Kreis DÜW
Rauchfrei leben: Adressen, Apps und Kurse in der Region
Der Fagerström-Test ist ein gutes Instrument: Sechs Fragen müssen beantwortet werden, schon steht fest, wie körperlich abhängig der Getestete von Zigaretten ist. Meine rauchenden Kollegen machen ihn, ich auch – und bei mir kommt erstaunlicherweise eine Null heraus. Gar nicht körperlich abhängig. Das heißt: Entzugserscheinungen erwarten mich nach meinem Rauchstopp wohl nicht, zum Glück.
Wer aber Werte über zwei erhält, steckt tiefer drin und bekommt direkt den Rat, sich Hilfe zu holen. Doch genau das ist gar nicht so einfach. Während ich meinen Rauchfrei-Kurs, der nur unregelmäßig stattfindet, eher zufällig entdeckt habe, zeigt mir die Suche im Internet, dass es im ganzen Landkreis Bad Dürkheim genau eine Suchtberatungsstelle gibt. Sie gehört zur Diakonie Pfalz. Ich suche sie auf, um mehr zu erfahren.
Verweis auf Hilfe im Internet
Sophie Koob arbeitet dort in der Prävention, wobei sie zugibt, dass Rauchen bei der Suchtberatung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wenige Klienten kämen deshalb vorbei. Meistens sei das Rauchen eher eine Nebenerscheinung anderer Suchtkrankheiten, wenn Menschen das Haus der Diakonie aufsuchen. Dennoch beraten die Kollegen auch Raucher, wenn sie aufhören wollen, und verweisen dabei auf die Stellen im Internet, auf die ich auch gestoßen bin. Ein eigenes Programm gibt es vonseiten der Suchtberatungsstelle nicht. Dafür sei die Nachfrage zu gering, so ihr Eindruck.
Wichtig sei, dass die Betroffenen von sich aus aufhören wollen, damit es überhaupt funktioniert, sagt Koob. Werden sie von Angehörigen geschickt, sei die Erfolgsquote gering. Ist die Motivation aber vorhanden, gehe es im Gespräch darum, den Grad der Sucht festzustellen, und zwar diffiziler als beim Fagerström-Test. Der Suchtgrad hängt mit mehreren Faktoren zusammen, die auch bei anderen Stoffen zutreffen und die Koob erläutert: Wie stark ist das Verlangen nach dem Stoff? Gab es schon Versuche, aufzuhören, die gescheitert sind? Wie hoch ist die Toleranz? Nimmt das Mittel Einfluss auf den Alltag, werden Interessen vernachlässigt? Hat der Stoff Auswirkungen auf den Körper? Wenn drei der Faktoren zutreffen, sagt Koob, spreche man von Sucht, verglichen mit Gewohnheiten. „Aber der Übergang ist fließend“, betont sie.
Gewohnheit versus Sucht
Doch wie entsteht die Sucht überhaupt? Koob erklärt das mit vier Stufen. Zuerst fange es mit Genuss an, dann mit Gewohnheit, gefolgt von der missbräuchlichen Nutzung hin zur Sucht. Koob nennt ein Beispiel: Wer beim Kaffee eine Zigarette rauche, mache das aus Gewohnheit. Wer durch das Rauchen Stress reguliert, missbrauche die Glimmstängel bereits. Ich frage mich, ob Rauchen grundsätzlich irgendwann zur Sucht führt – und ob ich ohne körperliche Abhängigkeit nicht gelegentlich rauchen kann, aus Genuss? Koob schmunzelt: „Die meisten berichten, dass sie ganz aufhören müssen, damit das klappt.“ Das hänge mit dem Suchtgedächtnis zusammen: Das Gehirn erinnere sich für lange Zeit an das positive Gefühl, das mit dem Stoff verbunden ist, weshalb es häufig zu Rückfällen komme, wenn man doch mal schwach wird.
Damit das nicht passiert, besuche ich den Rauchfrei-Kurs, wobei ich Koob nun auch frage, ob das denn sinnvoll sei – und welche Angebote seriös sind. Die 30-Jährige rät dazu, sich über die Krankenkassen zu informieren, die auch zumeist einen Teil der Kosten tragen, wenn sie nicht sogar komplett zahlen. Wichtig sei, dass Trainer Qualifikationen besitzen und dass der Preis stimmt, sagt Koob. Transparenz sei entsprechend wichtig. Was die Methode betrifft – neben verhaltenstherapeutischen Angeboten gibt es beispielsweise auch Akupunktur und Hypnose – will sie keine Tipps geben. Jeder müsse entscheiden, was ihm am besten hilft, solange die Anbieter seriös sind.
Online-Kurse als Alternative
Doch wo finden sich Angebote? Bei der Recherche im Internet stoße ich bloß auf einige Kurse im weiteren Umfeld, teils über Krankenkassen wie die AOK oder die BKK, über die Rheinland-Pfälzische Technische Universität, das Westpfalz-Klinikum oder über die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz. Manche davon finden in Präsenz statt, viele online. Eine Plattform beispielsweise heißt Rauchfrei, gehört zum Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit und erlaubt die kostenlose Registrierung sowie Tagestipps und Pläne für das Leben ohne Zigaretten. Auch die App Nichtraucher-Helden, die Betroffene mit Rezept oder Genehmigung der Krankenkassen herunterladen können, verspricht Unterstützung. Vor Ort wiederum sieht es schwieriger aus. Koob rät dazu, den Hausarzt aufzusuchen und sich dort beraten zu lassen.Ich befinde mich inzwischen mitten im Rauchfrei-Kurs, begleitet von sieben Langzeit-Raucherinnen, und bereite mich auf die letzte Zigarette vor. Das Pensum habe ich bereits heruntergefahren. Mal schauen, ob der Fagerström-Test hält, was er verspricht und ich den körperlichen Entzug überspringe. In einigen Tagen ist es so weit.
Die Serie „Rauchfrei“
In einem siebenwöchigen Selbstversuch nimmt Redakteurin Mareike Keiper an einem Rauchfreikurs teil, berichtet von ihren Erfahrungen und gibt regelmäßig Informationen über verschiedene Aspekte des Rauchens und ein Leben ohne Zigaretten.