgezogen hätten, so die 16-Jährige. Auch die Handys hätten sich wegen der hohen Temperaturen teilweise abgeschaltet. Einen kurzen Halt habe der Fahrer zwar bereits vor Gerolsheim eingelegt, allerdings nur, damit die Schüler auf die Toilette gehen können. Zuvor hätten die Lehrerinnen den Busfahrer angeschrien und dazu aufgefordert, dass er halten soll.
Schulleiter will Fahrer anzeigen
Schulleiter Uwe Chormann zeigt sich entsetzt über das Verhalten des Busfahrers und wirft ihm vor, eine Gesundheitsgefährdung in Kauf genommen zu haben. Nicht nur habe er nach Angaben der beiden Lehrkräfte sich mehrmals geweigert, anzuhalten, sondern auch „die Unwahrheit gesagt“. Demnach sei zu Beginn der Fahrt noch versichert worden, dass die Klimaanlage funktioniert. Er selbst werde deshalb auch Strafanzeige gegen den Fahrer erstatten – wegen Verdacht auf fahrlässige Körperverletzung.
Dem Busunternehmen, das für die Fahrt von Grünstadt nach Bad Marienberg und wieder zurück zuständig war, macht Chormann allerdings keinen Vorwurf. „Wir kooperieren schon seit vielen Jahren, und bisher war das Unternehmen immer zuverlässig“, sagt der Schulleiter. Aus seiner Sicht handele es sich um einen Einzelfall, der auf das Fehlverhalten des Fahrers zurückzuführen sei.
Busunternehmen reagiert auf Vorwürfe
Bei diesem handelt es sich laut Bettina Stahl-Krug, Geschäftsführerin der Leopold Stahl GmbH aus Bad Marienberg, um den Chef eines anderen Busunternehmens, das auch selbst Busfahrer vermittele. Der 46-Jährige sei aufgrund eines Krankheitsfalls als Fahrer kurzfristig angemietet worden.
Auf Anfrage der RHEINPFALZ entschuldigt sie sich bei den betroffenen Jugendlichen und ihren Eltern. Mit der Schule habe sie sich bereits abgesprochen, dass die Reisekosten für die Fahrt als Gutschrift erstattet werden sollen. Als weitere Konsequenz aus dem Vorfall werde es künftig zusätzliche und regelmäßige betriebliche Unterweisungen geben, bei denen Busfahrer auf solche Situationen besser vorbereitet werden sollen.
Gleichzeitig weist die Geschäftsführerin die Vorwürfe gegen den Fahrer zurück – etwa, die Unwahrheit gesagt zu haben. Demnach habe die Klimaanlage vor der Rückfahrt noch funktioniert. Erst kurz davor sei ein Ventil undicht geworden, sodass Kühlmittel verloren ging. Die Anlage konnte damit eingeschaltet werden, kühlte aber nicht mehr. „Für mich handelt es sich um einen technischen Defekt und kein menschliches Versagen“, so Stahl-Krug. Der Busfahrer habe die Rettungskräfte informiert und ihr gegenüber verdeutlicht, dass er reagiert hätte, falls die Schüler signalisiert hätten, dass es ihnen zu heiß sei.
Staatsanwaltschaft entscheidet
Ob dem Fahrer juristische Konsequenzen drohen, bleibt abzuwarten. Nach Abschluss der Ermittlungen durch die Autobahnpolizei werde das Strafverfahren laut Hellwich an die Staatsanwaltschaft Frankenthal abgegeben.