Bissersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Reihenweise mysteriöse Schäden: Pfälzer Öko-Winzer vermutet Sabotage

Ist in seinem Heimatort umstritten: Genossenschafts- und Ökowinzer Wolfgang Bender.
Ist in seinem Heimatort umstritten: Genossenschafts- und Ökowinzer Wolfgang Bender.

Der Winzer ist in seinem Heimatdorf umstritten, nun klagt er über Diebstahl und Vandalismus. Details schüren den Verdacht, dass der Täter aus der Branche kommt.

Die Gestalt schreitet zielstrebig durch das Dunkel der Nacht, meidet aber den Schotterweg und läuft lieber seitlich durchs Gras. So kommt sie nur für wenige Sekunden ins Blickfeld der Überwachungskamera. Und vor allem: Der mysteriöse Mensch ist nur von hinten zu sehen. Also lässt sich über ihn lediglich sagen, dass er schlank, weder besonders groß noch besonders klein und vermutlich ein Mann ist. Und dass an seinem Hinterkopf in jener Nacht ein Reflektor-Aufnäher aufleuchtete, der entweder an seiner Mütze oder am Band einer Stirnlampe befestigt war.

Rebstöcke geopfert

Für den Pfälzer Bio-Winzer Wolfgang Bender allerdings ist die Aufnahme einer seiner Überwachungskameras die bislang heißeste Spur zu einem Phantom, das ihm seit Monaten den Betrieb in Bissersheim zu sabotieren scheint. Der 37-Jährige zählt auf: Zunächst ist ihm ein Tresterwagen gestohlen worden. Dann sind von seinen Flächen Weinbergpfosten verschwunden. Vor allem aber: Wieder und wieder hat jemand Baum- und Sträuchersetzlinge abgeschnitten, die doch zum Kern seines außergewöhnlichen Bewirtschaftungskonzepts gehören.

Vom Weinbau geprägt: Blick auf Bissersheim.
Vom Weinbau geprägt: Blick auf Bissersheim.

Dessen Hintergrund beschreibt Bender so: Rund um sein Heimatdorf habe die Flurbereinigung vor Jahrzehnten besonders schlimm gewütet. Mehr noch als anderswo seien Böschungen, Hecken und Bäume aus der Flur verschwunden – mit fatalen Folgen, nicht nur für Natur und Artenvielfalt. Denn der Klimawandel lässt die Sonne immer unbarmherziger auf die Trauben brennen. Der 37-Jährige hat daher einen Teil seiner Rebstöcke geopfert: teils für reine Biotop-Flächen. Und teils für ein Vitiforst-Konzept, das Flächen für einen kombinierten Wein- und Obstanbau nutzt.

Bissersheimer Verschandelungs-Vorwürfe

Außerdem gehören die Areale des einstigen Familienbetriebs seit 2021 nicht mehr ihm persönlich, sondern der Habitat Weine eG: einer Genossenschaft im Verantwortungseigentum. Deren Mitglieder verzichten bewusst auf Gewinnausschüttungen. Bender wiederum hat dabei nur mehr die Rolle eines Geschäftsführers. Dieses außergewöhnliche Modell hat ihm zum Beispiel eine 30.000-Euro-Förderung aus einem von großen Firmen unterstützten Programm des Naturschutzbunds Nabu eingebracht, stößt in Bissersheim aber auf Vorbehalte.

Für sein Konzept gefeiert: Wolfgang Bender bekommt einen Nabu-Förderpreis in Berlin.
Für sein Konzept gefeiert: Wolfgang Bender bekommt einen Nabu-Förderpreis in Berlin.

Besonders laut geworden ist die Kritik an dem 37-Jährigen vor gut einem Jahr. Damals schlug ihm der Vorwurf entgegen, dass er die schöne Bissersheimer Landschaft verschandele. Denn er hat gegen den hartnäckigen Widerstand der Ortsgemeinde außerhalb des Dorfs auf einer Anhöhe zwei Rundbogen-Hallen errichtet: 15 Meter lang die eine, 18 Meter lang die andere. Ihre über Streben gezogenen Planen-Hüllen ragen auf dem Goldberg gut vier Meter in die Höhe, sind weithin sichtbar – und kein schöner Anblick, das räumte Bender damals selbst ein.

Rückzug aus dem Dorf

Allerdings kann er als Winzer auf ein spezielles Vorrecht pochen. Sonstige Betriebe oder Privatleute dürfen neue Gebäude nur in dafür bestimmten Zonen wie Bau- oder Gewerbegebieten errichten. Ein Landwirt hingegen kann Hallen irgendwo in die Landschaft stellen – wenn er denn verschiedene Voraussetzungen erfüllt. So muss ihm seine Kammer bescheinigen, dass er die Bauwerke wirklich braucht. Und das hat sie in Benders Fall getan. Denn das einstige Familienanwesen im Ort hat er verkauft, er sagt: Er wollte so „Nutzungskonflikte zu reduzieren“.

Als landschaftsverschandelnd kritisiert: Benders Wingertshallen kurz nach ihrer Errichtung.
Als landschaftsverschandelnd kritisiert: Benders Wingertshallen kurz nach ihrer Errichtung.

Vor allem wegen nächtlicher Arbeiten etwa für den Pflanzenschutz sowie wegen des strengen Geruchs biologischer Präparate habe es zuvor Probleme gegeben, erläutert der Winzer. Dass er nun Unterstell-Möglichkeiten für Maschinen und Gerätschaften in der Umgebung braucht, ist die Kehrseite seines Rückzugs aus dem Dorf. Die Kreisverwaltung hat den Bau der Hallen daher am Ende genehmigt, die Ortsgemeinde konnte das nicht verhindern. Aber sie hat mit ihrem Widerstand alles merklich verzögert, und das nimmt Bender ihr nach wie vor übel.

18.000 Euro Schäden

Er findet: Ihm sei monatelang verweigert worden, was schlicht sein gutes Recht war. Weil sich derweil die allgemeinen Baukosten verteuerten und Folgekosten dazukamen, sei der Habitat-Genossenschaft ein Schaden von rund 50.000 Euro entstanden. Wegen der verschiedenen Diebstähle und des Vandalismus kommen nun weitere 18.000 Euro hinzu, rechnet Bender vor. An zufällige Häufung mag er dabei nicht mehr glauben. Er meint: Zur Beute eines Gelegenheitsdiebs könnten allenfalls die verschwundenen Weinbergspfosten geworden sein.

Gekappt: Setzling im Wingert.
Gekappt: Setzling im Wingert.

Die kosteten pro Stück um die 20 Euro, dieses Geld wollten sich manche Kollegen eben sparen. Von den abgeschnitten Bäumen und Sträuchern hingegen habe niemand profitiert. Die seien einfach nur gekappt und damit zerstört worden. Dabei habe es teils auch Pflanzen getroffen, die Bissersheim befrieden sollten: indem sie einen grünen Sichtschutz-Wall rund um die Rundbogenhallen bilden und sie so in ein paar Jahren nahezu unsichtbar machen. Zerstört worden sind aber auch Setzlinge auf weiteren, im Umfeld verstreuten Flächen der Genossenschaft.

Phantom mit Insider-Wissen

Bender schließt daraus: Da will jemand sehr gezielt seine Arbeit ruinieren. Und dieser Unbekannte muss Insider-Kenntnisse haben. Schließlich weiß längst nicht jeder, wem rund ums Dorf welcher Wingert gehört. In dieselbe Richtung lässt ihn auch das mysteriöse Verschwinden seines Tresterwagens denken. Der war ihm zufolge Baujahr 1982, hatte durch Modernisierung jetzt aber wieder einen Wert von immerhin 14.000 Euro. Doch zugleich sei der Anhänger so gut zu identifizieren, dass ihn ein Dieb schwerlich im eigenen Wingert benutzen könnte.

Sollte Teil eines grünen Sichtschutz-Walls rund um die Hallen werden: gekappter Setzling.
Sollte Teil eines grünen Sichtschutz-Walls rund um die Hallen werden: gekappter Setzling.

Der Alternativ-Winzer meint daher: Auch in diesem Fall ging es nur darum, ihm zu schaden. Und neben Insider-Kenntnissen ergebe sich ein weiteres Indiz dafür, dass der Täter aus der Winzer-Szene kommt: Abtransportieren ließ sich der Anhänger nur mit einem für Weinbau-Betriebe typischen Schmalspur-Traktor.

Kontakt

Zeugenhinweise an die Kriminalpolizei in Ludwigshafen, Telefon 0621 96323312, E-Mail KDLudwigshafen.KI3.K31@polizei.rlp.de.

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